Doris Wittner

Die Journalistin und Schriftstellerin Doris Wittner kümmerte sich schon in der Zeit des deutschen Kaiserreichs um Frauenfragen und arbeitete nach dem Ersten Weltkrieg als Chefredakteurin sowie Theater- und Kunstkritikerin für verschiedene Zeitschriften im In- und Ausland. Ab 1931 war sie Mitherausgeberin der Freien jüdischen Monatsschau.

Margarete Doris Levy wurde am 25. März 1880 in Berlin geboren, als Tochter des politischen Leitartiklers ► Isidor Levy von der Vossischen Zeitung. Isidor Levy hatte seine Dienstwohnung im Verlagshaus der Lessings an der Breiten Straße, wo seine Tochter aufwuchs, in ständigem Kontakt zum Journalismus.

Ihre ersten eigenen journalistischen Schritte machte sie folglich bei der Vossischen, wo sie, nach ihrer Heirat mit dem Handelsgerichtsrat Martin Wittner, nun als Doris Wittner von 1911 bis 1914 die Frauenbeilage redigierte sowie die Supplements „Aus der Frauenwelt“. Zudem verfasste sie Buchbesprechungen und Theaterkritiken.

Artikel von Ihr erschienen damals auch im Berliner Tageblatt oder im Berliner Börsen-Courir. Neben ihrer journalistischen Arbeit begann sie, belletristische Romane zu schreiben, etwa über die drei Frauen von Napoleon oder Heinrich Heines letzte Liebe.

Nach dem Ersten Weltkrieg war sie von 1922 bis 1925 Chefredakteurin der Zeitschrift Der Roland von Berlin – Wochenschrift für Kultur, Politik, Wirtschaft und Berliner Leben, die von da an als illustriertes Wochenmagazin unter dem prägnanteren Titel Roland. Gesellschaft, Kunst, Finanz erschien.

Sie arbeitete aber weiter auch für andere Medien – wie zum Beispiel mit ihrem ausführlichen Bericht „Moderne Kunst und Emigration in Paris“, der im August 1929 in Das Leben veröffentlicht wurde, einer illustrierten Zeitschrift aus Leipzig. Wittners ► Bericht über die Komponisten Arthur Honegger und Darius Milhaud, die Schriftsteller Claude Anet, Marthe Bibesco, Jean Cocteau, James Joyce oder Philippe Soupault sowie die Künstler Marc Chagall, Robert Delaunay und Fernand Léger, hatte die in Paris lebende Fotografin Ruth Asch mit Porträtfotos illustriert.

Und Wittner schrieb aus ihrer liberal-jüdischen Sicht für mehrere Blätter des Judentums, wie die Jüdisch-Liberale Zeitung. Dort im März 1931 über ihre Sicht zur bisherigen Stellung und die zukünftigen Ansprüche nicht nur jüdischer Frauen: „Aber bis der endgültige Rechtspruch über des Weibes Ruf und Berufung erfolgt, werden wir jedem Frauengeist, der ‚strebend sich bemüht‘, Anerkennung und Ehrerbietung zollen. […] Insbesondere unsere Glaubensgenossinnen, die gewohnt sind, Menschenlose nur nach Jahrtausenden zu messen.“ 

Im gleichen Jahr wurde Doris Wittner dann Mitherausgeberin der Freien jüdischen Monatsschau, einer Revue für Politik, Literatur, Wissenschaft und Kunst.

Artikel von ihr erschienen weiterhin im Ausland: etwa in der Neuen Freien Presse in Wien, im Neuen Wiener Journal oder in den Neuen Zürcher Zeitung. Und vermehrt in Deutschland: in der Frankfurter Zeitung, in der Neuen Leipziger, dem Hamburger Fremdenblatt oder in den Neuesten Nachrichten Braunschweig.

Doris Wittner war Mitglied im Reichsverband der Deutschen Presse, einer Berufsvertretung für Journalisten, die sich in der Regierungszeit von Heinrich Brüning gegen die zunehmenden Eingriffe zur Pressefreiheit mittels Notverordnungen meist leider nur vergebens wehren konnte. Und sie gehörte dem Schutzverband deutscher Schriftsteller SDS an. Doch nach der NS-Machtergreifung durfte die Jüdin Doris Wittner nur noch in solchen Publikationen veröffentlichen, die dem Judentum zugerechnet wurden.

Damals wandte sie sich dem Zionismus zu und konnte als Sonderberichterstatterin des Israelitischen Familienblatts eine Reisegruppe nach Israel begleiten und darüber im Februar 1935 in mehreren ► Reisebriefen ausführlich berichten:

Im November 1935 starb ihr Ehemann – knapp zwei Jahre danach starb auch Doris Wittner, kurz vor ihrem 57. Geburtstag nach schwerer Krankheit und einer Operation. Sie wurde neben ihrem Ehemann auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

 

(hhb)

 

Quellen

Richard May: Doris Wittner gestorben / Central-Verein-Zeitung / Allgemeine Zeitung des Judentums am 18. März 1937

Kerry Wallach: Doris Wittner’s Berlin Feuilletons / Gettysburg College 2014

 

Bücher + Schriften

Doris Wittner: Aus sterbenden Zeiten – Novellen / Grethlein & Co., Leipzig,1911

Doris Wittner: Drei Frauen. Das Liebesleben Napoleons / Grethlein & Co, 1913

Doris Wittner: Die Geschichte der kleinen Fliege. Ein Heine-Roman / Grethlein,1915

Doris Wittner: Das Thaulow-Museum in Kiel, eine Stätte der Überraschungen / in Die Heimat, Juni 1914