Fritz Wolf

Der österreichische Journalist und Filmkritiker Fritz Wolf gehörte zu den unbequem-anspruchsvollen Stimmen der aktuellen Medienpublizistik. Er prangerte die zunehmende Kommerzialisierung an und die Verflachung von Inhalten – die ständige Suche nach Sensationen, was durch das Internet noch angeheizt wurde.

Der aus Österreich stammende Journalist und Medienkritiker Fritz Wolf wurde am 8. Juni 1947 geboren. Nach seiner Ausbildung als Germanist und Dramaturg begann er 1979 als Kulturredakteur bei der Deutschen Volkszeitung und wurde 1988 deren stellvertretender Chefredakteur.

1993 entschied er sich er für eine Karriere als freier Journalist im Medienbüro. Er arbeitete für Printmedien – von 2000 bis 2002 zum Beispiel als Literaturredakteur für die „Galerie“ im Handelsblatt – sowie für den Hörfunk von WDR und DLF. Damals begann er zudem, das Filmschaffen und die Medien-Entwicklung mit kritischem Blick zu analysieren und seine Erkenntnisse weiter zu geben: in Seminaren und Workshops zum Thema Dokumentarfilm beim WDR, bei arte, rbb sowie an der Filmhochschule Ludwigsburg.

Er wurde langjähriges Jury-Mitglied des Adolf-Grimme-Preises, 2003 auch für den Baden-Württembergischen Dokumentarfilmpreis und nahm Lehraufträge an den Universitäten Marburg und Dortmund an. Außerdem engagierte er sich in der journalistischen Weiterbildung, etwa im Journalistenzentrum „Haus Busch“ in Hagen, beim „Münchner Medienforum“ oder den „Tutzinger Medientagen“.

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Copyright: Lars Gräßer / Grimme Institut

Seine Kritik an der aktuellen Mediensituation hat immer wieder Aufmerksamkeit erregt, etwa seine Frage nach der Aufgabe von Rundfunkräten, die sich anders als leider oft geschehen nicht in die Programmhoheit ihrer Sender einmischen dürfen.

Seine Haltung war deutlich: Wichtigste Aufgabe der öffentlich-rechtlichen TV- und Hörfunk-Sender ist es, eine politische Meinungsbildung zu ermöglichen, öffentliche Diskussionen darüber zu fördern und offen für Kritik auch aus dem Publikum zu sein. Gerade angesichts der Zunahme von Kommunikation im Internet und auf Web 2.0 war es ihm wichtig, zwischen aktuellem journalistischem Gehalt und Mainstream-Content zu unterscheiden. Aber auch zu verdeutlichen, dass dem Publikum dort inzwischen Instrumente zur Verfügung stehen, um sich aus ihrer einst passiven Rolle den Medien gegenüber zu befreien. Was die Chance zu mehr demokratischer Teilhabe eröffnet und was die „Old-School“-Medienmacher veranlassen sollte, dafür auch in ihren Medien mehr Freiräume anzubieten. Um die im Internet gern und problemlos verbreiteten Fake-News durch entsprechende Faktenchecks richtig zu stellen und so für Klarheit und Wahrheit zu sorgen.

Solche Medienthemen und seine Kritik an aktuellen Entwicklungen wurden immer wieder von der Süddeutschen Zeitung, von der Berliner Zeitung oder in der ZEIT veröffentlicht. Aber auch von Funk und Fernsehen: beim WDR im „Kulturmagazin“, in „Scala“ sowie „Resonanzen“, in „Märkte und Medien“ des Deutschlandfunks und im „Medienmagazin“ des Bayerischen Rundfunks.

Viele seiner Anregungen und Vorschläge sind inzwischen auf den Weg gebracht.

Fritz Wolf starb nach langer schwerer Krankheit am 29. August 2021 im Alter von 74 Jahren.

 

(hhb)

 

Quellen

Das Profil von Fritz Wolf / in das medienbüro

Fritz Wolf / Haus des Dokumentarfilms

Artikel von Fritz Wolf in DIE ZEIT

Artikel von Fritz Wolf / in Menschen machen Medien

Dirk Neubauer: Düsseldorf glotzt: „Man geht da offenen Auges in des Teufels Küche“ schimpft Medienkritiker Fritz Wolf und meint den WDR samt Rundfunkrat / Ddorf-aktuell am 25.8.2015

Fritz Wolf: Wir sind das Publikum – Autorit ätsverlust der Medien und Zwang zum Dialog / Otto Brenner Stiftung am 13.11.2015

Interview von Fritz Wolf zur Studie "Wir sind das Publikum" / radioeins-Medienmagazin am 17.11.2015

Michaela Hütig: Medienkritiker Wolf: Medien müssen sich für Kritik des Publikums öffnen / evangelisch.de am 23.12.2015

Dirk Szuszies: Wir trauern um Fritz Wolf / AG Dok am 3.9.2021

Nachruf Fritz Wolf / Universität Marburg – Institut für Medienwissenschaft am 4.9.2021

René Martens: Wir trauern um Fritz Wolf – Langjähriger Grimme-Preis-Juror Fritz Wolf verstorben

 

Bücher, Studien + Schriften

Fritz Wolf: Alles Doku - oder was? / Adolf-Grimme-Institut, 2003

Fritz Wolf: Trends und Perspektiven für die dokumentarische Form im Fernsehen / 2005

Fritz Wolf: Formatentwicklung im politischen Fernsehjournalismus / 2006

Fritz Wolf: Salto Lokale – Zur Lage des Lokaljournalismus / Hrsg. Mainzer Mediendisput, 2010

Fritz Wolf: Wa(h)re Information. Interessant geht vor relevant / netzwerk Recherche 2011

Fritz Wolf: Im öffentlichen Auftrag – Selbstverständnis der Rundfunkgremien, politische Praxis und Reformvorschläge / Otto-Brenner-Stiftung 2013

Fritz Wolf: Wir sind das Publikum – Autoritätsverlust der Medien und Zwang zum Dialog / Otto-Brenner-Stiftung 2015

Fritz Wolf: Deutschland – Doku-Land / Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm, 2019

Fritz Wolf in Das Medienbüro