Herbert Zimmermann

Der Sportreporter Herbert Zimmermann ist durch seine emotional aufgeladene Rundfunk-Reportage über das Endspiel zur Fußballweltmeisterschaft 1954 Deutschland gegen Ungarn berühmt geworden. Diese leidenschaftliche Radioreportage trug wesentlich dazu bei, dass besagtes Spiel für Nachkriegsdeutschland zur Legende wurde, zum oft zitierten „Wunder von Bern“.

Zimmermann wurde am 29. November 1917 in Alsdorf bei Aachen, ganz nahe der Grenze zu den Niederlanden, geboren. Nach zahllosen Umzügen seiner Familie machte er im Februar 1937 sein Abitur in Freiburg/Breisgau und absolvierte anschließend mehrere kurze Volontariate bei verschiedenen Zeitungen.

Im Zweiten Weltkrieg war er als Offizier und Panzerkommandant zuletzt an der Ostfront, wo er 1941 verwundet wurde.

Nach Kriegsende begann er für den NWDR Nordwestdeutschen Rundfunk in Hamburg zu arbeiten, von der Pike auf. Zunächst verlas er Wasserstandsmeldungen und die Namen auf Suchdienstlisten, wurde aber bald Sportreporter. Als solcher berichtete er aus Sankt Moritz von den Olympischen Winterspielen und aus London von den Sommerspielen 1948, an denen deutsche Sportler allerdings noch nicht teilnehmen durften. Daher sein Kommentar von der Schlussfeier in London:

„Mögen bei den Olympischen Spielen in Oslo und Helsinki auch die Nationen an den Start gehen, die heute noch fehlen oder fehlen müssen.“

 

article picture

Copyright: NDR

1950 wurde die Ultrakurzwelle eingeführt, die neue Übertragungsarten möglich machten: Mehr Regionalisierung zum Beispiel, was dazu führte, dass Zimmermann, nun Sportchef beim NWDR, Fußball-Konferenzschaltungen einführen konnte.

Berühmt wurde dann seine Radio-Übertragung des Weltmeisterschaftsendspiels 1954 aus dem Wankdorf-Stadion inBern:

„Sechs Minuten noch im Wankdorf-Stadion in Bern, keiner wankt, der Regen prasselt unaufhörlich hernieder, es ist schwer, aber die Zuschauer, sie harren aus. Wie könnten sie auch – eine Fußball-Weltmeisterschaft ist alle vier Jahre und wann sieht man ein solches Endspiel, so ausgeglichen, so packend. Jetzt Deutschland am linken Flügel durch Schäfer. Schäfers Zuspiel zu Morlock wird von den Ungarn abgewehrt – und Bozsik, immer wieder Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn am Ball. Er hat den Ball – verloren diesmal, gegen Schäfer. Schäfer nach innen geflankt. Kopfball – abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor!“

Und Minuten später, nach dem Schlusspfiff mit sich geradezu überschlagender Stimme:

„Aus, aus, aus – aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister!“

An dieser Stelle noch eine Anekdote über diese Reportage, die heutzutage sicher nur Kopfschütteln auslösen würde, damals aber als skandalös eingestuft wurde. Im Verlauf des Spiels hatte Zimmermann den deutschen Nationaltorwart Toni Turek, der offenbar nach dem erfolgten Ausgleich vom 0:2 Rückstand zu Höchstform aufgelaufen war, als „Fußballgott“ bezeichnet:

„Buzánszky versucht Kocsis einzusetzen. Kocsis kommt nicht an den Ball. Die Verteidiger der Ungarn müssen weit mit aufrücken, jetzt heben sie den Ball in den deutschen Strafraum hinein – Schuss! – Abwehr von Turek! Turek, du bist ein Teufelskerl! Turek, du bist ein Fußballgott!“

Über den angeblich blasphemischen Begriff „Fußballgott“ beschwerten sich mehrere Kirchenvertreter – als „Verstoß gegen das erste Gebot“. Angeblich sogar auch Bundespräsident Heuss und Kanzler Konrad Adenauer. Auf Drängen des mit dem Kanzler befreundeten Bankiers Pferdmenges wurde Zimmermann vom Intendanten des NWDR einbestellt, erhielt eine Rüge und musste sich öffentlich entschuldigen. Es soll sogar darüber diskutiert worden sein, ob er weiter als Sportreporter arbeiten dürfe.

Herbert Zimmermann blieb der Radioreportage treu, selbst als im Verlauf der 50er Jahre sich immer mehr Haushalte ein Fernsehgerät zugelegt hatten. Nach der Aufteilung des NWDR in NDR und WDR blieb er beim NDR in Hamburg und kehrte nicht in seine Heimat nach Nordrhein-Westfalen zurück.

1962 wurde er als Nachfolger von Robert Lembke ARD-Sportkoordinator und wirkte gelegentlich in dessen Rate-Show ‚17 und 4‘ mit. Vor allem aber berichtete und kommentierte er weiter über Sportereignisse - natürlich von allen folgenden Fußballweltmeisterschaften, zuletzt aus England über das Endspiel, das Deutschland im Wembley-Stadion 2:4 gegen England verlor. Jenes Spiel, das durch das umstrittene Wembley-Tor viele Diskussionen auslöste.

Nach einem schweren Autounfall in Bassum starb Herbert Zimmermann am 16. Dezember 1966 im Hamburger Universitätsklinikum. Er wurde in Alfter bei Bonn beigesetzt.

Der Verband deutscher Sportjournalisten vergibt seit 1985 jährlich den ‚Herbert-Zimmermann-Preis‘

(hhb)

 

Beitrag zu Herbert Zimmermann im Portal rheinische Geschichte

WDR 4 Meilensteine und Legenden: 1966 - Todestag des Sportreporters Herbert Zimmermann

WDR Zeitzeichen zum Geburtstag von Herbert Zimmermann

Planet Wissen von alpha, SWR und WDR zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954

Planet Wissen von alpha, SWR und WDR zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954 mit dem Original-Mitschnitt aus der legendären Reportage 1954

NDR Geschichte zur ersten Fußball-Schaltkonferenz, initiiert von Herbert Zimmermann