Alexander Zinn

Der Journalist und Schriftsteller Alexander Zinn arbeitete als Feuilletonist beim Hamburger Anzeiger und wurde 1923 der erste Direktor der Staatlichen Pressestelle in Hamburg. Von dort begleitete er das kulturelle Leben in der Hansestadt und gehörte zu den Gründern des Zeitungswissenschaftlichen Seminars an der Universität Hamburg. Seine Karriere als Staatsrat wurde 1933 von den NS-Machthabern beendet.

Heinrich Philipp Adelbert Alexander Zinn wurde am 18. März 1880 in Coburg geboren. Nach seiner Schulzeit begann er 1900 bei den Zittauer Nachrichten eine Ausbildung zum Journalisten. Schon im Jahr darauf wechselte er als zweiter Schriftleiter in die Redaktion des Landauer Anzeiger.

1903 kam er nach Hamburg und schrieb Theaterkritiken für die Neue Hamburger Zeitung. Schnell wurde er als Feuilletonist zu einer stadtbekannten Persönlichkeit, worauf ihn der Hamburger Anzeiger von 1907 bis 1914 zum Leiter seines Kulturressorts machte.

Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Zinn journalistisch für den Heinrich-Eisler-Verlag, der Fachzeitschriften und illustrierte Magazine auf den Markt brachte. Zudem war er in diesen Jahren Chefredakteur und Verlagsdirektor bei der Zeitschrift Die Hamburger Woche und begann nebenher literarisch zu arbeiten. Seine Komödie "Gewitter" wurde 1918 uraufgeführt. Außerdem initiierte er für die Literarische Gesellschaft die Herausgabe einer Literaturzeitschrift.

Nach dem Ersten Weltkrieg wandte sich Zinn stärker der Politik zu. 1920 übernahm er zunächst die Öffentlichkeitsarbeit für die Arbeitsgemeinschaft Groß-Hamburg, worauf ihn der Hamburger Senat 1922 bat, eine Staatliche Pressestelle aufzubauen – damals das erste Presseamt einer deutschen Landesregierung. Zu dessen Direktor wurde er 1923 berufen.

In den jetzt folgenden Anfangsjahren des Rundfunks hatten neben der Reichspost auch die jeweiligen Landesregierungen Einfluss auf die Weiterentwicklung der Sender. Auch Hamburg wurden ► Kontrollfunktionen bei der Nordischen Rundfunk Aktiengesellschaft (Norag) übertragen, die von Alexander Zinn ab 1924 kollegial ausgeübt wurden.

So verfasste er eine Denkschrift, die zur Grundlage neuer Zielgruppenprogramme wurde. Damals entstand beispielsweise das "Hamburger Hafenkonzert" – eine von den Programmmachern der Norag umgesetzte unterhaltsame ► Werbesendung für Hamburg, die erstmals am 9. Juni 1929 von Bord des im Hafen liegenden Ozeandampfers "Antonio Delfino" übertragen wurde.

Seit 1922 hatte er zusammen mit dem Chefredakteur des Hamburger Fremdenblattes Arthur Obst an der Universität ein Zeitungswissenschaftliches Seminar eingerichtet, wo er von nun an regelmäßige Vorlesungen über Zeitungskunde abhielt.

Als Mitglied der links-liberalen DDP Deutsche Demokratische Partei arbeitete er eng mit dem Hamburger Bürgermeister Carl Petersen zusammen, schrieb Reden für seinen Parteifreund und leitete ab 1925 die Senatskommission für Kunstpflege in Hamburg.

Alexander Zinn war Mitglied des Presseausschuss beim Deutschen Städtetag und sorgte im Rahmen des Hamburgisch-Preußischen Abkommens für eine Hafengemeinschaft der Hansestadt mit den damals preußischen Stadtkreisen Altona und Harburg.

Nach der Machtergreifung durch die Nazis weigerte sich Zinn, seine Ämter zu kündigen. Er ließ sich krankschreiben, bis ihn die neuen Machthaber dann am 9. März 1933 in den einstweiligen Ruhestand versetzten und ihn kurz darauf aus dem Staatsdienst entfernten.

Von nun an konzentrierte er sich auf seine schriftstellerische Arbeit, verfasste Dramen, drei Romane und mehrere Kurzgeschichten. Seine Bühnenwerke aber durften in der NS-Zeit nicht aufgeführt werden, immerhin aber der Film "Die gute Sieben", den Wolfgang Liebeneiner 1940 nach seinem Buch gedreht hatte.

Adelbert Alexander Zinn starb am 17. April 1941 im Alter von nur 61 Jahren an einem Herzleiden in Stuttgart-Bad Cannstatt und wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt.

Und 1950 wurde die Alexander-Zinn-Straße in Hamburg Groß-Flottbek nach ihm benannt. Außerdem verlieh die Stadt Hamburg von 1963 an im Gedenken an Alexander Zinn alle drei Jahre einen "Alexander-Zinn-Preis" an Hamburger Journalisten, Schriftsteller und Künstler.

(hhb)

 

Quellen

Dirk Brietzke: Alexander Zinn / in Hamburger Persönlichkeiten

Hans-Ulrich Wagner: Live vom Ozeandampfer - das Hamburger Hafenkonzert / NDR am 29.9.2011

Hans-Ulrich Wagner: 1924 – Der Norden Geht auf Sendung / NDR.de am 8.1.2014

Senator Gerhard F. Kramer: Journalist, Poet und Staatsmann – Rede auf Alexander Zinn und Laudatio anläßlich der Verleihung des Alexander-Zinn-Preises 1969 an Erich Lüth / Kulturbehörde der Hansestadt Hamburg

 

Bücher + Schriften

Adelbert Alexander Zinn: Wöldermanns Park / G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung 1936

Adelbert Alexander Zinn: Die schmale Stiege / 1938

Adelbert Alexander Zinn: Meister Mathis genannt Grünewald / G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung 1938

Adelbert Alexander Zinn: Im krummen Spiegel. Heitere Geschichten und literarische Miniaturen / G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung - aus dem Nachlass, 1942

Adelbert Alexander Zinn: Ein Laienweg zum Vaterunser / Evangelische Jahresbriefe 1938