Susanne von Paczensky war eine deutsche Journalistin und Autorin. Sie ist eine wichtige Vertreterin der deutschen Frauenbewegung. In der männerdominierten Arbeitswelt der frühen Bundesrepublik war ihre journalistische Karriere immer wieder ausgebremst worden.
Susanne Czapski wurde am 22. Januar 1923 in Augsburg geboren, als Tochter einer Beamtenfamilie. Ihr Vater, zwar ein getaufter Protestant, wurde nach NS-Rassegesetzen aber wieder zum Juden und Susanne darum ein „Mischling“.
Sie wuchs in Berlin auf in ging dort in Dahlem zur Schule, wo sie von ihren Mitschülern als „Judensau“ beschimpft und im Unterrichtsfach „Rassenkunde“ durch Schädelmessung als typische Halbjüdin hingestellt wurde: „Runder Kopf und dunkle Haut“. Nach dem Abitur begann sie ein Jurastudium in Freiburg, das sie allerdings abbrechen musste, als herauskam, dass ihr Arier-Nachweis gefälscht war. Darum tauchte sie als Helferin bei Verwandten in einem Dorf in Litauen unter.
Susanne von Paczensky (links) bei der Verleihung der Hedwig-Dohm-Urkunde 2004. Ulrike Helwerth gratuliert
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Unmittelbar nach dem Krieg war sie zunächst als Dolmetscherin für die US-Besatzungsmacht tätig. Ab Oktober 1945 durfte die 22-Jährige eine Ausbildung bei der Nachrichtenagentur DANA zur Nachrichtenredakteurin beginnen. Nach nur drei Monaten Lehrzeit wurde sie bereits ausgewählt, ab 1946 über den Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zu berichten.
Von 1947 bis 1949 war sie anschließend politische Redakteurin in der von den Briten gegründeten Tageszeitung Die Welt. Dort in Hamburg lernte sie Gert von Paczensky kennen und heiratete ihn. Als ihr Ehemann kurz darauf ebenfalls in das Politik-Ressort der Welt eintrat, wurde Susanne gezwungen, ins Feuilleton der Zeitung zu wechseln, da Ehepartner nicht im gleichen Ressort arbeiten durften.
1949 gingen beide gemeinsam nach London, wo allerdings allein ihr Mann einen Job als Auslandskorrespondent für Die Welt bekam – Susanne durfte lediglich für das Vermischte gelegentlich Artikel liefern. Und dies, obwohl sie durch ihre Berichterstattung aus Nürnberg auch in Großbritannien längst Ansehen als Journalistin genoss. 1951 wurde das Ehepaar nach Paris versetzt, zu ähnlichen Bedingungen.
Nach der Geburt ihres Sohnes kehrten die Paczenskys 1957 nach Hamburg zurück, wo Ehemann Gert Ressortchef Außenpolitik bei der Welt wurde. 1958 kam ihre Tochter zur Welt und ihr Ehemann wurde bald darauf Chef der Fernseh-Sendung „Panorama“. Susanne von Paczensky arbeitete von da an als freie Journalistin für Zeitschriften wie Brigitte und Constanze, für den Rundfunk oder den Kölner Stadtanzeiger.
1969 wurde das Ehepaar geschieden und Susanne von Paczensky begann ein Soziologie-Studium an der Hamburger Universität. In den 70er Jahren, in der Zeit der Studenten- und Frauenbewegungen, entwickelte sich auch ihr feministisches Engagement. Sie gründete die Hamburger Gruppe F.R.A.U. sowie die „Fraueninitiative 6. Oktober“ und setzte sich engagiert für eine Gleichstellungspolitik ein. Sie forderte Reformen im Strafvollzug, berichtete über den Prozess EMMA gegen den STERN und kämpfte gegen das Abtreibungsverbot - 1971 auch als eine der Bekennerinnen bei der Stern-Aktion „Ich habe abgetrieben“.
Mit dem Rowohlt-Verlag startete sie 1977 die Buchreihe „Frauen aktuell“. 1981 promovierte sie in Bremen in Soziologie zum Dr. phil. mit ihrer Dissertation „Soziale Beziehungen lesbischer Frauen“.
1982 gründete sie das FPZ Familienplanungszentrum Hamburg e.V. und initiierte dort den ersten sachlichen Aufklärungsfilm gegen die bis dahin verbreiteten Hetzfilme aus der katholischen Kirche: „Ein kurzer Film über den Schwangerschaftsabbruch“. Sie veröffentlichte daneben weiterhin Artikel zur Familienplanung oder über den Art. § 218, unter anderem in DIE ZEIT, in der Frankfurter Rundschau oder im Vorwärts.
Von 1991 bis 2003 arbeitete Susanne von Paczensky von Berkeley/Kalifornien aus als Auslandskorrespondentin für DIE ZEIT, die Süddeutsche Zeitung und die Brigitte.
1995 erhielt Susanne von Paczensky den Fritz-Sänger-Preis für ihr publizistisches Lebenswerk, weil, so in der Laudatio „sie seit 50 Jahren mit der Feder streitet, couragiert, kompetent und leidenschaftlich für eine demokratischere Gesellschaft, für Gedankenfreiheit, für soziale Reformen und für die Schwächeren in unserer Gesellschaft.“
2004 wurde sie mit dem Fritz-Bauer-Preis ausgezeichnet für ihren Kampf um Menschen- und Frauenrechte.
Susanne von Paczensky starb am 15. Mai 2010 in Hamburg, wo es im Stadtteil Altona-Nord seit 2016 eine Susanne-von-Paczensky-Straße gibt.
(hhb)
Quellen:
Journalistinnenbund: Preisträgerin 2004 - Susanne von Paczensky
Humanistische Union: Fritz-Bauer-Preis 2004
Erlebte Geschichten mit Susanne von Paczensky / WDR
Hamburger Frauenbiographien – Susanne von Paczensky