Der politische Karikaturist Walter Hanel brachte das Geschehen in der Bundesrepublik Deutschland zeichnerisch auf den Punkt und kommentierte es konturenstark schwarz auf weiß, humorvoll und satirisch. Seine Karikaturen im klassischen Stil wurden von zahlreichen deutschen und internationalen Medien veröffentlicht.
Walter Hanel wurde am 14. September 1930 in Teplitz-Schönau geboren, im heutigen Teplice. Dort besuchte er ab 1936 die Volksschule und anschließend das Internatsgymnasium in Altenburg, bis er nach Kriegsende mit seiner Mutter aus der böhmischen Heimat nach Eilenburg in Sachsen fliehen musste. Zuvor war er noch als 15-Jähriger zum Volkssturm eingezogen worden und erlebte in Dresden die dortige Bombardierung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er in Sachsen eine Lehre als Maler und Lackierer, setzte sich aber schon 1950 aus der DDR in die Bundesrepublik ab und arbeitete zunächst als Autolackierer bei Ford in Köln. Dort besuchte er nach Feierabend die Volkshochschule und begann 1953 in der Kölner Werkkunstschule eine Ausbildung zum Grafiker. Erste Arbeiten konnte er damals im wieder erschienenen Simplicissimus veröffentlichen. 1959 wurde Hanel der erste Preisträger in einem Karikaturen-Wettbewerb der Zeitung DIE WELT – mit seiner Zeichnung „Chruschtschow beim Zahnarzt“.
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Im Jahr darauf wurde er freier Mitarbeiter beim WDR und begann, Karikaturen und Cartoons zu zeichnen, die von immer mehr Medien veröffentlicht wurden: von DM, Christ und Welt und bald darauf regelmäßig vom Kölner Stadt-Anzeiger und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Als Pardon gegründet wurde, zeichnete er auch Karikaturen für dieses neue Satireblatt, obwohl er von seinen Kollegen dort wie Bernstein oder Waechter nicht allzu viel hielt; für ihn waren das keine Karikaturisten, sondern mehr Illustratoren.
Die Nachfrage nach seinen stringenten Karikaturen – den konturenstarken ausschließlich schwarzen Strichen blieb er immer treu – wuchs kontinuierlich, parallel zum zunehmenden internationalen Interesse an den Entwicklungen in der Bundesrepublik. Zu den Abnehmern seiner pfiffigen Polit-Karikaturen gehörten bald so namhafte Medien wie der SPIEGEL, Stern, Zeit-Magazin sowie die Herald Tribune, Le Monde, Soir, Politiken oder das Time Magazine. Hanel wurde so zu einem humorvollen Chronisten der Bonner Republik.
Allein für den Kölner Stadt-Anzeiger und die FAZ fertigte er mehr als 20 Jahre lang regelmäßig seine Karikaturen.
Walter Hanel wurde für seine Zeichenkunst vielfach ausgezeichnet: 1987 mit dem Wilhelm-Busch-Preis, 1999 in Polen mit der Goldmedaille Satyrykon, 2000 mit der Europa-Union-Medaille oder 2009 mit dem Deutschen Karikaturenpreis, den er für sein Lebenswerk erhielt.
Von Köln sei er lieber ins grüne Bergisch-Gladbach gezogen, meinte er schmunzelnd, als er dort 2003 zum Ehrenbürger ernannt wurde: „Nur einmal sei er freiwillig umgezogen, das war 1963 – aus freien Stücken von Köln nach Gladbach. Und dies ist die volle Wahrheit und dafür bin ich Bergisch-Gladbach dankbar.“ So sein humorvoller Kommentar mit Blick zurück auf seine unfreiwilligen Irrfahrten von Böhmen nach Altenburg und Dresden, von Eilenburg in der DDR erst nach Bayern und schließlich nach Köln. Ehrenbürger wurde er auch wegen seiner engagierten Zusammenarbeit mit Bergisch-Gladbach bei mehreren Aktionen und Projekten: mit Ausstellungen in der Kellergalerie Daeberitz oder der Aktion Kunst gegen Gewalt.
Walter Hanel starb am 28. April 2024 im Alter von 93 Jahren in Bonn.
(hhb)
Quellen:
Walter Hanel – Vita: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung
Walter Hanel – Kontur war seine Kunst / FAZ vom 4. Mai 2024
Pressestelle Stadt Bergisch Gladbach: Walter Hanel ist tot / IGL Bürgerportal in GL am 3. Mai 2024
Bücher:
Walter Hanel: Hanels Szenarium / Umschau 1987
Walter Hanel: Hanels Wiedervereinigung / Econ Verlag Düsseldorf 1990
Walter Hanel: Denkschule Demokratie / 2003
Walter Hanel: Oh, Justitia / 2007