Karl Holtz gehörte zu den bekanntesten Karikaturisten in der Weimarer Zeit. Er wurde am 14. Januar 1899 in Berlin geboren. Von 1909 bis 1913 besuchte er ein Gymnasium in Danzig und studierte anschließend von 1914 bis 1919 auf der Kunstgewerbeschule in Berlin, die damals als Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin bezeichnet wurde. Dort war er Schüler von Emil Orlik und Ludwig Sütterlin.
Schon als 17-Jähriger zeichnete er Karikaturen für die Berliner Volkszeitung, für Wieland: Zeitschrift für Kunst und Dichtung oder für die Lustigen Blätter. 1918 musste er in Straßburg seinen Wehrdienst leisten und in dieser Zeit auch Kriegspropaganda zeichnen, die im Ulk veröffentlicht wurden.
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Nach seiner Heimkehr aus dem Elsass nach Berlin beteiligte er sich an den Straßenkämpfen der Spartakisten gegen die Freikorps-Soldaten. Und lernte so Rosa Luxemburg kennen. Holtz arbeitete während der Novemberrevolution für die klar links orientierte Presse, wie die Rote Fahne der KPD oder für Freiheit und Freie Welt der USPD. Als überzeugter Linker und treffsicherer Karikaturist mit bissigem Humor und viel Sinn für Gerechtigkeit.
Ab 1920 unternahm er zahlreiche Reisen durch Deutschland, nach Frankreich, Italien oder Tunesien und konzentrierte sich auf künstlerische Arbeiten im Stil der aufkommenden Neuen Sachlichkeit. In diesen Jahren schuf er vor allem Aquarelle, Lithographien und Radierungen für den Kunstmarkt genau wie Otto Dix oder sein Studienfreund George Grosz. Er beteiligte sich auch an Kunstausstellungen, die Otto Dix organisiert hatte.
Aber schon ab 1924 konzentrierte er sich wieder auf politische Karikaturen und zeichnete vornehmlich für die sozialdemokratische Satirezeitschrift Der Wahre Jacob oder das Witzblatt Lachen Links, daneben für Die Aktion, die Berliner Illustrirte, B.Z. am Mittag, Brummbär, Frauenwelt, Hackebeils Illustrierte, Uhu, Volk und Zeit und für viele andere Medien.
In der Weimarer Zeit legte sich der linke Freigeist Karl Holtz, der niemals Parteimitglied wurde, naturgemäß mit den Nationalsozialisten an und veröffentlichte in der Zeit vor der Machtergreifung bissige Karikaturen. Parteipropaganda wie „Arbeitslose! Brot nur durch Hitler!“ konterkarierte er mit „Das ist falsch ausgedrückt. Der Sinn ist: Hitler wird uns etwas einbrocken, was das gesamte Proletariat auszulöffeln hat!“ Oder: „Das letzte Geschäft des Kapitalismus: Ihr seid verkauft, Nazi-Proleten!“
In Der Wahre Jacob stellte er 1931 Hitler in kurzen Hosen und Kniestrümpfen voller Hakenkreuze dar, mit einer Guillotine unterm Arm. Und darunter der Text: „Die verschiedensten Kreise fordern die Ausweisung Hitlers. Wir wenden uns mit Entschiedenheit gegen diese Forderung! Man kann unsere Beziehungen zum Ausland nicht dadurch schädigen wollen, daß man irgendeinem Staat diesen Mann aufhalst!“
Holtz, der sich 1932 in Bergholz-Rehbrücke bei Potsdam niedergelassen hatte, wunderte sich daher nicht, als er 1933 mit Berufsverbot als Pressezeichner bestraft wurde. Von da an arbeitete er als Werbegrafiker und Illustrator. Und konnte 1936 in Rehbrücke ein eigenes Haus beziehen. Von 1939 bis Kriegsende war er zur Wehrmacht eingezogen. Danach kehrte er nach Rehbrücke zurück, auch um nun wieder als Karikaturist und Pressezeichner tätig zu werden, jetzt in der sowjetischen Besatzungszone. Er arbeitete er für Ulenspiegel, Neue Berliner Illustrierte, Freie Welt, Leipziger Zeitung, die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung, den Observer und das Schweizer Satiremagazin Nebelspalter.
Als er im Nebelspalter, in der Ausgabe 21/1949, anonym eine Stalin-Karikatur veröffentlichte, die den sowjetischen Diktator als angeblichen Friedensengel darstellte, wurde er denunziert und zu 25 Jahre Haft verurteilt, die er im Zuchthaus Bautzen absitzen sollte. Aber auch dort verlor Karl Holtz seinen Humor nicht und flachste, „dass er für diese Arbeit immerhin sein höchstes Honorar bekommen habe: 25 Jahre Zuchthaus.“ Auf die Frage im Stasi-Verhör – so belegt es seine Stasi-Akte – ob er sich schuldig bekenne, antwortete Karl Holtz: „Ja, insofern ich die Karikaturen in Ausübung meines Berufes gezeichnet habe. Eine strafbare Handlung kann ich darin nicht erkennen.“
Autokratische Systeme reagieren überall in der Welt ähnlich: Sie wollen die öffentliche Meinung kontrollieren – im Dritten Reich wie danach nicht nur in kommunistischen Diktaturen. Für Sozialdemokraten wie Kurt Schumacher waren Kommunisten ohnehin so etwas wie rotlackierte Faschisten. Karikaturisten aber müssen Kritik an den Zeiterscheinungen üben, das verlangt ihr Beruf, und darüber schmunzeln die Leser. Diktaturen aber fürchten solche Wahrheiten und tun alles, um Kritiker jeder Art durch ihre rigide Kulturpolitik mundtot zu machen.
Karl Holtz wurde wegen guter Führung im Jahr 1956 begnadigt und begann sofort wieder, nun etwa für den 1954 in der DDR gegründeten Eulenspiegel zu arbeiten. Dort erschien 1957 in 22 Folgen sein Comic „Möchtelmanns Abenteuer“. Außerdem illustrierte er kleine Bücher wie seine eigene Karl Holtz Auktion, die 1964 bei Eulenspiegel herauskam.
Karl Holtz lebte zurückgezogen in Rehbrücke, wo er am 16. April 1978 starb.
(hhb)