Fritz Koch war ein deutscher Illustrator, Karikaturist und Autor. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg arbeitete er als Pressezeichner für den Ullstein-Verlag und wurde durch seine Zeichnungen zum damals wohl beliebtesten Karikaturisten in Deutschland. Um sich von anderen Künstlern gleichen Namens abzuheben, hängte er seinem Namen als Zusatz den Namen seiner Heimatstadt Gotha an. Und kommentierte diese Entscheidung so: „Es gibt viele Köche, aber nur einen Koch-Gotha!“
Friedrich Robert William Koch wurde am 5. Januar 1877 in Eberstädt bei Gotha geboren. 1880 zog die Familie nach Breslau, kehrte aber vier Jahre später zurück nach Gotha. Dort besuchte Fritz Koch die Grundschule, das Gymnasium und eine kaufmännische Berufsschule. Wegen seiner früh erkennbaren künstlerischen Begabung studierte er ab 1895 zunächst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und anschließend bis 1899 Malerei an der Kunstakademie Karlsruhe.
Copyright: Von Anonym - 50 Jahre Ullstein 1877–1927. Ullstein, Berlin 1927, S. 292., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=115232119
Zurück in Leipzig begann er als Postkarten-Illustrator und gelegentlich als Pressezeichner zu arbeiten. 1902 zog er nach Berlin und war dort freiberuflich tätig, bis er ab 1904 fester Mitarbeiter bei Ullsteins Berliner Illustrirten wurde. Für andere Titel des Verlags wie Lustige Blätter und Die Woche war er ebenfalls tätig und avancierte dadurch schnell zu einem der bekanntesten Karikaturisten. Kurt Tucholsky urteilte über Koch-Gotha am 11. November 1913 im Vorwärts: „Der Koch ist eine ulkige Nummer: er kann zeichnen wie Anton von Werner, glatt, richtig, photographisch richtig. Aber er bleibt nicht dabei wie der Stiefelmaler: er hat den Berliner Mittelstand ganz richtig gesehen und lacht. Eigentlich mehr mit ihm als über ihn, er hat kein hartes Herz, er freut sich nur, weil das alles so ulkig ist.“
Doch Koch-Gotha, wie er sich nun nannte, zeichnete nicht nur Karikaturen, sondern produzierte über seine Auslandsreisen nach Russland, Frankreich oder in die Türkei auch eindrucksvolle Bildreportagen.
1914 veröffentlichte Ullstein das „Koch-Gotha-Album“ mit Milieuzeichnungen der zu Ende gehenden Wilhelminischen Kaiserzeit. Und zehn Jahre später folgte sein wohl bekanntester Bucherfolg: „Die Häschenschule“, ein Kinderbuch von Albert Sixtus, das Koch-Gotha hinreißend illustrierte. Es wurde zu einem viel gelesenen und sehr beliebten Buch in der Früherziehung – eine kindgerechte Alternative zu den konventionellen Schulfibeln.
Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er während der Revolution von 1918 zu den führenden Bildberichterstattern in Berlin. Aber da hatte er sich schon ein weiteres Tätigkeitsfeld als Buchillustrator erschlossen – das mit seinen Zeichnungen zur Gesamtausgabe von Fritz Reuters Werken einen neuen Höhepunkt fand. Insgesamt illustrierte er rund 60 Bücher.
1933 beendete er seine Pressearbeit, weil die Nazis ihn als Propagandazeichner missbrauchen wollte. Einen Abgesandten von Goebbels fragte er unverblümt: „Können Sie sich einen von Koch-Gotha gezeichneten SA-Mann vorstellen?“
1940 bebilderte er mit Könnerhand das von Richard Fietsch verfasste Buch „Mit Säbel und Gewehr“, das im Dritten Reich auch zur vormilitärischen Erziehung eingesetzt wurde und nach dem Krieg kritische Fragen aufwarf. Es ist aber nur ein Bilderbuch über das „Soldatenspielen“ und in seiner Tonalität kaum zur Propaganda für eine NS-Militärideologie geeignet.
Seine Berliner Wohnung wurde 1944 im Verlauf des Zweiten Weltkriegs zerstört. Dabei ging fast sein gesamtes Archiv an Zeichnungen verloren. Mit seiner Frau zog er daraufhin in sein Sommerhaus nach Fischland auf dem Darß, nach Althagen bei Ahrenshoop.
Nach dem Krieg arbeitete er von dort für die Satirezeitung Frischer Wind, aus der dann der Eulenspiegel wurde.
Fritz Koch-Gotha starb am 16. Juni 1956 in Rostock.
(hhb)
Quellen:
Eva-Suzanne Bayer-Klötzer: Fritz Koch-Gotha / Neue Deutsche Biographie
kulturforum Berlin: Fünf Generationen einer Künstlerfamilie zwischen Berlin und Ahrenshoop
Bücher:
Fritz Koch-Gotha: Koch-Gotha-Album / Ullstein-Verlag, 1914
Albert Sixtus + Fritz Koch-Gotha: Die Häschenschule / Alfred Hahns Verlag