Wilhelm Scholz wurde am 23. Januar 1824 in Berlin geboren und starb am 20. Juni 1893 eben dort. In Berlin besuchte er das Gymnasium zum Grauen Kloster und später die Kunstakademie. Er war Schüler des Malers Karl Wilhelm Wach, der ihn eigentlich zum Porträtmaler ausbilden sollte. Durch den frühen Tod seines Vaters im Jahr 1843 musste er davon Abstand nehmen und seinen Lebensunterhalt als Zeichner und Illustrator verdienen.
Von der Gründung an im Jahr 1848 arbeitete er für das Satireblatt Kladderadatsch und gehört damit zu den Schöpfern der Zeitungskarikatur. Zuvor wurden solche Karikaturen bestenfalls von Gelegenheitskünstlern zumeist für Flugblätter geschaffen – in der Zeit um 1848 erlebte Deutschland nun eine geradezu eruptive Entfaltung der politischen Bildkarikatur als Mittel des politischen Meinungskampfes, während des Vor- wie Nachmärz.
Copyright: Friedrich Gustav Adolf Neumann. - Die Gartenlaube, Bd. 1867 (Teil 1), S. 205., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45352061
Zeichnungen von Wilhelm Scholz findet man auch im Berliner Krakehler sowie im Berliner Großmaul, in zwei kurzlebigen Satire-Blättern, die überall in Deutschland in jenen Jahren eines Pressefrühlings wie Pilze aus dem Boden schossen. Aber nach der Gegenrevolution auch wieder verschwanden.
Nicht so Kladderadatsch, für den Wilhelm Scholz mehr als 40 Jahre tätig sein durfte – lange Zeit als alleiniger Karikaturist und Illustrator. Berühmt wurden seine Zeichnungen von Bismarck und Napoleon III. Unterstützung erhielt er erst 1884 durch den bekannten Zeichner Gustav Brandt – die beiden wurden zusammen mit Olaf Gulbransson, der für den Simplicissimus arbeitete, zu den populärsten Karikaturisten in der damaligen Zeit. Interessant aber der Unterschied zum Simpl: die Zeichnungen von Scholz waren nie so aggressiv wie jene im Simpl, oft milderten sie sogar die Schärfe des dazu gehörenden Textes. Im Kladderadatsch bildeten Text und Illustration fast immer eine Einheit, sie ergänzten sich. Die Karikaturen im Simplicissimus dagegen schlugen meist knallhart zu und machten einen zusätzlichen Text überflüssig.
Das erste Titelbild mit dem Gesicht eines grinsenden Jungen wurde zum Markenzeichen des Witzblattes und aus diesem Grund über viele Jahre konsequent beibehalten. So erhielt Kladderadatsch sein einzigartiges, weil einheitliches Erscheinungsbild. Wilhelm Scholz war zudem der einzige in der Redaktion, der seine Beiträge signierte: mit W.S. Sein schreibender Kollege Ernst Dohm dagegen vernichtete seine Manuskripte, sofort nachdem sie gesetzt worden waren – darum ist es im Nachhinein schwer festzustellen, was von ihm stammte. Aber wie kaum ein anderes Blatt in dieser Kategorie war Kladderadatsch das Ergebnis einer sehr engen kollegialen Teamarbeit im vierblättrigen Kleeblatt an der Redaktionsspitze: Dohm-Kalisch-Löwenstein-Scholz. Die sich auch privat sehr gut verstanden, gemeinsame Ausflüge unternahmen, die gleichen Stammkneipen und Gartenrestaurants besuchten. Und dort weitere Persönlichkeiten anzogen, wie etwa den Humoristen Adolf Glaßbrenner.
Wilhelm Scholz arbeitete bis 1890 für den Kladderadatsch; in jenem Jahr musste er sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen.
(hhb)
Bücher:
Hans Rothfels/Liesel Hartenstein: Facsimile Querschnitt durch den Kladderadatsch; Scherz Verlag, 1965
Herbert Päge: Karikaturen in der Zeitung: engagierter Bildjournalismus oder opportunistisches Schmuckelement? – Shaker Media GmbH, 2007