Emil Stumpp

Emil Wilhelm Stumpp war in der Weimarer Republik einer der bekanntesten Pressezeichner. Geboren wurde er am 17. März 1886 in Neckarzimmern bei Bad Wimpfen. Seine Eltern waren Gärtner. Drei Jahre nach seiner Geburt zog die Familie nach Worms, wo Emil die Oberrealschule besuchte und sich den ‚Wandervögeln‘ anschloss.

Nach dem Abitur im Jahr 1904 begann er kurzzeitig ein Studium an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, studierte im Jahr darauf dann aber Philologie an der Marburger Philipps-Universität mit dem Ziel, Lehrer zu werden. Kurz darauf wechselte er zur Humboldt-Universität nach Berlin, unterbrach sein Studium aber für einen Aufenthalt in Skandinavien. Nach einem Jahr kehrte er nach Marburg zurück, um dort seine Lehrerausbildung abzuschließen. 1910 legte er seine Prüfung als Turn- und Zeichenlehrer ab und 1913 das Staatsexamen für das Höhere Lehramt in Deutsch und Englisch. Als Leutnant im Ersten Weltkrieg wurde er viermal verwundet und engagierte sich nach Kriegsende im Arbeiter- und Soldatenrat und trat der SPD bei.

 

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Caopyright: Von Emil Stumpp - Walter Daugsch, Lorenz Grimoni: Museum Stadt Königsberg in Duisburg. Leer 1998, ISBN 3-7921-0472-5, S. 153., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17965523

Ostern 1924 schied er aus dem Schuldienst aus, um in Berlin als freiberuflicher Maler und Zeichner zu arbeiten. Sein Schwerpunkt waren Porträtzeichnungen und deren lithographische Reproduktionen für die Presse. Sein Hauptkunde war der Dortmunder General-Anzeiger. Er illustrierte und zeichnete aber auch für das 8 Uhr-Abendblatt, für Der Abend, die Berliner Illustrirte, den Berliner Lokal-Anzeiger, das Berliner Tageblatt, die B.Z. am Mittag, den Bilder-Courier, das Dampfboot, die Deutschen Monatshefte, für die Deutsche Tageszeitung, Elegante Welt, Gartenlaube, Montag, Sport im Bild, Der Tag oder den Vorwärts. Stumpp wurde zum ‚rasenden Zeichner‘ und porträtierte zahllose Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Kultur, Sport, Wirtschaft und Wissenschaft. Für die Presse zeichnete er aber auch Landschaften und schuf verschiedene Stadtimpressionen.

1933 fertigte er ein wohl bewusst wenig schmeichelhaftes Porträt von Adolf Hitler an, welches der Dortmunder General-Anzeiger zu dessen Geburtstag am 20. April 1933 veröffentlichte. So etwas genügte damals zur Besetzung von Verlag und Druckerei dieser links-liberalen Zeitung durch die örtliche SA. Kurz darauf wurde die Dortmunder Zeitung ‚gleichgeschaltet‘ und damit zu einem Parteiorgan der NSDAP. Stumpp erhielt Publikationsverbot. Er unternahm zahlreiche Reisen ins Ausland, häufig war er in Schweden, im Heimatland seiner Frau Hedvig. Er musste sich mit Landschaftsmalerei und Aquarellen über Wasser halten.

Hitler-Karikatur aus dem Jahr 1933

Konrad Adenauer, 1. Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland (1949–1963), CDU

Bertolt Brecht, deutscher Dramatiker und Lyriker (1898–1956)

Friedrich Ebert, deutscher Politiker und Reichspräsident (1871-1925)

Robert Anthony Eden, 1. Earl of Avon, KG (1897-1977), dreimaliger britischer Außenminister und Premierminister des Vereinigten Königreichs

Theodor Heuss, 1. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland (1949–1959)

Franklin D. Roosevelt, 32. Präsident der Vereinigten Staaten

Max Schmeling, (1905-2005) deutscher Schwergewichtsboxer und Boxweltmeister im Schwergewicht

Alle Zeichnungen mit freundlicher Genehmigung des Emil Stumpp Archivs

Als er im Februar 1940 benachrichtigt wurde, dass eine seiner vier Töchter an einer tödlichen Krankheit litt, kehrte er von Stockholm nach Königsberg zurück. Eine Ausreisegenehmigung wurde ihm danach verwehrt. Also nahm er auf der Kurischen Nehrung Wohnsitz. Dort machte er aus seinem Herzen keine Mördergrube, äußerte sich kritisch und wurde von seinen Vermietern denunziert. Anfang Oktober wurde er verhaftet und von einem Sondergericht im Januar 1941 wegen Verstoßes gegen das ‚Heimtückegesetz‘ zu einem Jahr Haft verurteilt. Gefängnishaft bedeutete damals Hunger durch bewussten Ernährungsentzug – allein in den 6 Monaten im Königsberger Gefängnis verlor Stumpp 30 kg an Gewicht. Anfang April 1941 wurde der Häftling bei großer Kälte in einem unbeheizten Bahnwaggon nach Stuhm ins frühere Westpreußen verlegt. Ohnehin geschwächt erkrankte er dadurch an einer Lungenentzündung und starb wenige Tage darauf am 5. April 1941 in der Haftanstalt von Stuhm (heute Sztum).

(hhb)

 

Weitere Informationen zu Emil Stumpp im Emil Stumpp Archiv

Nachlass im Institut für Zeitungsforschung der Stadt Dortmund, Zeichnungen