Mirko Szewczuk

Mirko Szewczuk war in der Nachkriegszeit und in den 50er Jahren einer der führenden Karikaturisten. Er zeichnete für die ZEIT, die WELT, den NWDR und schoss dabei seine kritischen Pfeile in das zunehmende Durcheinander zwischen Ost und West.

Geboren wurde er am 20. September 1919 als Wolodymyr Szewczuk in Wien. Ein Sohn von russisch-österreichischer Herkunft, der Vater Ukrainer, die Mutter Wienerin. In Wien besuchte er die Volksschule und ein Realgymnasium. Schon früh begann er zu zeichnen. Seine erste Karikatur veröffentlichte das Kleine Blatt in Wien. Seine Vorbilder waren damals Olaf Gulbransson und der Simplicissimus. Auch in der Wiener Illustrierten erschienen da bereits einige Werke von ihm.

1939 musste er zum Militär, wurde dort zum Pressezeichner für eine Propaganda-Kompanie der Wehrmacht ausgebildet, legte 1941 seine Prüfung als Pressezeichner ab und auch die Schriftleiter-Prüfung. So überlebte er den Zweiten Weltkrieg – opportunistisch angepasst, wie er später selbstkritisch bekannte.

 

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Copyright: Unternehmensarchiv der Axel Springer SE

Nach Kriegsende zog Szewczuk nach Hamburg und studierte dort von 1946 bis 1949 an der Landeskunsthochschule am Lerchenfeld. Unter anderem bei Alfred Mahlau, der auch Lehrer von Horst Janssen und Vicco von Bülow/Loriot war. Während dieses Zeichenstudiums begann er, als Karikaturist zu arbeiten.

Schon die Titelseite der Erstausgabe der ZEIT am 21. Februar 1946 zierte eine Illustration von Mirko Szewczuk. Sie zeigte das Elend jener Jahre: Menschen als „Treibeis“. Auf einer Scholle treiben drei Männer in schwerer See – an ihnen vorbei schwimmt als Treibgut Hitlers Buch „Mein Kampf“. Mit seiner Zeichnung „Heim ins Reich“ illustrierte er dann das Flüchtlingselend in jenen Jahren. Und glossierte auch die anhaltenden Demontagen im ohnehin zertrümmerten Restdeutschland.

 

Alle Zeichnungen:  Unternehmensarchiv der Axel Springer SE
Szewczuk-Portrait zwischen seinen Karikaturen: Unternehmensarchiv der Axel Springer SE / Rich René Laubert.

1949 wechselte er als Chefzeichner zur WELT, von der er einen Exklusiv-Vertrag erhielt. Hier gestaltete er dreimal in der Woche eine eigene Seite: mit politischen Satiren oder heiteren Bildergeschichten wie „Meine Tochter Ilona“. Für die WELT entwickelte er auch die Sonnabend-Seite „Das kleine Welt-Theater“ mit „Mirkos Wochenbilderbogen“ und rieb sich dabei an Kanzler, Partei- und Länderchefs sowie an Funktionären und Wichtigtuern jeglicher Provenienz.

Mirko Szewczuk hat in diesen Jahren der politischen Karikatur ihr früheres Renommee zurückgegeben – ihr Ansehen, das in der Nazi-Zeit verloren gegangen war. Weil dort die politische Karikatur missbraucht wurde für widerwärtige Hassdarstellungen etwa im Völkischen Beobachter, im Stürmer und anderen gleichgeschalteten Medien. Aber auch jetzt gab es dünnhäutige Zeitgenossen, die sich von Pressezeichnern falsch dargestellt fühlten und manchmal mimosenhaft reagierten. Denen hielt er entgegen, dass Humor nicht gefährlich sei: „Gefährlich wirke nur der Witz, wenn er auf der Gegenseite nicht mit Humor aufgefangen werde.“

Ab 1951 arbeitete Szewczuk auch für das Fernsehen. Im ehemaligen Hochbunker auf dem Hamburger Heiligengeistfeld experimentierte der NWDR mit einem Fernseh-Versuchsprogramm. Dieser Sender war maßgeblich beteiligt am Aufbau des Fernsehens in Deutschland. Zwischen November 1950 und dem endgültigen Sendestart zu Weihnachten 1952 hatte man versuchsweise gut 31.000 Minuten sprich knapp 5.300 Stunden Programm aus dem Flakbunker ausgestrahlt. Und seit Juli 1952 ein tägliches Testbild. Ab 1953 war Szewczuk dann sogar persönlich im Fernsehen zu erleben: in seinem Format „Sind Sie im Bilde?“, bis 1957 fester Programmbestandteil. An jedem zweiten Freitag konnten die Zuschauer ihm ab 20 Uhr beim Zeichnen zuschauen. Dabei erzählte er Geschichten, in denen er politische Ereignisse auf satirische Weise zu Märchen umdichtete und sie gleich zu Karikaturen oder erklärenden Illustrationen verdichtete. Oft wurden daraus Bilderrätsel, die seine Zuschauer enträtseln sollten und nach Einsendung der Lösung Bücher gewinnen konnten.

Bleibt noch zu erwähnen, dass Mirko Szewczuk letztlich zum leitenden Grafiker des NWDR aufstieg – heute würde man ihn als Art-Direktor bezeichnen. Die graphische Gestaltung der Fernsehprogramme und ihre Titelbilder, alle Sende- und Pausenzeichen wurden von ihm entworfen.

Im Alter von nur 37 Jahren starb Mirko Szewczuk am 31. Mai 1957 in Hamburg an einem Herzinfarkt.

(hhb)

 

Quellen:

Walter Henkels: Zeitgenossen. 50 Bonner KöpfePorträtskizzen von Mirko Szewczuk - Rowohlt 1953

Erika Schuchardt/Walther Keim: Karika-Touren durch Niedersachsen, Wartberg Verlag 1996

Lars-Broder Keil: Ich habe sie mit meinem Stift alle aufgespießt - WELT vom 20.9.2019