Friedrich Karl Waechter

Friedrich Karl oder Eff Ka Waechter wurde am 3. November 1937 als Sohn eines Lehrers in Danzig geboren. Er wuchs unweit von Danzig in Tiegenhof auf, im heutigen Nowy Dwór Gdanski in der Nähe des Frischen Haffs. Der Vater war 1941 gefallen; seine Mutter floh im Winter 1944/45 mit ihren drei Kindern per Schiff über die verminte Ostsee nach Schleswig-Holstein. Dort besuchte Waechter die „Lauenburger Gelehrtenschule“ in Ratzeburg. Ein Jahr vor dem Abitur verließ er die Schule, um in Hamburg an der „Kunstschule Alsterdamm“ Gebrauchsgrafik zu studieren. Nach dem Studium arbeitete er in einer Werbeagentur in Freiburg/Breisgau und zeichnete nebenher Comics für die Zeitschrift twen.

Dadurch wurden die Gründer der geplanten Satirezeitschrift Pardon auf ihn aufmerksam, schickten ihm ihre Nullnummer und luden ihn ein, in die Gründungsredaktion einzutreten. Waechter kritisierte das Layout und schickte den beiden Verlegern Erich Bärmeier und Hans A. Nikel eigene Vorschläge. Daraufhin wurde er 1962 als Chef-Graphiker eingestellt.

 

article picture

Copyright: Britta Frenz

Von ihm stammt die Pardon-Titelfigur, ein Teufelchen, das grinsend seinen Hut lüpft. Pardon wurde zum Kult-Blatt der 68er-Bewegung. Ab 1964 gehörte Waechter zu den Mitgestaltern der Nonsense-Doppelseiten WimS Welt im Spiegel, die Pardon beigelegt wurden.

„Ich habe die Zeit bei ‚pardon‘ hauptsächlich deshalb so genossen, weil ich davor in der Schule brav und angepasst war. Und plötzlich die Erfahrung machte, für das, wofür ich in der Schule noch Ohrfeigen bezog, jetzt bei "pardon" geliebt und getätschelt zu werden und auch noch Geld dafür zu bekommen." So Waechters Erinnerung an seine Zeit bei Pardon.

 

article picture

Im Verlauf der siebziger Jahre gab es zunehmend Differenzen mit Chefredakteur Nikel. Waechter, seit 1966 nur noch freier Mitarbeiter bei Pardon, arbeitete nun häufiger als Autor und Illustrator von Kinderbüchern und begann ab 1975 auch Cartoons für das Zeitmagazin zu zeichnen. Sein Buch „Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein“, 1978 bei Diogenes erschienen, wurde zum Bestseller. 1979 kam es dann zum endgültigen Bruch mit Pardon, das sich mehr und mehr zu einem Gemischtwaren-Laden aus Ulk, Esoterik und Reisemagazin entwickelt hatte.

Zusammen mit F. W. Bernstein, Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Chlodwig Poth und Hans Traxler gründete er eine neue progressive Satire-Werkstatt, die sogenannte „Neue Frankfurter Schule“. Und die startete im November 1979 das endgültige Satiremagazin Titanic. Für Titanic arbeitete er bis 1992, war aber gleichzeitig auch als Theaterautor und Regisseur tätig, unter anderem in Frankfurt/Main, Hannover und München. Er übernahm Gastprofessuren an einigen Kunstakademien, etwa bei der „Fachhochschule für Gestaltung“ in Hamburg.

Am 16. September 2005 starb Waechter in Frankfurt an einem Krebsleiden.

(hhb)

 

Die ZEIT: Gabriele Killert - Leben ist unfair