Loriot

Loriot, eigentlich Bernhard-Victor Christoph-Carl Vicco von Bülow, wurde am 12. November 1923 als Spross eines alten mecklenburgischen Adelsgeschlechts in Brandenburg an der Havel geboren. Er war sechs Jahre alt, als seine Mutter starb. Der Junge wuchs mit seinem jüngeren Bruder zunächst bei seiner Großmutter in Berlin auf. 1933 zog er zu seinem Vater, der neu geheiratet hatte, und besuchte das Schadow-Gymnasium in Zehlendorf. 1938 zog die Familie nach Stuttgart, der Junge besuchte ein humanistisches Gymnasium und wirkte als Statist bei Oper und Schauspiel. Mit 17 Jahren machte er ein Notabitur und begann, der Familientradition entsprechend, eine Offizierslaufbahn bei einer Panzerdivision an der Ostfront. Bei Kriegsende war er Oberleutnant.

Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Holzfäller im Solling und legte erneut sein Abitur ab, diesmal in Northeim. Zwischen 1947 und 1949 studierte er Malerei und Grafik an der heutigen Hamburger Kunsthochschule am Lerchenfeld – damals Landeskunstschule. Dort entwarf er sein typisches Knollennasenmännchen und zeichnete als Cartoonist zunächst für das Hamburger Magazin Die Straße – bald darauf auch für den Stern.

Seit dieser Zeit benutzte er Loriot als Künstlername: Loriot ist die französische Bezeichnung für einen Pirol, das Wappentier der von Bülows. Seine ersten Gehversuche für den Stern – die Serie „Auf den Hund gekommen“ – lösten bei den Lesern Proteste aus. Chefredakteur Henri Nannen beendete die Serie. Als Buch bei Diogenes hatte von Bülow damit mehr Erfolg.

 

article picture

Copyright: Philipp von Ostau Photography

Als der Stern 1953 die Kinderbeilage Sternchen startete, lieferte Loriot eine neue Comic-Serie: „Reinhold das Nashorn“ – 17 Jahre lang! Dazwischen zeichnete er auch für Weltbild und die Quick. In jenen Jahren geisterten zudem seine typischen Knollennasenmännchen durch die Werbung, in Anzeigen und Trickfilmen. Und er versuchte sich mit Erfolg als Schauspieler, zunächst in kleinen Nebenrollen.  

Zwischen 1967 und 1972 moderierte Bülow die TV-Sendung „Cartoon“ für den Süddeutschen Rundfunk der ARD. In dieser Sendung interviewte er bekannte Karikaturisten auf einem Roten Sofa, das zu seinem Markenzeichen wurde, und präsentierte internationale aber auch eigene Zeichentrickfilme. 1971 schuf Loriot den Hund Wum als Maskottchen für die „Aktion Sorgenkind“ in der ZDF-Quizshow Drei mal Neun. Er ließ Wum sogar singen und „sich eine kleine Miezekatze wünschen“. Mit diesem Song, Sprechgesang von Loriot himself, führte er wochenlang die deutsche Hitparade an.

Fernsehgeschichte schrieb er, als er in zahlreichen Sketchen mit Evelyn Hamann auftrat sowie mit den beiden Filmen Ödipussi und Papa ante portas. Er führte mehrfach Regie an Opernhäusern (Freischütz und Martha). Bejubelt sein humoristisches Festkonzert mit den Berliner Philharmonikern zu deren 100. Geburtstag und seine humorvollen Moderationen der Berliner Opern-Galas zu Gunsten der Deutschen AIDS-Stiftung. Als Wagner-Fan setzte er dem Komponisten mit seiner Doppel-CD „Loriot erzählt Richard Wagners ‚Ring des Nibelungen’“ ein humoristisches Denkmal.

Schon 1968 hatte Vicco von Bülow den Adolf-Grimme-Preis erhalten und ein Jahr danach die Goldene Kamera. Für den Miezekatzen-Song erhielt er 1973 eine Goldene Schallplatte und einen weiteren Adolf-Grimme-Preis. Auch in den Jahren danach sammelte er jede Menge Auszeichnungen, Ehrungen und Orden: Anlässlich seines 80zigsten Geburtstags feierte das deutsche Fernsehen ihn als „Grandseigneur des deutschen Humors“, er bekam seinen dritten Adolf-Grimme-Preis nun für Deutsche Sprache und wurde von der Deutschen Filmakademie 2009 für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Vicco von Bülow alias Loriot starb am 22. August 2011 im Alter von 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See. Der Art Directors Club trauerte um sein Ehrenmitglied mit einer ganzseitigen Anzeige in der Süddeutschen Zeitung und den Worten: „Lieber Gott, viel Spaß!“.

(hhb)