Ferdinand von Rezniček

Ferdinand von Rezniček war ein österreichischer Maler, Zeichner und Illustrator, der vor dem Aufkommen der Pressefotographie mit seinen Zeichnungen und Illustrationen Zeitschriften wie der Jugend, dem Simplicissimus oder den Fliegenden Blättern die Möglichkeit gab, das Leben in der damaligen Welt anschaulich darzustellen oder es liebevoll zu karikieren.

Ferdinand Franz Freiherr von Rezniček wurde am 16. Juni 1868 als Sohn eines k.u.k. Feldmarschall-Lieutenants – so bezeichnete man damals die führenden Generäle in der österreichischen Monarchie – in Obersievering bei Wien geboren. Sein Vater war aufgrund von außerordentlichen militärischen Leistungen im Januar 1853 in den Ritterstand erhoben worden und sieben Jahre später in den Freiherrnstand. Eigentlich sollte Ferdinand darum genau wie sein Vater eine militärische Laufbahn einschlagen und wurde nach seiner Ausbildung in einer Kadettenschule folgerichtig zunächst Kavallerieoffizier. Erst nach dem Tod seines Vaters konnte er seinen künstlerischen Neigungen nachgehen. 1887 durch privaten Zeichenunterricht bei Julius Victor Berger, bis er 1888 dann ein Studium an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München begann. Rezniček arbeitete nach dieser Ausbildung als Gebrauchsgrafiker in Dachau und Fürstenfeldbruck, wo er sich mit den Entwürfen von Plakaten, Werbeannoncen, Einladungen und Bucheinbänden für die „Kleine Bibliothek Langen“ durchschlug.

Rezniček hatte in Wien schon für den Kikeriki gezeichnet und dabei seine ersten Medien-Erfahrungen gesammelt – nun begann er von München aus für Die Jugend und Die Fliegenden Blätter zu zeichnen. Seine großformatigen Darstellungen von Szenen aus der eleganten Welt waren natürlich auch dem Simplicissimus aufgefallen, seine filigranen Farbbilder über die Mondänen der Welt, voll erotischer Anspielungen. Darum stellte ihn der Simpl ab 1896 als festen Mitarbeiter ein und machte ihn ab 1906 sogar zum Teilhaber.

 

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Copyright: Von Autor/-in unbekannt - "Nowości Illustrowane" 22/1909 (https://jbc.bj.uj.edu.pl/publication/152458), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=116745499

Geburtstagsschießen zu Ehren Ludwig Ganghofers in Finsterwald am 2. und 3. Juli 1905: v.l.n.r.: Lollo, Ludwig, Thinka und August Ganghofer, alle stehend; Georg David Schulz, Ludwig Thoma, Marietta/Marie Schulz (sitzend vor Thoma), Reinhold Geheeb und Ferdinand von Rezniček (beide stehend), Bertha Thoma (r. sitzend), dahinter Korfiz Holm; Ehepaar Tausch (vor dem Tisch sitzend)

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Denn seine Genre-Zeichnungen hatten entscheidend zum Erfolg des Blattes beigetragen. In mehr als 1.000 Blättern hatte er die vornehme (Halb)Welt dargestellt, in ihren privaten Boudoirs oder in den Séparées der Nacht-Clubs. Viele dieser Werke wurden zudem in gesonderten Simplicissimus-Alben verkauft: 1902 als Galante Welt betitelt; 1904 als Sie; 1906 als Der Tanz; 1908 als Unter vier Augen oder 1909 als Verliebte Leute. Was natürlich weiteres Geld einbrachte.

In einem Ausstellungskatalog des Simplicissimus wurden die Gründe für die große Beliebtheit seiner Darstellungen so erklärt: „Rezniček zeigt in seinen Zeichnungen fast ausschließlich jugendliche elegante Frauen in duftigen feinen Kleidern und mit vornehmen, häufig auch recht geziert wirkenden Gesten. Diesen zarten, verspielt und kokett aussehenden Frauengestalten stellt er meist ziemlich plump wirkende, ältere, offensichtlich jedoch wohlbetuchte Männer kontrastierend gegenüber, entweder die Liebhaber oder die betrogenen Ehemänner. In einem seltenen Fall übernimmt eine Frau die gewichtige ‚fordernde‘ Rolle, was entschieden komischer dargestellt wird als die lächerliche Rolle, die die alten Männer spielen. ... Da gibt es Frauen in phantastischen duftigen Ballroben, tanzende Paare und den Faschingsflirt – Motive und Themen, die Rezniček mit unnachahmlicher Leichtigkeit umzusetzen verstand. ... Rezniček hat für den Simplicissimus ganz selten Akte gezeichnet. Die unbekleidete Frau war zu diesem Zeitpunkt, was ganz charakteristisch ist, noch kein Simpl-Thema – jedoch zeigt er häufig Frauen, von deren Schultern das Gewand im nächsten Augenblick herabzugleiten droht. ... Der einheitliche Stil seiner Arbeiten und der einfach zugängliche, niemals fordernde oder gar schockierende Inhalt seiner Darstellungen ließen Rezniček in den vierzehn Jahren seiner Tätigkeit für den Simplicissimus beim breiten Publikum zu einem der beliebtesten Mitarbeiter der Zeitschrift werden.“

Also waren seine Illustrationen auch ein wenig frühes Modejournal und nicht nur satirischer Gesellschaftsklatsch.

Bei einer Ausstellung in Hamburg wurden Rezniček Zeichnungen von einem etwas ehrpussligen Mitglied der Bürgermeister-Familie Mönckeberg als obszön bezeichnet. Er zeigte den Veranstalter Georg Hulbe an, der daraufhin zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt wurde. Hulbe, ein in Hamburg angesehener Kunsthandwerker und bekannter Kunstmäzen ‚rächte‘ sich auf seine Weise und ganz im Sinne des Simpl. An seinem neu erbauten Hulbe-Haus in der Mönckebergstraße 21 ließ er eine Steintafel anbringen: Die Plastik darauf zeigt einen Mönch (einen wie er auch im Mittelpunkt des Familienwappens der Mönckebergs steht), der von einem Narren geführt auf einem Esel reitet und die Fahne der Kunst hinter sich durch den Dreck zieht.

Ferdinand von Rezniček starb am 11. Mai 1909 im Alter von nur 40 Jahren in München.

Ludwig Thoma, der wie Rezniček der Simpl-Redaktion angehörte, schrieb in seinen Erinnerungen über seinen Kollegen: „... ganz unvermutet kam das Ableben Rezniček. Dieser war der typische Österreicher von guter Familie; taktvoll, liebenswürdig, heiter, in Manieren wie im Charakter vornehm. Ich habe ihn nie laut oder heftig gesehen, und ich glaube, er wäre gegen Brutalität völlig hilflos gewesen. Die Grazie, die seinen Zeichnungen auch denen, die herbere Kunst schätzen, wertvoll machte, lag in seinem Wesen. Von den Künstlern, die auch durch Simplicissimus und die Jugend bekannt wurden, war er sogleich der populärste, und er ist es geblieben. Daß er, verhätschelt und umworben, von Eitelkeiten völlig frei blieb und ganz und gar nicht zügellos lebte, bewies seinen wirklichen Wert, den nur die anzweifelten, die ihn persönlich nicht kannten. Die Art und das Gegenständliche seiner Kunst veranlaßten manchen Sittenrichter, der sehr unangefochten leben konnte, in dem guten Ferdinand von Rezniček einen Wüstling zu vermuten, und zuweilen wurde ihm dies auch gedruckt unterbreitet. Derlei Vorwürfe verletzten die Ehre der Männer nicht, vielen erscheinen sie so schmeichelhaft, daß sie sie mit diskretem Lächeln entgegennehmen. Reznicek aber blieb davon unberührt. Er war weder der ‚verfluchte Kerl‘, noch wollte er es zu sein scheinen.“

(hhb)