Rolf Poppe

Rolf Poppe wurde 1928 in Oldenburg in Oldenburg geboren. Seine Medienkarriere begann er zunächst als Journalist bei der Tageszeitung Die Welt und arbeitete dort als Auslandsredakteur und China-Reporter, wechselte aber bald als Trainee auf die Verlagsseite.

1960 kam Poppe, wohl auf Betreiben Gerd von Paczenskys, zum Spiegel-Verlag, wo Rudolf Augstein nach seinem gescheiterten Versuch, bei der ZEIT einzusteigen, nun eine eigene Wochenzeitung gründen wollte, die DAZ Deutsche Allgemeine Zeitung. Ein Projekt, das scheiterte und damals auch zum Ausstieg von John Jahr sen. beim Spiegel-Verlag geführt haben soll.

 

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Rolf Poppe blieb dennoch beim Spiegel und stieg 1961 zum Verlagsleiter auf. Später wurde er Stellvertreter des Verlagsdirektors Hans Detlev Becker. Er sorgte Ende der 60er Jahre dafür, dass der dänische Designer Verner Panton das neu erbaute Verlagshaus an der Brandstwiete innenarchitektonisch gestalten durfte. Die damals geradezu futuristisch anmutende Kantine wurde 2011 nach einem weiteren Umzug des Nachrichtenmagazins in die Hafen-City dem „Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe“ geschenkt, dort wiederaufgebaut und ist im Museum zu besichtigen und für Feiern zu mieten.

 

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Copyright: Der Spiegel

1970 holte ihn Ernst Naumann in die Geschäftsführung der Gruner + Jahr GmbH, wo er für den Zeitschriftenbereich verantwortlich wurde. Ab Herbst 1970 begann das neue Management die bis dato eher patriarchalisch geführten Einzelverlage, die seit Gründung der Verlagsgruppe Gruner + Jahr im Jahr 1965 noch keinesfalls organisatorisch verschmolzen waren, sondern wie früher getrennt voneinander arbeiteten, nun zusammenzuführen: den Constanze-Verlag, den Henri-Nannen-Verlag, Kindler & Schiermeyer sowie die Wirtschaftspresse in Köln.

Dabei setzte Rolf Poppe seine in Managementkursen auf der „Harvard Business School“ erworbenen Kenntnisse konsequent um. Was den Branchendienst Kress-Report veranlasste, ihn als „den Mann, der aus der Kälte kam“ zu beschreiben. Als sich einige leitende Angestellte über seinen von ihnen als rüde empfundenen Führungsstil beim Altverleger John Jahr beschwerten, bat dieser alle an einen Tisch. Einer der Mitbetroffenen, Wolf Schneider - von Haus aus Journalist und damals Verlagsleiter beim Stern - schildert diese Begegnung in seiner Autobiographie „Hottentottenstottertrottel“ so: „Bei John Jahr, dem Dritten der Verleger, sprachen wir Verlagsleiter zu einer förmlichen Beschwerde vor. Der Ausweg, den er fand, war ebenso kaltschnäuzig wie effizient – er versammelte Poppe und alle Beschwerdeführer um sich und eröffnete die Sitzung mit dem Satz: ‚Ja, Herr Poppe ist ein oldenburgischer Holzkopf. Sie wollen ihn kritisieren. Dann mal los.‘ Alle Proteste wurden vorgebracht. Jahr sagte ‚Danke‘ und ging. Poppe sagte nichts und blieb.“

Poppe blieb und setzte sich mit seinen Anordnungen durch: „Täglich ein Bericht, sämtliche Zahlen auf den Tisch, wir verkehren schriftlich, von Ihrer gesamten Korrespondenz bekomme ich eine Kopie.“ So schaffte er Transparenz und sorgte für vergleichbare Daten über die Geschäftsverläufe in den verschiedenen Verlagsgruppen.

Nach dem Rückzug der Altverleger John Jahr sen. und Gerd Bucerius in einen Verwaltungs- und später in den Aufsichtsrat - der einstige Miteigentümer Richard Gruner hatte seine Anteile da bereits an die beiden verkauft - wurde die Komplementärgesellschaft Druck- und Verlagshaus Gruner + Jahr GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. An der war nun auch der Gütersloher Bertelsmann-Konzern finanziell beteiligt. Poppe wurde von November 1972 bis Ende 1977 Zeitschriftenvorstand der Gruner + Jahr AG und formte aus dem einstigen ‚Apartmenthaus für Einzelverleger‘ ein modern strukturiertes und straff geführtes Verlagsunternehmen. Und er öffnete für G+J die Tür zum Erwerb einer 25,1-prozentigen Kapitalbeteiligung am Spiegel-Verlag.

In seiner Ägide als Leiter des Unternehmensbereichs Zeitschriften startete 1972 essen+trinken, 1976 kam GEO auf den Markt und 1977, nach dem Vorbild des in den USA sehr erfolgreichen People Magazine, die Zeitschrift Leute. Die allerdings floppte und wurde nach nur drei Monaten mit erheblichen Verlusten eingestellt. Und auch P.M. Peter Moosleitners interessantes Magazin wurde in dieser Zeit marktreif gemacht.

G+J wurde als erster deutscher Verlag gezielt im Ausland aktiv. Unter anderem mit Hilfe der viel beachteten Studie: „Media Buying in Europe“, mit der man den Werbekunden in den USA und anderswo verdeutlichte, dass in Deutschland damals Zeitschriften die wichtigsten Werbeträger waren und nicht das Fernsehen wie in den USA oder die Tageszeitungen wie in Großbritannien. Diese Studie wurde ab 1976 in den USA, in Europa und in Asien potenziellen Anzeigenkunden präsentiert, was die Aufträge aus diesen Ländern deutlich ankurbelte.

Poppe hatte sicherlich gehofft, nach dem Ausscheiden von Ernst Naumann die Position des Vorstandschefs bei G+J übernehmen zu können. Da aber hatte der Bertelsmann-Konzern schon die Mehrheit übernommen und wichtige Vorstandsressorts mit eigenen Leuten besetzt. Im Herbst 1977 bat Poppe daher um Auflösung seines Vertrags.

Zusammen mit Holtzbrinck gründete er in Düsseldorf die Gesellschaft für Wirtschaftspublizistik GWP und gab dort die Wirtschaftswoche in Pacht von Holtzbrinck heraus, die er inhaltlich am US-Vorbild Business Week orientierte und dafür einen Kooperationsvertrag mit McGraw-Hill abschloss. Auch Newsletter und ein wöchentlicher „Weltwirtschafts-Report“ waren geplant. An der GWP hielt er eine Sperrminorität von 25,1 %, musste diese aber im Sommer 1980 angesichts einer notwendig gewordenen Kapitalerhöhung wieder an die Holtzbrincks zurückverkaufen.

Zuletzt war Poppe Geschäftsführer bei den Vereinigten Wirtschaftsdiensten (VWD) in Eschborn, einem europäischen Dienstleister für Finanzinformationen.

Im März 2007 starb Rolf Poppe im Alter von 78 Jahren.

(hhb)