Erich Schumann

Erich Schumann war von 1978 bis zu seinem Tod im Jahr 2007 Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe in Essen und nach seiner Adoption durch Erich Brost dann auch geschäftsführender Gesellschafter. Zusammen mit Günther Grotkamp baute er die Zeitungsgruppe zu einem international tätigen Medienkonzern aus. Bekannt wurde sein Streit mit Hans Dichand um die Führung und Zukunft der zu beiden Gruppen gehörenden Kronen-Zeitung in Österreich.

Erich Schumann wurde am 13. Dezember 1930 in eine kleinbürgerliche Nürnberger Familie hineingeboren. Nach dem Abitur studierte er in Bonn, Paris und New York Jura und Betriebswirtschaft. Von 1956 bis 1960 arbeitete er als Rechtsreferendar und absolvierte danach die Große Juristische Staatsprüfung. Im gleichen Jahr wurde Schumann Seniorchef einer Bonner Anwaltssozietät für Wirtschafts- und Steuerrecht. In diesen Bonner Jahren war er Mitglied und Rechtsberater der SPD und zuweilen auch deren Syndikus. Zudem galt er als persönlicher Anwalt von Willy Brandt und Herbert Wehner.

 

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Copyright: ullstein bild - Sven Simon

1978 holte ihn Erich Brost als seinen Nachfolger zur WAZ Mediengruppe. Als Geschäftsführer vertrat Schumann dort die Interessen der Eigentümerfamilie Brost. 1985 adoptierte ihn der WAZ-Gründer Erich Brost, weil er in Schumann den geeignetsten Nachfolger sah. Zusammen mit Günther Grotkamp, der im Verlag die Interessen von Jacob Funkes Erben vertrat, machten die beiden, Schumann nun auch in der Funktion eines geschäftsführenden Gesellschafters, aus dem bis dato eher provinziellen Zeitungsverlag den drittgrößten deutschen Medienkonzern. Ein kontinuierlich zweistelliges Rendite-Ergebnis ermöglichte den weiteren Ausbau der WAZ Mediengruppe, und das obwohl die beiden nicht unbedingt freundschaftlich verbundenen Eigentümerfamilien Brost und Funke sich oft uneins waren. Schumann und Grotkamp aber ließen sich da nicht auseinanderdividieren.

Sie entwickelten die WAZ Mediengruppe zum größten Regionalzeitungsverlag Europas, mit damals 38 Tageszeitungen, darunter die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung oder die Westfälische Rundschau. Dazu kamen bis zum Ausscheiden von Erich Schumann 108 weitere Publikationen und 133 Anzeigenblätter.

Von 1991 bis 1996 war Schumann noch Vorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe und unterstützte 1991 die Gründung des Erich-Brot-Instituts für Journalismus in Europa an der Dortmunder Universität.

Im Jahr 2000 entzog ihm die SPD die Mitgliedschaft, nachdem bekannt geworden war, dass Erich Schumann der CDU 800.000 DM aus seinem Privatvermögen gezahlt hatte. Nach eigener Aussage befürchtete er, die CDU könne ansonsten in der damaligen Spenden- und Schwarzgeldaffäre untergehen – was das bisherige Gleichgewicht zweier etwa gleichgroßer Volksparteien zerbrechen und damit der Demokratie in Deutschland schaden könne.

2006 gründete er die Erich Schumann-Stiftung, deren Fördertätigkeit im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich des historischen deutschen Kulturraums liegen soll.

Auch seine Nachfolge in der WAZ-Geschäftsführung hatte er, ganz im Sinne seines Mentors Erich Brost beizeiten geregelt und den früheren SPD-Politiker Bodo Hombach damit betraut.

Erich Schumann starb nach kurzer schwerer Krankheit am 21. Januar 2007 im Alter von 76 Jahren.

(hhb)

 

Quellen:

Der Spiegel: ►WAZ-Verleger Erich Schumann ist tot – 22.1.2007

Süddeutsche Zeitung: ►Ein Strippenzieher und Konzernbauer - 5.12.2008

Die Welt: WAZ-Lenker Erich Schumann ist tot – 23.1.2007