Der deutsche Medienmanager Karl Dietrich Seikel arbeitete 26 Jahre in verschiedenen kaufmännischen Bereichen für den Spiegel – gut 15 Jahre davon als Geschäftsführer der Spiegel-Verlagsgruppe (Spiegel, manager magazin, Spiegel TV). Von 1995 bis 2008 war er zudem Vorstandsvorsitzender der Sparte Publikumszeitschriften im VDZ Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (jetzt MVFP). Später beriet er als Aufsichtsrat oder Beirat verschiedene Verlage und Institutionen.
Seikel wurde am 17. August 1946 in Geisenheim/Rheingau geboren. Nach der Schulzeit studierte er Betriebs- und Volkswirtschaft an der TU Darmstadt sowie an der Universität Frankfurt am Main. Seine Studien beendete er als Diplomvolkswirt und arbeitete von 1973 bis 1976 als Lehrbeauftragter der Universität Frankfurt sowie als stellvertretender Schulleiter der dortigen Fachschule für Wirtschaft.
1977 wandte er sich der Wirtschaft zu und begann als Personalchef und Leiter des Zentralbüros in der früheren WIBAU-Maschinenfabrik Hartmann AG. 1980 holte ihn der damalige Verlagsleiter Michael Nesselhauf als Leiter der Personalabteilung zum Spiegel. Bald übernahm Seikel dort weitere Management-Aufgaben und stieg schließlich 1991 zum Geschäftsführer der Verlagsgruppe auf. Als solcher handelte er immer zukunftsorientiert und weitsichtig: Er modernisierte den Spiegel kontinuierlich und ließ das Magazin bald nach seiner Amtsübernahme komplett vierfarbig drucken.
Copyright: privat
Außerdem trieb er die Digitalisierung entschieden voran. Zu Beginn des dritten Jahrtausends platzte bekanntlich die Internetblase, was dazu führte, dass viele Verlage ihr Vertrauen in die digitalen Medien verloren. Nicht so Karl Dietrich Seikel: Er glaubte an Spiegel Online bzw. Spiegel.de und auch an Spiegel TV. In seiner Ägide stellte sich der Spiegel-Verlag multimedial auf, welcher dann auch über den Tod von Rudolf Augstein hinaus erfolgreich von Seikel weitergeführt wurde. Geschäftsführer des Spiegel-Verlags blieb er bis 2006.
Stets trat Seikel entschieden für Presse- und Meinungsfreiheit ein, für den Quellenschutz der Medien und die Unabhängigkeit der Redaktionen. Was ihn veranlasste, sich auch branchenübergreifend unter anderem im VDZ Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (jetzt MVFP) zu engagieren. Von 1995 an stand er dort als Moderator mit diplomatischem Geschick an der Spitze der Sparte Publikumszeitschriften, bis er sich 2008 aus den VDZ-Gremien zurückzog.
Zum Kuratorium des Internet-Portals Haus der Pressefreiheit gehörte er ab 2013 und half dabei, dessen Finanzierung sicherzustellen und es über die Branche hinaus bekannter zu machen.
2011 wurde er Aufsichtsrat bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, von 2012 bis 2019 als dessen Vorsitzender und danach bis 2022 als stellvertretender Vorsitzender. Parallel dazu war in diesen Jahren auch Vorstandschef der Fazit-Stiftung, der Hauptgesellschafterin der FAZ GmbH.
Karl Dietrich Seikel starb am 29. März 2023 im Alter von 76 Jahren nach einem schweren Unfall. Der Hamburger Kultur- und Mediensenator Carsten Brosda ehrte Seikel mit seinem sehr persönlich gehaltenen Nachruf:
„Mit Karl Dietrich Seikel ist eine der großen Medienpersönlichkeiten unserer Republik von uns gegangen. Für viele Wegbegleiter war er mit seiner ruhigen, ausgleichenden und verbindlichen Art der Inbegriff eines hanseatischen Verlagsmanagers, obgleich der gebürtige Rheingauer erst im Laufe seiner beruflichen Laufbahn in die Medienbranche gewechselt war. Der SPIEGEL und der Medienstandort Hamburg verdanken Karl Dietrich Seikel viel. Mit seinen weitsichtigen Entscheidungen, etwa dem Festhalten am damals jungen Online-Angebot, hat Karl Dietrich Seikel die Voraussetzungen für anhaltenden Erfolg im sich abzeichnenden Transformationsprozess der Medienwelt geschaffen. Als Medienkoordinator unserer Stadt hat er vor und hinter den Kulissen dafür gesorgt, dass der Medienstandort Hamburg für die bundesweite Medienbranche prägend geblieben ist. Er hat die Hamburg Media School mitbegründet und sich unter anderem auch als Aufsichtsrat der Deichtorhallen Verdienste um die Kunst in unserer Stadt erworben. Als Leiter des Amtes Medien und Bevollmächtigter des Senats für Medien habe ich als sein fachlicher Nachfolger hervorragende Netzwerke und Strukturen vorgefunden, an die wir in unserer Arbeit bis heute anknüpfen. Auch nach seiner aktiven Zeit ist er für mich ein geschätzter Gesprächspartner gewesen. Karl Dietrich Seikel wird der Medienstadt Hamburg noch lange fehlen.“
(hhb)
Quellen:
Thomas Hass: Karl Dietrich Seikel ist tot / Spiegel vom 30.3.1923
Karl Dietrich Seikel gestorben / SZ vom 30.3.2023
Karl Dietrich Seikel ist tot / Wirtschaftsjournalist:in 31.3.2023
Peter Strahlendorf: Medien-Branche trauert um Karl Dietrich Seikel / DNV 4.11.23