Helmut Thoma

Der österreichische Journalist und Medienmanager Helmut Thoma gehört zu den Vätern des Privatfernsehens in Europa. 1984 wurde er Direktor von RTLplus in Luxemburg und ab 1986 dann Sprecher der Geschäftsführung von RTLplus Deutschland Fernsehen GmbH & Co. KG. Durch seine so mutigen wie innovativen Programm-Entscheidungen machte er RTL zu einem der erfolgreichsten und profitabelsten Fernsehsender in Europa.

Helmut Thoma wurde am 3. Mai 1939 in Wien geboren. Er wuchs ohne Vater auf und absolvierte nach seiner Schulzeit zunächst eine Molkereilehre, besuchte aber nebenher das Abendgymnasium. Dort machte er 1958 seine Matura, studierte anschließend Jura, wurde 1962 zum Dr. jur. promoviert und arbeitete ab 1968 als Justiziar beim Österreichischen Rundfunk ORF. So gelangte er nach einigen Umwegen in die Medienbranche.

1973 wechselte er als Prokurist zur IPA Information et Publicité Allemagne, zur deutschen Werbetochter von Radio Luxemburg in Frankfurt/Main. 1975 wurde er dort zum Geschäftsführer ernannt.

1982 wurde Thoma dann Programmdirektor von Radio Luxemburg und übernahm im Januar 1984 die Direktion des privaten TV-Sender RTL plus in Luxemburg.

 

article picture

Copyright: Von Manfred Werner - Tsui - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6139612

Bis in die frühen Achtzigerjahre hatte es in der Bundesrepublik Deutschland nur das öffentlich-rechtliche Fernsehen von ARD, ZDF sowie die Dritten Programme gegeben. Sie alle starteten an Werktagen ihre TV-Sendungen – lange Zeit erst am frühen Abend. Anfang der 80er Jahre plante Kanzler Kohl zusammen mit den Ministerpräsidenten eine TV-Lizenzvergabe nun auch an private Unternehmen, nach dem Vorbild der USA. Thoma beriet in dieser Zeit den Postminister Schwarz-Schilling hinsichtlich der Gründung des privaten Fernsehens – hatte da aber bereits in aller Stille einen TV-Sender in Luxemburg vorbereitet. Als das private Fernsehen dann wirklich gestattet wurde, konnte er unmittelbar nach dem Start des heutigen SAT 1 ab Januar 1984 mit der RTL-Sendetätigkeit beginnen.

Sein auf ein Massenpublikum ausgerichtetes Programm machte RTL bald zum profitabelsten privaten TV-Sender im deutschsprachigen Raum. Denn die als „Daily Soaps“ verspotteten Erfolgsformate wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „2Tutti Frutti“ oder die schon an Nachmittagen ausgestrahlte Talkshow „Bärbel Schäfer“ erzielten kontinuierlich hohe Einschaltquoten.

Kritik an solchen Sendungen konterte er selbstbewusst: „Der Zuschauer darf seine Regierung wählen, also auch sein Fernsehprogramm. Ich wundere mich auch hin und wieder über die Wahl, aber der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“. Oder: „Im Seichten kann man nicht ertrinken“.

1988 verlegte er den Sitz von RTL Television nach Köln und machte den TV-Sender ab 1992 als Alleingeschäftsführer zum Marktführer im Privatfernsehen.

Nun holte er bekannte Größen wie Thomas Gottschalk, Günther Jauch oder Hans-Joachim Kulenkampff zu RTL, startete die erste „Late Night Show“ im deutschen Fernsehen, übertrug Formel-1-Rennen mit Michael Schumacher, die Champions League, Boxkämpfe oder Wintersport-Ereignisse. Damit erhöhte er seine Einschaltquoten kontinuierlich. Und löste sich langsam vom Spott über das Senderkürzel RTL: „Rammeln, Töten, Lallen“. Wobei er kulturelle Sendungen weiterhin gern den öffentlich-rechtlichen Sendern überließ. „Wenn niemand hinschaut, nennt man das Kulturprogramm“, so eine seiner bissigen Bemerkungen. Thoma wollte unterhalten – kein besseres, eher ein anderes Fernsehen, für ihn so etwas wie „die Tapete der Gegenwart“ in den deutschen Wohnzimmern‘. Der angebliche „Trash-König“ wurde nun wiederholt ausgezeichnet: 1989 wurde er zum „Medienmann des Jahres“ gewählt; 1990 erhielt er die „Goldene Kamera“ und den „Bambi“; 1992 den „Deutschen Medienpreis“ und 1994 den „International Emmy Award“.

1998 kam es mit dem Bertelsmann-Konzern, der inzwischen Mehrheitsaktionär von RTL geworden war, wegen ungebremster teurer Programmeinkäufe in den USA zum Konflikt. Thoma verlor seinen Posten. Der bissige Kommentar des selbstbewussten Alleinunterhalters: „Wer in Gütersloh nicht um den runden Tisch sitzt und gemeinsam die Knödel mampft, der ist draußen."

Von da an arbeitete er als Berater, etwa für den Ministerpräsidenten Clement in NRW Nordrhein-Westfalen oder für den Axel Springer Verlag – und als Aufsichtsrat für mehrere Unternehmen. Und auch seinem früheren Arbeitgeber Bertelsmann las er gelegentlich die Leviten, wie nach der Übernahme von G+J durch RTL: „RTL und G+J? Das kann doch nicht gut gehn – das sind zwei absolut unterschiedliche Welten. Bertelsmann ist ein Marketingunternehmen und kein Kreativkonzern.“

Helmut Thoma starb an seinem 86. Geburtstag, am 3. Mai 2025 in Wien.

 

(hhb/ms)

 

Quellen

Helmut Thoma: RTL und G+J? Das kann doch nicht gut gehn / Kress-Report 26.1.2023

RTL trauert um Gründungs-Legende Dr. Helmut Thoma / RTL Nachrichten 27.5.2025

Harald Fidler: Der Österreicher, der das deutsche Privatfernsehen erfand – RTL-Gründer Helmut Thoma ist tot / Der Standard am 26.5.2025

Joachim Huber: Zum Tod von Helmut Thoma – RTL war sein Fernsehreich / Tagesspiegel am 26.5.2025

Götz Hamann: Spötter, Gründer und Gelehrter / ZEITonline am 26.5.2025

Helmut Thoma ist tot / SPIEGELkultur vom 26.5.2025

Christine Kurz: Pionier des Privatfernsehens: Ex-RTL-Chef Helmut Thoma ist tot / FOCUSonline am 27.5.2025