Aenne Burda baute nach dem zweiten Weltkrieg mit Hilfe ihrer Kreation Burda-Moden einen der größten deutschen Zeitschriftenverlage auf. Damit wurde sie zur wohl erfolgreichsten Unternehmerin der frühen Nachkriegsjahre und daraufhin zu Recht als „Königin der Kleider“ bezeichnet.
Anna Magdalena Aenne Lemminger wurde am 28. Juli 1909 in Offenburg als Tochter einfacher Leute geboren. In Offenburg besuchte sie die Klosterschule „Unserer lieben Frau“ und nach der mittleren Reife die dortige Höhere Handelsschule. Anschließend absolvierte sie eine kaufmännische Lehre beim Elektrizitätswerk ihrer Heimatstadt. Nach ihrer Lehrzeit musste sie dort die Zahlungsrückstände säumiger Zahler eintreiben und lernte bei dieser Tätigkeit ihren späteren Mann kennen, den Drucker Franz Burda. Auch der hatte gelegentlich Probleme, als damals noch mittelständischer Unternehmer seine Stromrechnungen immer termingerecht zu bezahlen. Nach ihrer Heirat im Juli 1931 bekam das Ehepaar drei Söhne: Franz jun. im Mai 1932, Frieder im April 1936 und Hubert im Februar 1940.
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Ihr Mann war allerdings ein notorischer Fremdgänger und hatte für seine Geliebte Elfriede Breuer den Verlag Elfi-Moden in Lahr gegründet. Der stand bei der Druckerei Burda bald hoch in der Kreide, dennoch finanzierte Franz Burda den defizitären Modeverlag kontinuierlich weiter. Als Aenne Burda das mitbekam, drohte sie ihm mit Scheidung und zwang ihren Mann zum Rückzug aus dem Projekt. Sie erwirkte die Übernahme des hoch verschuldeten Verlags und übernahm ihn 1949 mit allen Rechten und Pflichten: 200.000 DM aufgelaufene Schulden und 48 Mitarbeiter. Anfang 1950 startete sie mit Burda-Moden: Erstauflage 100.000 Hefte zum Stückpreis von 1,40 DM. Und eilte sofort von Erfolg zu Erfolg.
Zur bahnbrechenden Idee wurden die dem Modemagazin ab 1952 beigelegten Schnittmuster-Bögen, die es den Leserinnen ermöglichten, die im Heft vorgestellten Modelle in Heimarbeit selbst zu schneidern. Solche Schnittmusterbögen gab es seit langem in den USA zu kaufen, aber erst Aenne Burdas Geschäftsidee, sie als Magazin-Beilage zu nutzen, machte diese Nähhilfen zu einem bis dato unvorstellbaren Erfolg. Dabei ging es Aenne Burda keineswegs um Modelle aus Paris oder Mailand – sie wollte den Alltag, das Leben von ganz normalen Frauen bunter, weiblicher, ja einfach schöner machen. Denn für diese Frauen gab es so kurz nach Kriegsende überhaupt noch kein Angebot an erschwinglicher Damenkonfektion. Die Burda-Schnitte wurden kontinuierlich an die Durchschnittsmaße der deutschen Frauenkörper angepasst, was eine perfekte Passform garantierte. Später wurden sie auch als Einzelschnittmuster etwa in Kaufhäusern angeboten.
Im Verlauf der Jahre bewegte sich die Auflage von Burda-Moden kontinuierlich nach oben. 1965 erreichte sie eine Million Exemplare; da war es mittlerweile schon zum weltweit größten Mode-Magazin geworden. 1968 verkaufte man im Schnitt 1,5 Millionen Hefte und 2005 erschien Burda-Moden in 90 Ländern, übersetzt in 16 Sprachen. Und ab 1953 gab es zusätzlich zweimal im Jahr die Burda Modesonderhefte mit den aktuellen Modetrends aus aller Welt. Heute heißen diese Burda International.
1987 war Burda-Moden die erste Zeitschrift aus dem Westen, die im Sowjetrussland in russischer Sprache angeboten wurde. Raissa Gorbatschowa, Frau des sowjetischen Staatspräsidenten, war auf das Magazin aufmerksam geworden und hatte sich für diese Marktöffnung eingesetzt. Beim Internationalen Frauentag am 8. März 1987 wurde die erste Ausgabe in russischer Sprache von den beiden Frauen in Moskau vorgestellt und gefeiert. Etwa 100.000 Hefte hatten zwei Sattelschlepper zuvor nach Russland gebracht, getreu dem Motto: „Mode kennt keine Grenzen“.
Zuvor kosteten solche Kleiderschnitte aus dem Westen in der Sowjetunion bis zu 50 Rubel auf dem Schwarzmarkt und wurden von vielen Frauen benutzt, bis sie schließlich auseinanderfielen. Außenminister Hans-Dietrich Genscher lobte Aenne Burdas Pioniertat mit den Worten: „Aenne Burda zog auf ihre Weise und mit ihren Möglichkeiten den Eisernen Vorhang ein Stück zur Seite“ und „Sie haben mehr geleistet als drei Botschafter vor Ihnen!“
Als Verlegerin startete Aenne Burda noch weitere Frauenzeitschriften: Anna (zuerst als Burda Spaß an Handarbeiten platziert), dann noch Carina und Verena. 1994 machte der Aenne Burda Verlag einen Umsatz von 172 Mio. DM.
Nach 45 Jahren, im Alter von 85 Jahren zog sie sich 1994 aus dem Verlagsgeschäft zurück und übergab ihren Verlag zu gleichen Teilen ihren drei Söhnen. Auf Grund der von ihnen vereinbarten Realteilung wurde der Aenne Burda Verlag daraufhin in die Hubert Burda Media integriert.
2001 erhielt sie das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern mit der Begründung von Johannes Rau, „sie habe als Verlegerin, Chefredakteurin und Kolumnistin einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des Modebewusstseins geleistet.“
Aenne Burda starb am 3. November 2005 im Alter von 96 Jahren.
(hhb)
FAZ Fragebogen Aenne Burda