Julius Campe

Julius Campe war ein kämpferischer Verleger, der immer wieder mit den Zensurvorschriften der „Karlsbader Beschlüsse“ von 1823 in Konflikt geriet. Denn zu seinen Autoren gehörten Heinrich Heine und Vertreter des sogenannten „Jungen Deutschlands“. Gemeinsam bildeten sie eine literarische Opposition gegen die Restauration und wandten sich mit ihren Schriften gegen die reaktionäre Politik Metternichs und der Fürsten im Deutschen Bund. Julius Campe war es zu verdanken, dass ihre Arbeiten trotz aller Verbote dennoch den Weg in die Öffentlichkeit fanden. Damit leistete er einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer demokratischen Kultur in Deutschland.

Julius Campe wurde am 18. Februar 1792 als Sohn eines Advokaten in Deensen bei Holzminden geboren. Er entstammte aber einer Verlegerfamilie, kam in früher Jugend nach Hamburg und ging von 1805 bis 1810 in der Verlagsbuchhandlung seines Halbbruders August in die Lehre. Danach unternahm er Reisen zur Vertiefung dieser Ausbildung und diente 1813 als Braunschweiger Jäger im Freiheitskrieg gegen Napoleon I. Nach einer längeren Italienreise trat er dann 1818 in das Geschäft von August Campe ein.

 

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Porträt Julius Campe (1792-1867), Stahlstich von Weger, 1868

Copyright: Adreßbuch für den Deutschen Buchhandel 1869 (via Mark Lehmstedt: Geschichte des deutschen Buchwesens in Bildern. Geschichte des deutschen Buchwesens, S. 8758 [1]), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=590639

1823 erwarb er dessen Sortimentsgeschäft der Campeschen Buchhandlung, entwickelte daraus sein eigenes Hamburger Verlagshaus Campe und machte es zu einem literarischen Zentrum in Deutschland. Denn seine genaue Kenntnis des Buchhandelsgeschäftes und sein listenreicher Wagemut halfen ihm immer wieder, drohende oder bestehende Zensurverbote zu unterlaufen oder auszutricksen – mit fiktiven Verlagsangaben, durch Wechsel der Druckorte und seiner auf Schnelligkeit getrimmten Vertriebslogistik.

Für die politischen Publikationen seiner Autoren – neben Heinrich Heine waren da noch Ludwig Börne, Franz von Dingelstedt, Karl Gutzkow, Heinrich Laube, Theodor Mundt oder Ludolf Wienbarg wurde Campe zum wohl denkbar besten Verleger in diesen Zeiten der „Demagogen-Verfolgung“ und des Vormärz. Von den unendlichen Scherereien mit der Zensur ließ sich Campe nicht irritieren. Er wusste, dass ein gedrucktes Buch selbst dann noch verboten werden konnte, wenn es die Vorzensur überstanden hatte. Derart willkürliche Maßnahmen der Bevormundung umging er zum Beispiel durch Verlagerungen nach Dänemark, wo ohne Zensur gedruckt werden durfte. Und durch seinen schnellen und gezielten Vertrieb an die Leser.

So fanden die revolutionären Schriften seiner Autoren, die vor allem der preußischen Regierung ein Dorn in den Augen waren, immer wieder ihren Weg zum liberal und republikanisch gesinnten Lesepublikum. Der Preis dafür waren verhängte Geldbußen sowie die zwangsweise Einstellung seiner gesamten Produktion ab Dezember 1841 bis ins Jahr 1842. Und auch Gefängnisstrafen.

1841 veröffentlichte Julius Campe „Das Lied der Deutschen“ von Hoffmann von Fallersleben, das französische Gebietsansprüche in der Rheinkrise von 1840 zurückwies und die Forderung Fallerslebens nach einer deutschen Einheit wiederholte. „Das Lied der Deutschen“ wurde dann erstmals am 5. Oktober 1841 im Hamburger Streit’s Hotel gesungen.

Julius Campe starb am 14. November 1867 in Hamburg und wurde zunächst auf dem Friedhof der St. Petri-Kirche beigesetzt, später aber auf den Ohlsdorfer Friedhof umgebettet in das dortige Familiengrab.

Der nach ihm benannte Julius-Campe-Preis für Persönlichkeiten und Institutionen, die sich literaturkritische und literaturvermittelnde Verdienste erworben haben, wird jährlich von Verlag Hoffmann & Campe vergeben.

(hhb)

 

Der Weg von Ihrem Herzen bis zu Ihrer Tasche ist sehr weit
Aus dem Briefwechsel zwischen Heinrich Heine und seinem Verleger Julius Campe. Hrsg. Gerhard Höhn und Christian Liedtke, Verlag Hoffmann & Campe