Johann Friedrich Cotta

Der Verleger Johann Friedrich Cotta war ein Bahnbrecher für die Ideen in der Aufklärung. Seine Verlagsbuchhandlung in Tübingen wurde zum wichtigsten Verlag der deutschen Klassik, der unter anderen Goethe, Schiller, Herder, Wieland, Fichte, Hegel, Hölderlin, Schlegel, Schelling, Jean Paul, Kleist oder die Brüder von Humboldt publizierte. Weniger bekannt ist, dass Cotta auch mehrere Zeitungen und Journale herausgab, darunter die Allgemeine Zeitung, die zu einer der bedeutendsten politischen Zeitungen im 19. Jahrhundert wurde.

Johann Friedrich Cotta wurde am 27. April 1764 in Stuttgart als Sohn eines Druckers und Herausgebers der dortigen Hofzeitung geboren. Nach seinem Besuch des Gymnasiums in Stuttgart begann er 1782 ein Studium der Geschichte und Mathematik in Tübingen – statt Theologie, was der Wunsch seiner Familie war. Bald aber wechselte er zur Jurisprudenz und ließ sich nach seiner Rechtsprüfung als Hofgerichtsadvokat in Tübingen eintragen.

Sein Vater wollte die bereits 1659 gegründete Verlagsbuchhandlung im Familienbesitz halten und verkaufte sie daher Ende 1787 an seinen drittgeborenen Sohn, weil die beiden älteren schon abgewinkt hatten. Johann Friedrich Cotta gelang es in kurzer Zeit, den heruntergekommenen Verlag zur Weltgeltung zu bringen. Dieser Aufstieg begann mit Schiller, dessen bis dato materielle Sorgen durch ihre Zusammenarbeit ebenfalls endeten. Vor allem Cotta profitierte von dieser Partnerschaft, denn Schiller knüpfte für ihn Kontakte zu vielen bedeutenden Autoren jener Zeit und half ihm zudem beim Start seines Zeitungsgeschäftes.

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Cotta wollte eigentlich mit Hilfe von Schiller eine große überregionale politische Zeitung herausgeben – Schiller aber setzte sich zunächst für ein Journal der Literatur, Philosophie und Kunst ein: So entstanden 1795 Die Horen und wurden zu einem wichtigen Instrument zur Förderung der Weimarer Klassik. Denn für Die Horen schrieben die bedeutendsten Dichter und Denker jener Zeit und wurden damit auch jenseits des Buchmarktes gelesen und bekannt.

Doch Cotta war auch politisch engagiert und gründete darum 1798 seine Allgemeine Zeitung, die zunächst als Neueste Weltkunde in Tübingen erschien. Als das Blatt in Tübingen verboten wurde, verlegte Cotta seinen Verlagssitz noch im selben Jahr nach Stuttgart und gab der Weltkunde nun den Titel Allgemeine Zeitung. Das Blatt war gemäßigt liberal und setzte sich für wahrheitsgemäße Informationen über politische Zusammenhänge und Entwicklungen ein. Gerade durch diese liberale Gesinnung geriet die Zeitung immer wieder in Konflikt mit der Zensur der Fürstenhöfe. Darum musste Cotta schon 1803 weiterziehen, nach Ulm. Und sein Blatt erneut umbenennen, nun in Kaiserlich- und Kurpfalzbairisch privilegirte allgemeine Zeitung.

Doch auch das war nicht von langer Dauer: Nachdem die Zeitung erneut in die Ungnade seines Landesherrn gefallen war, verlegte er den Verlagsort endgültig ins bayerische Augsburg, von wo die Allgemeine Zeitung dann von Januar 1807 bis September 1882 erschien und zusammen mit der Frankfurter Zeitung und der Kölnischen Zeitung bald zu den wichtigsten politischen Tageszeitungen in Deutschland gehörte.

Johann Friedrich Cotta verlegte aber noch weitere Medien: Schon 1792 hatte er das monatlich erscheinende Journal Amaliens Erholungsstunden übernommen, eine Frauenzeitschrift, die bis dato von Marianne Ehrmann herausgegeben wurde. 1793 folgte die Zeitschrift Flora: Teutschlands Töchtern geweiht und ab 1807 das Morgenblatt für gebildete Stände mit einem Kunst-Blatt und Literaturblatt als Beilagen.

Johann Friedrich Cotta war auch ein Kulturvermittler zwischen Deutschland und Frankreich. Er reiste häufig nach Frankreich, knüpfte dort Kontakte zu französischen Schriftstellern, ließ ihre Werke übersetzen und dem deutschen Lesepublikum anbieten. Seine verlegerische Tätigkeit fand ja zwischen den beiden französischen Revolutionen von 1789 und 1830 statt, die bekanntlich auch in Deutschland Umbrüche und Wandlungen anstießen. So war Napoleon Bonaparte für ihn keinesfalls nur eine Schreckensfigur.

Schon Cotta half auf seine Weise dem langsamen Entstehen eines deutschen Nationalstaats, etwa durch das von ihm unterstützte Zusammengehen der bayerisch-württembergischen und preußisch-hessischen Zollvereine, Grundsteine für den späteren Deutschen Zollverein. Er war nicht nur Verleger, sondern auch Politiker – als Landtagsabgeordneter in Württemberg. Als Unternehmer betrieb er neben seinen Verlagen auch eigene Druckereien und eine Papierfabrik. Und mit Blick auf technische Entwicklungen setzte er in seiner Augsburger Druckerei die erste dampfgetriebene Schnellpresse in Süddeutschland ein. Später förderte er die Dampfschifffahrt auf dem Bodensee.

1817 wurde er in den Adelsstand erhoben und durfte sich von nun an Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf nennen.

Am 29. Dezember 1832 starb Johann Friedrich Cotta im Alter von 68 Jahren in Stuttgart.

(hhb)

 

Quellen:

Cotta von Cottendorf, Johann Friedrich / Deutsche Biographie

Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta / Stadtlexikon Stuttgart

Johann Friedrich Cotta / TÜpedia

Cotta, Johann Friedrich Freiherr von / Zeno.org

Cornelia Ueding: Johann Friedrich Cotta – König der Verleger / Deutschlandfunk 27.4.2014

B. Fischer: Johann Friedrich Cotta / H/SOZ/KULT Kommunikation und Fachinformation für die Geschichtswissenschaften

 

Bücher:

Helmut Mojem + Barbara Potthast (Hrsg.): Johann Friedrich Cotta: Verleger, Unternehmer, Technikpionier / Universitätsverlag Winter Heidelberg 2017

Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta – Verleger, Entrepreneur, Politiker / Wallstein Verlag