Der österreichische Journalist und Medienmanager Hans Dichand erwarb 1959 die Titelrechte der von den Nazis eingestellten Kronenzeitung und startete sie nun als Boulevardzeitung. Als 50prozentiger Teilhaber führte Dichand sie 50 Jahre lang als Alleingeschäftsführer und Herausgeber.
Johann Hermann Dichand wurde am 29. Januar 1921 in Gösting bei Graz geboren. Sein Vater arbeitete beim Schuhhersteller „HUMANIC“ und machte sich als Schuhmacher selbständig. Was allerdings schiefging und woran die Ehe schließlich scheiterte. Daraufhin musste Hans Dichand in einer ärmlichen Barackensiedlung aufwachsen.
Sein Traum war schon von Jugend an, Journalist zu werden. Bereits als Vierzehnjähriger kontaktierte er den damaligen Chefredakteur der Kronen Zeitung Hans Lipschütz. Der riet ihm, eine Ausbildung zum Schriftsetzer zu machen und auch sein Abitur in der Abendschule nachzuholen. So begann er eine Lehre in der Eggenberger Druckerei.
Im Zweiten Weltkriegs diente er auf einem Hilfskreuzer der Kriegsmarine, der nach einem Torpedotreffer sank. Dichand wurde gerettet und ins Lazarett bei Tripolis gebracht.
Nachdem er im Oktober 1945 nach Graz zurückgekehrt war, absolvierte er einen Schulungskurs der britischen Militärregierung und erhielt daraufhin einen Redakteursposten beim britischen Nachrichtendienst. Dort musste er zunächst BBC-Nachrichten für die Redaktion der Neuen Steirischen Zeitung aufschreiben.
Doch bald darauf wurde er 1946 Chefredakteur, Verlagsleiter und Herausgeber der Murtaler Volkszeitung, die damals den Parteien ÖVP, SPÖ und KPÖ gehörte. Im März 1947 kam das Blatt dann in den Besitz der Styria Media Group AG und nahm seinen alten Namen Murtaler Zeitung wieder an.
Dichand wechselte 1947 als außenpolitischer Redakteur zum Steirer Blatt nach Graz. Als diese Zeitung eingestellt werden musste, ging er zusammen mit ihrem Chefredakteur Schuster zur Neuen Wiener Tageszeitung. Aber nach der Wiedergründung der Kleinen Zeitung im Jahr 1948 holte man ihn als Chefredakteur zurück nach Graz.
1954 erfolgte Dichands nächster Wechsel: zum Neuen Kurier, der aus der US-Besatzungszeitung Wiener Kurier hervorging. Den machte er als Chefredakteur zur damals erfolgreichsten Zeitung in Österreich.
Aber nach einem Zerwürfnis mit dem Verleger verließ er auch den Kurier und erwarb die Titelrechte der Kronen Zeitung, die während des Krieges von den Nazis eingestellt worden war. Sein Partner beim Wiederaufbau der Kronen Zeitung, nun als modernes Boulevardblatt, war der Marketingexperte Kurt Falk. Finanziell unterstützt wurde das Vorhaben von den Gewerkschaften des ÖGB.
Die beiden entwickelten die Kronen Zeitung zu einem Volksblatt und zur bald mächtigsten Zeitung in Österreich, mit einer Reichweite von 40 Prozent und tagtäglich rund drei Millionen Lesern. Eine derartige Monopolstellung gab es sonst nirgendwo in der Medienwelt. In der Krone demonstrierte Dichand seine Macht, schrieb Kommentare unter seinen Pseudonymen „Cato“ oder „Aurelius“ und startete immer wieder populistische Kampagnen, weshalb man ihn gelegentlich auch als „Kanzlermacher“ titulierte. Dennoch wurde Hans Dichand zusammen mit Karl Kraus und Gerd Bacher von einer Medienjury zum Journalisten des 20. Jahrhunderts gekürt – als ein aufrechter Österreicher mit enger Verbindung zur Bevölkerung.
Hans Dichand starb am 17. Juni 2010 im Alter von 89 Jahren in Wien. Dort wurde er auf dem Grinzinger Friedhof begraben.
(hhb)
Quellen
Hans Dichand / Wien Geschichte
Dichand – Österreichs mächtige Medienfamilie um Kronen Zeitung und heute
Hans Dichand ist tot / SRF am 17.6.2010
Krone-Herausgeber Dichand gestorben / SPIEGELKultur am 17.6.2010
Franz Baden: Ein Verleger mit Krone / Südd. Zeitung am 18.6.2010
Lore Jarosch: Hans Dichand / Amalthea Signum, 2000
Heidi Huber: Die Kronen-Zeitung nach 1959 – Hans Dichand und seine Partner / Bachelorarbeit 2009, GRIN on demand
Bücher + Schriften
Hans Dichand: Kronen Zeitung – Geschichte eines Erfolgs / Oroc 1977
Hans Dichand: Im Vorhof der Macht – Erinnerungen eines Journalisten / 1996