Der Journalist, Chefredakteur und Zeitungsverleger Hans Eckensberger arbeitete in Braunschweig vor und nach dem Zweiten Weltkrieg bei mehreren Zeitungen.
Carl Hugo Hans Eckensberger wurde am 16. März 1897 als Sohn des Buchhalters und späteren Verlegers Hugo Eckensberger in Leipzig geboren. Dort besuchte er zunächst die Höhere Bürgerschule und danach Dr. Hallers Progymnasium, bis die Familie 1909 nach Braunschweig zog. Dort legte Hans Eckensberger im Juni 1915 die Notreifeprüfung am Herzoglichen Realgymnasium ab und musste anschließend bis 1918 Kriegsdienst leisten. Er wurde Leutnant der Reserve und mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse ausgezeichnet.
Nach Kriegsende studierte er in Leipzig und Greifswald Rechts- und Staatswissenschaften sowie Geschichte, allerdings ohne Abschluss. Danach begann er ein Volontariat bei der Leipziger Zeitung. Anschließend wurde Eckensberger für kurze Zeit politischer Redakteur beim Leipziger Tageblatt und arbeitete danach noch als Redakteur im thüringischen Rudolstadt sowie in Heidenheim an der Brenz.
Inzwischen verheiratet kehrte er im September 1924 nach Braunschweig zurück und kreierte dort die Wochenendbeilage Der Sonntag für die im väterlichen Verlag erscheinenden Neuesten Nachrichten Braunschweig. Im Jahr darauf wurde er deren Feuilleton-Chef.
Eckensberger war mit der Jüdin Margarete Friedmann verheiratet, eine bekannte Schauspielerin am Staatstheater Braunschweig. Wegen seines Widerstandes gegen den Nazismus und seiner Ehe musste er 1934 seinen Posten bei der Zeitung aufgeben und wurde zudem ein Jahr inhaftiert. Nach seiner Haftentlassung setzte sich das Ehepaar nach Leipzig ab, wo Eckensberger seine Frau bis zum Ende des Krieges verstecken konnte. In diesen Jahren arbeitete er als Papierhändler und hielt Kontakt zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus. So half er zum Beispiel bei der Suche nach einem Versteck auch für Friedrich Carl Goerdeler, der 1937 als Leipziger Bürgermeister entlassen worden war. Eckensberger gehörte damals zum so genannten „Goerdeler-Kreis“.
Im letzten Kriegsjahr wurde er noch zwangsverpflichtet und musste für die Organisation Todt arbeiten. Aber das Ehepaar überlebte den NS-Terror.
Nach dem Krieg kehrte das Ehepaar nach Braunschweig zurück, das damals zur Britischen Besatzungszone gehörte. Von der Militärregierung erhielt Eckensberger am 6. Januar 1946 die Lizenz Nr. 2 für die Braunschweiger Zeitung, mithin für die zweite Nachkriegszeitung in der Britischen Zone.
Eckensberger, der sehr gut Englisch sprach, sicherte den britischen Presseoffizieren zu, den Demokratisierungsprozess mit Hilfe des Blattes unterstützen zu wollen und ohne Parteibindungen die freie Meinungsäußerung zu unterstützen. Da er zudem als frei von ideologischem Gedankengut, politisch als unbelastet galt und zudem genügend Medienerfahrung aufweisen konnte, erschien er den Lizenzgebern sofort als geeigneter Kandidat.
Die erste Ausgabe der Braunschweiger Zeitung erschien bereits am 8. Januar des Jahres – Hans Eckensberger war ihr Herausgeber und Verleger. Chefredakteur wurde Fritz Sänger, der bis Oktober 1946 in dieser Position blieb und dann als Chefredakteur und Geschäftsführer zum Deutschen Pressedienst dpd nach Hamburg wechselte.
Anfangs konnte die Braunschweiger Zeitung wegen des Papiermangels nur zweimal wöchentlich erscheinen, ab November 1947 dann dreimal und ab September 1949 werktäglich.
Ein Hauptanliegen des Verlegers Eckensberger blieb die Förderung der freien Meinungsäußerung und eine Mitwirkung der Leser. So bezeichnete er die Rubrik Leserbriefe als „Das Freie Wort“: Denn jeder Leser sollte das Recht haben, auch die eigene Meinung öffentlich zu äußern, ohne Furcht vor den Schergen einer Diktatur wie zuvor.
Als 1951 seine Frau Margarete im Mai 1951 an Herzversagen gestorben war, heiratete Eckensberger erneut.
Die Braunschweiger Zeitung leitete er bis zu seinem Tod am 13. Januar 1966. Danach ging die Verlagsleitung an seine zweite Frau Helga über.
Hans Eckensberger erhielt für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Die damals 57jährige Helga Eckensberger wurde im Oktober 1973 in ihrer Wohnung umgebracht; die genauen Umstände des Verbrechens sind bis heute ungeklärt (Mordfall Eckensberger: Ein Teil im dunkeln / SPIEGEL 46/1974 vom 30.11.74)
Wie vom Ehepaar Eckensberger testamentarisch festgelegt, sollte nach ihrem Tod ihr Privatvermögen in eine Stiftung „Hans und Helga Eckensberger“ eingebracht werden, zur Förderung kultureller, sozialer und Bildungs-Aufgaben in der Region Braunschweig. Die Stiftung wurde am 1. März 1974 gefründet.
(hhb)
Quellen
Friedrich Walz: Carl Hugo Hans Eckensberger – sein Weg zum Lizenzverleger
Mordfall Eckensberger: Ein Teil im dunkeln / SPIEGEL 46/1974 vom 30.11.74
Hans und Helga Eckensberger Stiftung
Eckard Schimpf: So machte Hans Eckenberger Zeitung nach den Nazis / Braunschweiger Zeitung am 18.9.2021
Stefanie Grossmann: Presse-Neustart nach dem Krieg: Wie die BZ gegründet wurde / NDR am 3.5.2023
Eckard Schimpf: Erinnerungen an einen großen Braunschweiger Verleger / Braunschweiger Zeitung vom 16.2.2024