Karl Gerold wurde am 29. August 1906 in Giengen an der Brenz, an den östlichen Ausläufern der Schwäbischen Alb geboren und wuchs bei seiner Mutter auf, einer Arbeiterin in der Vereinigten Filzfabriken AG. Großen Einfluss auf seine Erziehung nahm der Großvater, ein Mitglied im SPD-Ortsverein. Nach seinem Realschul-Abschluss machte er eine Mechaniker-Lehre, wurde Mitglied in SPD-Jugendorganisationen sowie im Deutschen Metallarbeiterverband und bei den Naturfreunden. Nach seiner Gesellenprüfung arbeitete er in verschiedenen Unternehmen.
1922 war er der Sozialistischen Arbeiterjugend beigetreten und betätigte sich als freier Mitarbeiter für verschiedene Zeitungen. 1933 kam er wegen seiner aktiven Rolle für diese Sozialistische Arbeiterjugend vorübergehend in Schutzhaft, konnte danach aber in die Schweiz fliehen. Dort traf er den Exil-Kommunisten Karl Retzlaw, einen früheren Geschäftsführer im von Willi Münzenberg geleiteten Deutschen Verlag. Retzlaw hatte sich ebenfalls in die Schweiz abgesetzt und unterstützte von dort aus den Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Gerold schloss sich ihm an, veröffentlichte in der Schweiz mehrere Bücher, schrieb für Zeitungen und wurde deren Korrespondent im Spanischen Bürgerkrieg. 1940 entzogen ihm die Nazis die deutsche Staatsbürgerschaft. 1943 wurde er in der Schweiz wegen Neutralitätsbruch angeklagt. Er kam in ein Arbeitslager und erhielt schließlich eine Gefängnisstrafe auf Bewährung.
Copyright: Frankfurter Rundschau GmbH
Nach Kriegsende arbeitete er als Korrespondent für mehrere Schweizer Zeitungen in Wiesbaden. Im April 1946 erhielt er eine Lizenz der US-Militärregierung und damit die Erlaubnis, einer Gruppe von sieben Personen beizutreten, die seit August 1945 die Frankfurter Rundschau als erstes Objekt der US-Besatzungsmacht herausgeben durften. Die alten Lizenzträger schieden alle bis auf Arno Rudert aus. Durch die Lizensierung an Karl Gerold und Arno Rudert ging die Frankfurter Rundschau endgültig in deutsche Verantwortung über, erschien zunächst zweimal die Woche und ab Juli 1948 schließlich jeden Werktag. Rudert war bereits 1947 aus der KPD ausgeschlossen worden; 1949 verließ nun auch Gerold die SPD, um so die parteipolitische Unabhängigkeit der Zeitung zu garantieren.
Als Arno Rudert bereits 1954 starb, verfügte Karl Gerold über eine Mehrheit von 66 2/3 Prozent am Verlag der Frankfurter Rundschau und wurde dort als Chefredakteur, Herausgeber und Verleger zur prägenden Figur. Er verfasste leidenschaftliche, oft polternde Leitartikel. Kollegen beschreiben ihn als engagierten Kämpfer für eine humane demokratische Gesellschaft und gegen den „bergigen, bayerischen Strauß“. 1973 gab er sein Verdienstkreuz an den Bundespräsidenten zurück, nachdem dieser einen Franco-Minister mit dem gleichen Orden dekoriert hatte.
1968 verfügte Karl Gerold, dass sein Zweidrittelanteil am Verlag in eine Stiftung mit seinem Namen eingebracht werden sollte. Als Gerold am 28. Februar 1973 starb, war die Stiftungsverfassung bereits ausformuliert. Gerold legte darin fest, dass die Frankfurter Rundschau als eine „unabhängige, politisch engagierte, linksliberale Tageszeitung, verpflichtet dem Geist des Grundgesetzes und den Menschenrechten und ständig eintretend für das unbedingte Prinzip der Demokratie und für soziale Gerechtigkeit“ fortgeführt werden soll. Denn, so sein Credo: „Eine Zeitung muss frei von politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten sein.“
Im Juli 1975 wurde die Karl-Gerold-Stiftung vom hessischen Innenminister als rechtsfähig anerkannt. Von ihr gefördert werden sollten der journalistische Nachwuchs und als gemeinnützig anerkannte Ausbildungseinrichtungen.
(hhb)
Weitere Informationen zu Karl Gerold auf der Website der Karl-Gerold-Stiftung
Jochen Steinmayr: Der arme reiche Konrad – zum Tode von Karl Gerold, DIE ZEIT vom 9.3.1973
Roderich Reifenrath: Karl Gerold prägt die FR noch heute, Frankfurter Rundschau vom 3.12.2012