Wilhelm Girardet

Wilhelm Girardet wurde am 14. Juni 1838 in Lennep/Bergisches Land geboren. Er stammte aus einer Hugenotten-Familie. Nach einer Buchbinderlehre im väterlichen Betrieb arbeitete er fünf Jahre im Ausland, in Großbritannien, in Frankreich und in der Schweiz.

1865 gründete er in Essen die Graphischen Betriebe W. Girardet und entwickelte daraus ein Verlags- und Druckereiunternehmen, die W. Girardet KG. Hier verlegte er einen Anzeiger für Berg-, Hütten- und Maschinenwesen, die landwirtschaftliche Zeitschrift Feld und Wald und die Zeitschrift Deutschland.

Ab 1886 gründete er mehrere Zeitungen des Typs Generalanzeiger, also ohne Bindungen an irgendeine politische Partei: darunter den General-Anzeiger für Leipzig und Umgebung, den Generalanzeiger für Elberfeld-Barmen, den General-Anzeiger für Hamburg-Altona, den Hamburger Anzeiger und die Chemnitzer Nachrichten. Außerdem wurde er Gesellschafter bei den in Düsseldorf erscheinenden Neuesten Nachrichten.

 

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1903 erwarb er den Verlag des Düsseldorfer General-Anzeigers und verschmolz diesen mit den Neuesten Nachrichten, dessen Leitung sein Sohn Paul übernahm. Seine Erfahrungen transferierte Wilhelm Girardet, wahrscheinlich als erster deutscher Zeitungsverleger, auch ins Ausland und gründete in Zürich den Tages-Anzeiger, bald die auflagenstärkste Zeitung in der Schweiz.

So entstand um die Jahrhundertwende ein einzigartiges Verlagsimperium, getreu nach dem Motto seines Gründers:

Der Alten Fleiß sei stets ein Vorbild dir,
Und weise Sparsamkeit des Hauses Zier,
Ausdauernd führe deine Sache aus,
Dann fehlt nicht Gottes Segen deinem Haus.

So stand es im Treppenaufgang seines Essener Privathauses. Und für seine Belegschaften schuf er beizeiten soziale Einrichtungen: eine betriebliche Krankenkasse sowie eine Pensions-, Witwen- und Waisenkasse - damals einmalig in Deutschlands Verlagshäusern.

Im Jahr 1906 verlieh ihm Kaiser Wilhelm II. den Titel Kommerzienrat und die Stadt Honnef, wo er zwischen 1904 und 1905 eine Villa namens Feuerschlösschen erbauen ließ, machte ihn zum Ehrenbürger.

Zudem war er ein leidenschaftlicher Kunstsammler – schon in seiner Essener Villa in der Huyssenallee besaß er die wohl umfangreichste Gemäldesammlung der Stadt. Zeitlebens förderte er Künstler und unterstützte den Bau einer Kunsthalle.

Wilhelm Girardet starb am 4. Mai 1918 in seinem Alterssitz Honnef.

(hhb)