Der deutsche Verleger, Publizist und Literaturwissenschaftler Wieland Herzfelde konzentrierte sich mit seinem Malik-Verlag auf Avantgarde-Kunst und sozialistische Literatur. Zur NS-Zeit bekämpfte er die „braune Unkultur“ von Prag und London aus und wurde daraufhin 1934 ausgebürgert.
Wieland Richard Felix Herzfeld wurde als drittes von vier Kindern und als zweiter Sohn des Schriftstellers Franz Held am 11. April 1896 in Weggis/Schweiz geboren, wohin seine Eltern geflohen waren, nachdem Vater Held in München wegen Gotteslästerung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war. Nach dem frühen Tod der Eltern wurden die Kinder von Verwandten und Pflegeeltern aufgezogen. 1913 folgte Wieland seinem Bruder Helmut nach Berlin, machte dort sein Kriegsabitur und begann ein Studium in Germanistik, Geschichte und französische Literatur.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Wieland Herzfelde – das E hatte er seinem Namen inzwischen angefügt, weil ihn Else Lasker-Schüler immer so nannte –freiwillig als Sanitäter, wo ihn das Leid der jungen Soldaten erschütterte. 1915 wurde er nach einer Konfrontation mit einem Vorgesetzten unehrenhaft aus dem Militärdienst entlassen und gründete daraufhin 1916 zusammen mit seinem älteren Bruder Helmut – besser bekannt als John Heartfield – die Neue Jugend, eine Antikriegszeitschrift, die sich energisch gegen den Ersten Weltkrieg wandte. Daraufhin wurde sie schon im April 1917 verboten. Wieland musste erneut und nun zwangsweise zum Militär. Er desertierte, wurde verhaftet und endgültig aus dem Militärdienst entlassen.
Aus Anlass des Erscheinens der ersten zehn Bände der Bibliothek fortschrittlicher Schriftsteller, die nach der Kulturverordnung der DDR vom 16.3.50 herausgegeben wurden, fand am 5.1.51 im Kulturbundhaus in Berlin eine Pressekonferenz statt.
V.l.n.r.: Willi Bredel (links) daneben Prof. Wieland Herzfelde
Copyright: Bundesarchiv Bild 183-09175-0003, Foto Helmut Rudolph
Da hatten die beiden Brüder bereits den Malik-Verlag gegründet, benannt nach dem Roman „Der Malik“ von Else Lasker-Schüler. Der Verlag wurde von ihr, von Johannes R. Becher, Walter Benjamin, George Grosz, Harry Graf Kessler und dem Mäzen Felix Weil unterstützt.
Schon 1916 war Wieland Herzfelde mit ersten expressionistischen Gedichten an die Öffentlichkeit gegangen. 1919 gehörte er dann zu den Gründern der KPD. Schon vorher hatte er sich an der Dada-Bewegung beteiligt und mehrere Satirezeitschriften herausgegeben: Jedermann sein eigener Fußball, Die Pleite und Der Gegner. Sie alle erregten auf Anhieb große Aufmerksamkeit wegen der Fotomontagen seines Bruders John Heartfield und der Karikaturen von George Grosz – sie litten aber auch unter wiederholten Verboten und Beschlagnahmungen der Weimarer Justiz.
Den Malik-Verlag führte Herzfelde bis 1924 zusammen mit Julian Gumperz. Von 1925 bis 1930 wurde er in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und von dem marxistischen Mäzen Felix Weil unterstützt. Die Veröffentlichungen setzten sich für Solidarität mit der Sowjetunion ein und agitierten energisch gegen alle militaristischen und faschistischen Bewegungen. Darum verlegte man auch russische Autoren wie Maxim Gorki oder Leo Tolstoi. In der Politik wandte sich Herzfelde als „Versöhnler“ gegen den ultralinken Kurs von Ernst Thälmann gegen die SPD.
Sofort nach dem Reichstagsbrand floh Herzfelde nach Prag und setzte von dort seine Arbeit als Malik-Verleger fort. Dort gründete er die Literaturzeitschrift Neue Deutsche Blätter, an der sich auch Oskar Maria Graf und Anna Seghers beteiligten und sich gemeinsam für ein Volksfrontvorgehen gegen den Nationalsozialismus einsetzten. Die Zeitschrift musste allerdings 1935 wegen Geldmangel eingestellt werden. Danach unterstützte er die von Brecht und Feuchtwanger herausgegebenen Exilzeitschrift Das Wort.
Ende Oktober emigrierte Wieland Herzfelde zunächst via Schweiz und Frankreich nach London, von wo aus er 1939 ins Exil nach New York reiste. Dort engagierte er sich in der German-American Writers Association und in der Arbeitsgemeinschaft „Tribühne“, die Autoren und Bühnenabende veranstaltete und für die er ab 1944 den Aurora-Verlag von elf antifaschistischen Autoren leitete, darunter Brecht, Bloch, Döblin und Heinrich Mann.
1948 akzeptierte er den Ruf der Sächsischen Landesregierung für eine Professur an der Uni Leipzig für Soziologie der modernen Weltliteratur. Er wurde nur kurzzeitig bis 1951 SED-Mitglied, weil er plötzlich unter Spionageverdacht geriet. Als dann auch noch an seiner wissenschaftlichen Befähigung gezweifelt wurde zog er nach Ost-Berlin und engagierte sich dort in der Akademie der Künste, die er von 1967 bis 1970 als Sekretär leitete.
Quellen
Ronald Weber: Herzfelde, Wieland Richard Felix / Deutsche Biographie
Antonia Meiners, Manfred Wichmann: Wieland Herzfelde 1896 – 1988 / Lemo Lebendiges Museum Online
Wieland Herzfelde / Akademie der Künste
Herzfelde, Wieland / Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur