Der deutsche Verleger August Huck gründete den zu Beginn der 1890er Jahre die parteiungebundenen Generalanzeiger sowie zahlreiche Regional- und Lokalzeitungen. Er war ein Organisationstalent und seiner Zeit insoweit voraus, weil er sich frühzeitig auch einer eigenen Produktionskette aus Schriftgießereien, Setzmaschinen- und Papierfabriken bediente. So konnte er bald zu den damals bedeutendsten Verlagshäusern neben Mosse, Scherl und Ullstein aufsteigen.
August Huck wurde am 24. Februar 1849 als Sohn eines Unternehmers in Offenbach geboren. Die Schriftgießerei und Maschinenbaufirma seines Vaters wandelte er 1888 in eine Aktiengesellschaft um und startete mit Hilfe der so gewonnenen Liquidität als Zeitungsverleger in Frankfurt am Main. Schon im Jahr zuvor hatte er einen Generalanzeiger für Nürnberg, Fürth und Umgebung gegründet. 1890 verkaufte er das Blatt wieder, das dann mit dem Korrespondent von und für Deutschland fusioniert und später zur Nürnberger Zeitung wurde.
1988 gründete Huck zunächst den Breslauer Generalanzeiger und danach Schritt für Schritt die Dresdner Neuesten Nachrichten, die Münchner Zeitung, die Bayerische Zeitung, die Württembergische Zeitung oder die Kasseler Neuesten Nachrichten. Zu seinem Zeitungsring gehörten kurz darauf auch die Stettiner Neuesten Nachrichten und die Stettiner Abendpost, die Leipziger Abendzeitung, der Generalanzeiger für Halle und den Saale-Kreis, die Danziger Neusten Nachrichten, die Nordwestdeutsche Morgenzeitung in Oldenburg, die Neue Mannheimer Zeitung sowie die Neue Wiesbadener Zeitung.
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Huck hatte damit einen Zeitungskonzern aufgebaut, der zumindest in Deutschland seinesgleichen suchte. Jede dieser Zeitungen erschien in einer separaten Verlagsgesellschaft, an welcher die jeweiligen Verlagsleiter und/oder Chefredakteure beteiligt waren. Denn oft waren Verlagsleiter auch Chefredakteure, und umgekehrt. Alle Blätter arbeiteten getrennt voneinander und konnten sich so auf ihr jeweiliges Vertriebsgebiet konzentrieren. Lediglich die Auslandsberichterstattung wurde von Berlin aus koordiniert und ihnen zugeliefert. Eine Strategie, die natürlich zu unterschiedlichen Qualitäten führte: auf der einen Seite typische Provinzblätter als reine Nachrichtenüberbringer, andererseits wie bei den Dresdner Neuesten Nachrichten ein Feuilleton von beachtlichem Niveau.
Die Herstellung seiner Zeitungen erfolgte so weit wie möglich durch Unterstützung der eigenen Produktionskette, wozu bei Huck neben Druckereien die Herstellung von Schriftlettern, Setzmaschinen sowie von preiswertem Druckpapier etwa durch Holzschliff gehörten.
Laut Kurt Koszyk, Zeitungswissenschaftler an der Universität Dortmund, wurden viele der damals neuartigen Generalanzeiger zunächst gratis verteilt, um so eine hohe Anfangsauflage zu erreichen und sie danach in billige Massenabonnements umzuwandeln. Auf diese Weise wurden Angehörige unterer Schichten an die Zeitung herangeführt. Gewinne musste dann vor allem das Anzeigengeschäft bringen.
Hucks Zeitungen erschienen ohne Bindung an politische Parteien und vertraten stets eine bürgerliche, gemäßigt liberale Position – da hatten seine Chefredakteure freie Hand, was die Ausrichtung ihrer Blätter anging. Zumeist durch eine auf das Kleinbürgertum zugeschnittene Berichterstattung.
Kurz vor seinem Tod beteiligte sich August Huck – die Zeitungsbranche bezeichnete ihn inzwischen bereits als „General-Anzeiger-König“ – 1911 noch mit einem Konsortium an der renommierten Vossischen Zeitung.
Huck war Hauptfinanzier der Reinhardtschen Bühnen in Berlin – Max Reinhardts Inszenierungen wären ohne sein Mäzenatentum nicht möglich gewesen.
August Huck starb am 14. Juli 1911 im Alter von 62 Jahren in Blankenberghe/Belgien und wurde auf dem Alten Friedhof in seiner Heimatstadt Offenbach begraben.
(hhb)
Quellen:
Kurt Wessel: August Huck / Deutsche Biographie
Yvonne Graf: Die Verleger Huck und der Erfolg ihrer Generalanzeiger / im Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte Band 17 (2015)
Bücher:
Kurt Koszyk: Deutsche Presse im 19. Jahrhundert / Colloquium Verlag Berlin, 1966
Peter de Mendelssohn: Zeitungsstadt Berlin / Ullstein