John Jahr sen. wurde am 20. April 1900 in Hamburg als Sohn eines Feuerwehrmanns geboren. Mit 16 Jahren machte er eine kaufmännische Lehre, mit 19 ein Volontariat als Sportjournalist – das Fundament war gelegt. Im Alter von nur 24 Jahren stieg er ins Verlagsgeschäft ein: „Sport-Chronik“ hieß sein erstes Blatt.
Schon damals wusste er, womit man das Geld im Zeitschriftenwesen verdient: mit Anzeigen. Die verkaufte er bis 1933 auch an Titel des kommunistischen Münzenberger-Konzerns. Während der NS-Zeit lebte Jahr in Berlin, verlegte dort Bücher sowie seine erste Frauenzeitschrift „Die junge Dame“..
Nach dem Krieg beantragte er mit Axel Springer zusammen eine Genehmigung für die Frauenzeitschrift „Constanze“. Die Lizenz Nr. 150 von 1947 wurde die Basis für ein prosperierendes Verlagsgeschäft, das sich später von unzähligen Zeitschriften bis hin zu Immobilienbesitz, Unternehmensbeteiligungen sowie an dem Betrieb von Spielbanken erstreckte.
Copyright: Gruner + Jahr
V. l. n. r.: Gerd Bucerius, Richard Gruner und John Jahr (1968)
Copyright: Von Jochen Blume / Stern / Gruner + Jahr, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52179042
Die 50er und 60er waren die Jahre der Zusammenarbeit der Hamburger Medienmacher. Sie waren stets harte Geschäftspartner, privat aber befreundet. Axel Springer beispielsweise bürgte vor den Briten für Jahrs antifaschistische Integrität. Die Zusammenarbeit im Constanze-Verlag dauerte bis 1960. Mit Rudolf Augstein verlegte Jahr von 1950 an gemeinsam das Magazin „Der Spiegel“. Jahr zog sich nach 12 Jahren zurück – das nannte er später einen großen unternehmerischen Fehler.
Den stets verlässlichen Verleger Jahr hatte stets einem breiten Rücken für seine Redaktionen: "Ihr könnt alles schreiben, es muss nur stimmen", so zum Beispiel Jahrs unaufgeregte Replik auf Drohungen, Einschüchterungen und einstweilige Verfügungen von vermeintlichen Opfern der „Capital“-Redaktion. Nicht nur für sie war John Jahr der ideale Verleger, wie ihn sich ein Chefredakteur und seine Redaktion wünschen.
Der größte Coup gelang 1965: In seinem Garten an der Alster, unter einem Apfelbaum bei Erdbeerkuchen mit Schlagsahne, wurde die deutsche Medienlandschaft verändert – Jahr, Gerd Bucerius und Richard Gruner gründeten den Verlag Gruner+Jahr. Der Name war prägnant und Bucerius uneitel – obwohl er die treibende Kraft war. Letztlich waren sich die drei Männer einig: Sie wollten den unternehmerischen Erfolg und sich gegen den erstarkenden Springer Verlag durchsetzen. Von nun an erschienen die großen Blätter wie „Stern“, „Constanze“, „Brigitte“, „Capital“ und „Schöner Wohnen“ unter einem Dach.
Schon vier Jahre später wurden die Verhältnisse neu geordnet: Gruner minderte zuerst seinen Anteil auf 25 Prozent und stieg dann ganz aus - Bertelsmann ein. 1973 stieg auch Bucerius bei G+J aus. Damit wurde Bertelsmann mit 60 Prozent der Anteile Hauptgesellschafter von Gruner + Jahr, 1975 mit 74,9 Prozent. John Jahr behielt eine Sperrminorität.
John Jahr starb am 8. November 1991 in Hamburg. (ko)