Lambert Lensing jun.

Der christlich geprägte Zeitungsverleger Lambert Lensing jun. wurde nach dem Krieg Mitbegründer der CDU und deren Vorsitzender im Landesverband Westfalen. Als Mitglied des Parlamentarischen Rats gehörte er zu den Verfassern des Grundgesetzes. Außerdem war er an der Neugründung des BDZV Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger beteiligt sowie Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Lambert Lensing wurde am 14. November 1889 als Sohn des gleichnamigen Verlegers in Dortmund geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Dortmund wechselte er ins Gymnasium von Emmerich, der Heimatstadt seines Vaters. Nach seinem Abitur im Jahr 1910 studierte er Rechtswissenschaften in Münster, München und Leipzig und engagierte sich in katholischen Studentenverbindungen. Schon während seines Studiums sammelte er praktische Erfahrungen im väterlichen Verlag sowie beim Verlag Fredebeul & Koenen in Essen.

Von 1914 bis 1918 war er Kriegsteilnehmer, zuletzt als Adjutant Franz von Papens bei der türkischen Armee in Palästina. Nach Kriegsende trat er Anfang 1919 in den Familienbetrieb Gebr. Lensing Verlagsanstalt ein und beendete 1920 sein Jura-Studium mit dem Referendarexamen.

Während der Ruhrbesetzung durch die Franzosen wurde ihre Tageszeitung Tremonia, ein der Deutschen Zentrumspartei nahestehendes Blatt, verboten. Daraufhin startete der Juniorchef in Bochum die gegen die französischen Besatzer gerichtete Ruhrpost, wurde deshalb verhaftet und zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Tremonia durfte dann ab 1925 erneut erscheinen.

Nach dem Tod seines Vaters im Dezember 1928 übernahm er die Leitung des Familienunternehmens und engagierte sich nebenher politisch. Er wurde Vorstand der Dortmunder und der westfälischen Deutschen Zentrumspartei, außerdem des Vereins Deutscher Zeitungsverleger und des Niederrheinisch-Westfälischen Zeitungsverleger-Vereins sowie im von seinem Vater einst mitgegründeten Augustinus-Verein zur Pflege der katholischen Presse.

Angesichts des Erstarkens der NSDAP setzte sich die Tremonia mit dieser Partei und ihrem „Führer“ immer intensiver auseinander. Am 8. Juli 1930 etwa hieß es in einem großen Artikel, „der Nationalsozialismus suche die durch Krieg und Inflation entstandene wirtschaftliche Not und soziale Unsicherheit für sich zu nutzen, indem er vorzüglich mit Ressentiments arbeite: Weckung des sozialen Neidgefühls, des Rassen- und Klassenhasses.“

Und nach den Wahlen am 14. September 1930, als die Hitlerpartei einen Stimmenzuwachs von 2,6 auf nun 18,3 Prozent errang, kommentierte das die Tremonia: „Auf Großsprecherei, auf Phrasen und unsinnige Verheißungen ist der deutsche Michel hereingefallen.“ Dieser katastrophale Stimmen-Gewinn der Nationalsozialisten sei „ein vollendeter Beweis für den unpolitischen Sinn des deutschen Volkes“.

In der Nacht nach der Kommunalwahl am 12. März 1933 drang ein bewaffneter SA-Trupp in den Verlag ein und griff auch Lensing körperlich an. Die herbeigerufene Polizei konnte damals größere Schäden verhindern. Nach der endgültigen Machtergreifung der Nazis wurden ihm dann alle Leitungsfunktionen entzogen, in den Verbänden wie im Verlag. Ihm wurde jeglicher Einfluss auf die Redaktion der Tremonia verwehrt; das Blatt durfte zwar bis April 1945 weiter erscheinen, war von da an aber gleichgeschaltet und erschien unter Aufsicht des Dortmunder Polizeipräsidenten.

Bei Kriegsbeginn wurde Lensing eingezogen und zunächst im polnischen Ermland-Masuren eingesetzt, später dann bei der Wehrmacht für deren Kriegspropaganda. Bei Kriegsende kehrte er nach Dortmund zurück. Das Verlagshaus und Teile des Betriebs waren durch Bomben zerstört.

Zunächst aber konnte in der Lensing-Druckerei die von der britischen Militärregierung herausgegebene Ruhr-Zeitung hergestellt werden, und später auch die Westfalenpost. Als Altverleger erhielt er schließlich Ende 1948 eine Lizenz für die Ruhr-Nachrichten, die als Nachfolger der früheren Tremonia ab dem 1. März 1949 erschien. Mit einem Grußwort des NRW-Ministerpräsidenten Karl Arnold auf der Titelseite: „Ich weiß, dass die schwere Aufgabe der Presse bei dem Aufbau eines demokratischen Staates ein Höchstmaß von Verantwortung erfordert, und ich bin davon überzeugt, dass Verlag und Redaktion der Ruhr-Nachrichten ihr Bestes tun werden, um dieser hohen Aufgabe gerecht zu werden.“

Dieser Aufgabe wurden die Ruhr-Nachrichten wirklich gerecht – ihr Verleger Lambert Lensing hatte ja im Parlamentarischen Rat mit zu den Vätern des Grundgesetzes gehört und bis 1949 daran mitgearbeitet – wo es in Artikel 5 heißt: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Diese Freiheiten hatten und nutzten die Journalisten der Ruhr-Nachrichten. Sie recherchierten vor Ort, im Rat, in der Stadtverwaltung genau wie auf dem Fußballplatz oder auf dem Wochenmarkt. Man wollte dort sein, wo auch die Leser waren, mittendrin statt nur dabei. Denn das Credo des Blattes lautete: „Guter Lokaljournalismus ist Korrektiv, Kontrolle, Wächter, Freund und Nachbar. Ohne Zeitung würde Heimat ihre kraftvolle Stimme verlieren. Unabhängigkeit ist die Grundvoraussetzung für guten Journalismus. Und für Demokratie. Totalitäre Staaten kennen keine Pressefreiheit.“ Das wurde auch zum 75jährigen Bestehen der Ruhr Nachrichten – nun ohne Bindestrich – erneut deutlich unterstrichen.

1949 wirkte Lambert Lensing zudem als Präsidialmitglied bei der Neugründung des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger mit und wurde Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Presse-Agentur dpa.

1959 erhielt er das Große Verdienstkreuz mit Stern und von Papst Johannes XXIII. das Komturkreuz des Gregorius-Ordens.

Lambert Lensing II starb am 25. April 1965 in Dortmund und wurde dort auf dem Südwestfriedhof beigesetzt.

 

(hhb)

 

Quellen

Geschichte / LensingMedia

LensingMedia

Lambert Lensing / Dortmund.de

75 Jahre Ruhr Nachrichten / Ruhr Nachrichten am 31.10.2024

Christopher Beckmann: Lambert Lensing (1889-1965) Zeitungsverleger, Mitgründer der CDU. Landesvorsitzender der CDU Westfalen-Lippe