Rudolf Mosse wurde am 8. Mai 1843 in Grätz/Provinz Posen als Sohn eines Arztes geboren. Er hatte sieben Brüder und fünf Schwestern. Nach der Schulzeit erlernte er den Beruf eines Buchhändlers, u.a. bei Heinrich Albert Hofmann in Berlin, dem Verleger der satirischen Wochenzeitschrift Kladderadatsch.
Schon als knapp 21Jähriger wurde er Geschäftsführer beim Leipziger Telegraph und wechselte von dort zum Verlag Die Gartenlaube. Dort erkannte er, dass Zeitungen und Magazine, die sich überwiegend aus ihren Bezugspreisen finanzierten, dringend neue Einnahmequellen benötigten; denn hohe Bezugspreise drückten die Auflagen. Darum führte er bei der Gartenlaube einen mehrseitigen Anzeigenteil ein. Das Anzeigengeschäft beschränkte sich damals weitgehend auf Wohnungs- und Stellengesuche sowie auf lokale An- und Verkäufe, nicht aber auf Inserate für verstärkt aufkommende Markenartikel. Rudolf Mosse akquirierte nun solche Anzeigen in ganz Deutschland, in Österreich und aus der Schweiz. Daraus entstand die zunächst noch von der Gartenlaube getrennte Annoncenbeilage Allgemeine Anzeigen.
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Das brachte ihn bald auf die Idee, sich 1867 mit einer Annoncen-Expedition selbständig zu machen. Solche Annoncen-Expeditionen waren Vorläufer der heutigen Werbeagenturen – sie akquirierten und vermittelten Inserate für Zeitungen und Zeitschriften, mit denen die Verlage dann einen Großteil ihrer Kosten finanzierten konnten. Rudolf Mosse pachtete bald sogar den gesamten Anzeigenraum von mehreren Zeitungen und Zeitschriften, um sie mit Gewinn durch Provisionen an Werbekunden weiter zu verkaufen. Solche Pachtblätter waren Kladderadatsch, Die Fliegenden Blätter, der Simplicissimus, zahlreiche Lokalzeitungen und vorübergehend auch die Gartenlaube. Bereits 1872 betrieb das Unternehmen Mosse mehr als 250 Zweigniederlassungen im In- und Ausland. Die dort akquirierten Anzeigen wurden mit Hilfe des standardisierten Rudolf-Mosse-Code telegrafisch in die Zentrale und dann zu den Verlagen gesendet. Zudem sorgte Mosse mit seinen jährlichen Katalogen über Formate und Auflagen der von ihm vertretenen Medien für Klarheit bei seinen Werbekunden.
1872 gründete Rudolf Mosse das Berliner Tageblatt und Handelszeitung. Zunächst als Massenzeitung geplant entwickelte es sich in den folgenden Jahren zu einem Leitmedium im deutschen Kaiserreich und zeitweise zur auflagenstärksten überregionalen Zeitung. Bald erschien das Berliner Tageblatt zwölfmal in der Woche: an Montagen gab es nur eine Abendausgabe, dienstags bis samstags Morgen- und Abendausgaben und sonntags nur die Sonntagsausgabe am Vormittag. Mit einem Umfang an Wochentagen von 16 und an Sonntagen 32 Seiten. Dazu gab es Gratisbeilagen im Heftformat: donnerstags etwa das Satire-Magazin Ulk oder die illustrierte Beilage Der Weltspiegel. Später wurden daraus auch getrennte und neue Zeitschriften, wie das Illustrierte Sportblatt, Der Frauenspiegel oder Haus, Hof und Garten.
Im September 1889 während des Kampfes um den Berliner Zeitungsmarkt brachte Rudolf Mosse noch die Berliner Morgen-Zeitung heraus und kaufte 1904 die Berliner Volkszeitung. Und er erweiterte den kostenlosen Service für seine Werbekunden, etwa durch die grafische Gestaltung ihrer Anzeigen.
Ab 1906 wurde Theodor Wolff, ein Neffe von Rudolf Mosse, Chefredakteur des Berliner Tageblatts und machte es zu einer der führenden liberalen Zeitungen in Deutschland. 1911 nutzt Rudolf Mosse die sich abzeichnende Schieflage seines Konkurrenten August Scherl, um sich an dessen Verlag zu beteiligen. Was 1914 schließlich zum Verkauf des Scherl-Verlags an den Deutschen Verlagsverein führte.
Rudolf Mosse starb am 8. September 1920 in seinem 1896 erbauten Schloss Schenkendorf, 15 Kilometer südlich von Berlin. Von dort hatte er sich zuletzt um seine über die Jahre hinweg aufgebaute umfangreiche Gemäldesammlung gekümmert.
(hhb)
Lectures zu Rudolf Mosse an der Humboldt-Universität Berlin