Dietrich Oppenberg

Dietrich Oppenberg wurde am 29. Juli 1917 in Essen geboren. Nach Abschluss der Realschule absolvierte er ab 1933 eine dreijährige Lehre in einer Anwaltskanzlei. In dieser Zeit war er bereits Mitglied im damals verbotenen Sozialistischen Jugend Verband Deutschlands. 1935 warf man ihm deshalb die Vorbereitung zum Hochverrat vor und verurteilte ihn 1937 zu zwei Jahren und neun Monaten Zuchthaus. Bis 1945 stand er unter Gestapo-Aufsicht.

Dennoch konnte er sich mit Unterstützung des national gesinnten Theodor Reismann-Grone, einem Vertrauten von Alfred Hugenberg, durch verschiedene Tätigkeiten für dessen Rheinisch-Westfälische Zeitung über die Kriegsjahre hinweg durchschlagen.

 

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1945 wurde ihm von den Besatzungsmächten zunächst die kaufmännische Leitung des Druckhauses Sachsenstraße in Essen übertragen. Ein Jahr später erhielt er zunächst die Lizenzrechte für das parteigebundene Rhein-Echo in Düsseldorf, die er aber der SPD überließ und dafür die Lizenz für die sozialliberale Neue Ruhr Zeitung in Essen bekam. Deren Verleger blieb er bis zum Zusammenschluss mit der WAZ-Gruppe im Jahr 1975. Erich Brost, einer der beiden WAZ-Gründer, war 1948 übrigens der erste Chefredakteur der Neuen Ruhr Zeitung gewesen.

Dietrich Oppenberg trat stets für einen selbstbewussten, unabhängigen und gradlinigen Journalismus ein. So mokierte er sich gern über allzu geschmeidige bzw. opportunistische Journalisten, etwa in einer Anekdote über die Berichterstattung von der Rückkehr Napoleons in der Pariser Zeitung Moniteur im Jahr 1815:

9.3.      Die Bestie hat ihre Höhle verlassen.
10.3.    Ganz Frankreich verabscheut das Monster.
11.3.    Das korsische Ungeheuer hat französischen Boden betreten.
12.3.    Die Geisel erreicht Cap Juan.
13.3.    Der Peiniger übernachtet in Grenoble.
18.3.    Der Tyrann ist auf dem Vormarsch nach Dijon.
19.3.    Bonaparte will Paris erobern, aber er wird elendig scheitern.
20.3.    Der Kaiser steht bereits in Fontainebleau.
21.3.    Der Befreier pocht an die Tore der Hauptstadt.
22.3.    Seine kaiserliche Majestät ist heute in Paris eingezogen.
Vive l’Empereur!

Innerhalb von nicht einmal 14 Tagen ein Wandel von der Bestie zur geliebten kaiserlichen Hoheit – solchen Journalismus mochte Oppenberg überhaupt nicht.

Oppenberg engagierte sich zeitlebens für die Freiheit von Presse und Journalisten. Darum förderte er den Auf- und Ausbau des Presseversorgungswerks, weil die soziale Sicherung von Redakteuren in seinen Augen wesentliche Voraussetzung für deren Unabhängigkeit war. Später wurde er Mitglied im Deutschen Presserat.

Zwischen 1982 und 1997 war er dann Verleger der Buchverlagsgruppe Econ und Claassen. Seit 1991 vergibt die Stiftung Dietrich Oppenberg Preise für Fotobücher und engagiert sich in der Stiftung Lesen durch Vergabe eines Medienpreises an junge Journalisten, die für das Lesen von Zeitungen und Büchern werben.

Dietrich Oppenberg starb am 24. März 2000 in Essen.

(hhb)

Der Dietrich-Oppenberg-Medienpreis

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