Joseph Pulitzer

Der ungarisch-amerikanische Journalist und Zeitungsverleger Joseph Pulitzer wanderte in der Zeit des US-Bürgerkriegs nach Amerika aus. Nach dem Krieg begann er als Reporter, gründete danach mehrere Zeitungen und startete so als „Selfmademan“ seinen erfolgreichen Weg Richtung Massenpresse. Der jährlich vergebene „Pulitzer-Preis“ wurde von ihm gestiftet.

József Pulitzer wurde am 10. April 1847 in Makó/Königreich Ungarn als Sohn eines jüdischen Kornhändlers und seiner katholischen deutschen Mutter geboren. Pulitzer besuchte Privatschulen in Budapest und wurde von Privatlehrern unterrichtet. Im Alter von 17 Jahren wollte er eine Karriere beim österreichischen Militär beginnen, wurde aber wegen seiner Kurzsichtigkeit abgelehnt. Darum ließ er sich in der Zeit des amerikanischen Sezessionskriegs von Lincolns Unionsarmee anwerben. Dafür hatte er sich drei Jahre älter gemacht und gelangte auf diese Weise von Hamburg aus umsonst via Boston nach New York, wo er bis zum Ende des Bürgerkriegs zusammen mit anderen Deutschen im 1. New Yorker Kavallerie-Regiment diente, das von Carl Schurz geführt wurde.

Pulitzer sprach damals deutsch und französisch, aber nur bruchstückhaft englisch. So musste er sich nach dem Krieg zunächst mit verschiedenen Gelegenheitsjobs durchschlagen. 1867 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft und ging nach St. Louis/Missouri, wo Carl Schurz als Miteigentümer die deutschsprachige Westliche Post herausgab. Für dies Blatt begann Pulitzer als Reporter zu arbeiten und wurde dann 1871 ihr Herausgeber und Miteigentümer.

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1873 verließ er die Zeitung und wurde mehrere Jahre Redakteur beim Saint-Louis-Globe-Democrate, bis er dann die St. Louis Post gründete und sie so erfolgreich machte, dass er von den Erlösen eine eigene Druckerei mit Rotationsmaschinen einrichten konnte. 1878 kaufte er den St. Louis Dispatch dazu und vereinigte ihn mit seiner St. Louis Post zur St. Louis Evening Post.

1878 hatte er eine Frau aus der besseren Gesellschaft geheiratet und richtete fortan seinen Blick auch in die Metropole New York.

1883 kaufte er die defizitäre Morgenzeitung New York World und machte daraus ein Sensationsblatt für Klatsch und Tratsch sowie Sex and Crime. Pulitzer wurde damit zum Erfinder der „yellow press“, der Regenbogenpresse. Auf diese Weise konnte er die Auflage seines Blattes immerhin kontinuierlich steigern. So geriet er aber auch in Konkurrenz mit dem New Yorker Medien-Tycoon William Randolph Hearst und dessen New York Morning Journal. Während des amerikanisch-spanischen Kriegs um Kuba und in der Frage eines Kanals zwischen Atlantik und Pazifik – in Nicaragua oder Panama – lieferten sich die beiden Blätter einen bis dato noch nie erlebten Zeitungskrieg. Beide in aggressiver Yellow-Press-Manier und nicht unbedingt mit gesicherten Fakten.

Danach vollzog Pulitzer bei der The World eine Kehrtwende und entwickelte sie durch investigativen Journalismus und mit gut recherchierten Berichten zu einer der einflussreichsten Zeitungen des Landes, weit über die Grenzen New Yorks hinaus. Denn er hatte inzwischen begriffen, dass „eine zynische, käufliche, demagogische Presse mit der Zeit ein Volk erzeugen wird, das genauso niederträchtig ist, wie sie selbst“. Und rückblickend musste er sich eingestehen, dass „das größte Problem des Journalismus darin liegt, einem Auflageninstinkt ohne Rücksicht auf Wahrheit und Gewissen zu widerstehen“.

1885 wurde er als Abgeordneter der Democratic Party ins US-Repräsentantenhaus gewählt. Fünf Jahre später war er fast erblindet und zog sich als Herausgeber zurück, behielt aber die Kontrolle seiner Blätter und die Führung seines Verlagshauses.

1892 wollte er für die Gründung einer Journalistenschule in der Columbia University mit einer beachtlichen Geldsumme unterstützen, was dort zunächst abgelehnt wurde. Darum hinterlegte er, 1904 testamentarisch gesichert, zwei Millionen Dollar für eine Journalistenschule und einen Journalistenpreis.

Pulitzer lebte, inzwischen total erblindet, auf seiner Luxusyacht Liberty. 1909 erreichte ihn dort vor Havanna die Nachricht, dass Ex-Präsident „Teddy“ Roosevelt ihn noch kurz vor Ende seiner Amtszeit wegen Verleumdung verklagt hatte. Denn The World hatte aufgedeckt, wie Roosevelt den Bau des Panama-Kanals mit Bestechungszahlungen und mit Hilfe seiner Kanonenboot-Diplomatie durchgesetzt hatte. Anfang November 1903 waren US-Truppen in der Region gelandet, Tage später war der Staat Panama ausgerufen worden, der komplett unter der Kontrolle der USA stand.

Pulitzer wurde im Verlauf des Prozesses rehabilitiert und am 4. Januar 1911 vom Supreme Court freigesprochen. Dazu Pulitzer: „Es gibt kein Verbrechen, keinen Kniff, keinen Trick, keinen Schwindel, kein Laster, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, macht sie in aller Augen lächerlich. Und früher oder später wird die Meinung der Öffentlichkeit sie hinwegfegen.“ Denn „Öffentlichkeit, Öffentlichkeit, Öffentlichkeit – ist der größte moralische Machtfaktor in unserer Gesellschaft.“

Joseph Pulitzer starb nur wenige Monate nach diesem Urteilsspruch am 29. Oktober 1911 im Alter von 64 Jahren in Charleston/South Carolina.

1912 wurde mit den von Joseph Pulitzer testamentarisch gesponserten zwei Millionen Dollar ein Fachbereich Journalismus eingerichtet und die Graduate School of Journalism an der New Yorker Columbia-University gegründet. Zwei Millionen Dollar waren damals mehr als ein ganzer Jahreshaushalt der Universität. Der Pulitzerpreis wurde dann 1917 erstmals ausgelobt und verliehen.

(hhb)

 

Quellen

Seymour Topping: Biography of Joseph Pulitzer / The Pulitzer Prizes

Wer war Joseph Pulitzer – Horst Pöttker im Gespräch mit NDR Info

Marc Pitzke: 100. Pulitzerpreis – Viel Feind, viel Ehr / SPIEGELGeschichte 18.4.2016

Panama: Ein Kanal für einen Staat / Berliner Zeitung am 17.4.2016

Almut Finck: 10.4.1847 – Geburtstag von Joseph Pulitzer / WDR 22.2.2017

Brigitte Baetz: Joseph Pulitzer – Erfinder der Sensationspresse / Deutschlandfunk 17.4.2018

Almut Finck: 29. Oktober 1911 – Todestag des Verlegers Joseph Pulitzer / WDR ZeitZeichen 21.10.2021

The Press vs. Theodore Roosevelt / Shapell org 12.2.2024

Bill Burton: Theodore Roosevelt vs. Joseph Pulitzer / Postcard History 28.7.2024