Julius Rodenberg

Julius Rodenberg war ein herausragender deutscher Publizist, der mit seinen unterschiedlichen Magazinen – darunter Unterhaltungszeitschriften, Modemagazine, Zeitschriften über Kunst und Literatur und schließlich die Monatsrevue ‚Deutsche Rundschau‘ – entscheidend dazu beigetragen hat, vielfältige Medienangebote für unterschiedliche Ziel- und Interessengruppen zu etablieren.

Julius Rodenberg wurde im Juni 1831 als Julius Levy und ältester Sohn eines jüdischen Kaufmanns im kurhessischen Rodenberg bei Bad Nenndorf am Deister geboren. Später benannte er sich auf Anraten des Schriftstellers Karl August Varnhagen von Ense nach seinem Geburtsort. Eine Namensänderung, die ihm sein Landesherr, der Kurfürst von Hessen-Kassel angesichts aufkommender Judenfeindlichkeit gerade in gebildeten Kreisen gestattete.

Zunächst erhielt er privaten Unterricht, besuchte dann ab 1845 die Höhere Bürgerschule in Hannover und ein Jahr danach das Gymnasium Ernestinum in Rinteln an der Weser. Nach dem Abitur 1851 studierte er Rechtswissenschaften in Marburg, Heidelberg, Göttingen und Berlin.

 

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Nach seiner Promotion verbrachte er längere Zeit auf Reisen in Großbritannien, in Italien, Paris, Belgien, in den Niederlanden und Dänemark. 1859 ließ er sich in Berlin nieder. Dort schrieb er als freier Mitarbeiter für die National-Zeitung, die Neue Preußische Zeitung – später Kreuzzeitung – und für die Breslauer Zeitung. So konnte er bald vom Journalismus und von anderen schriftstellerischen Tätigkeiten leben.

Von 1861 bis 1863 gab er als eigene Unterhaltungszeitschrift das Deutsche Magazin heraus, redigierte ab 1865 die literarische Beilage der Mode-Illustrierten Bazar und gründete 1867 zusammen mit seinem Kollegen Ernst Dohm die Zeitschrift Der Salon für Literatur, Kunst und Gesellschaft. Darin schrieben damals prominente Autoren wie Berthold Auerbach, Theodor Fontane, Karl Gutzkow, Paul Heyse, Theodor Storm oder Iwan Turgenjew. Nach Dohms Rückzug leitete er das Blatt bis 1874 alleinverantwortlich. 1875 verkaufte er den Salon und konzentrierte sich ganz auf die Herausgabe seiner 1874 gegründeten Monatsschrift Deutsche Rundschau. Er machte sie zur führenden Kulturzeitschrift im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Vorbild für seine Rundschau waren etwa die Revue des deux mondes in Frankreich oder die englische Quarterly Review.

 

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Im Jahr 1888, dem sogenannten „Dreikaiserjahr“, kam es zu einer als „Rundschau Affäre“ bezeichneten Konfrontation zwischen Otto Fürst Bismarck und Rodenberg. Rodenberg hatte einen ihm zugespielten Scoop in sein Blatt gestellt: Auszüge aus den Tagebüchern des gerade verstorbenen 99-Tage-Kaisers Friedrich III. Die waren ihm von dem Hamburger Juristen Prof. Friedrich Heinrich Geffcken zur Verfügung gestellt worden, einem Studienfreund des verstorbenen Kaisers und einem entschiedenen Gegner des Reichskanzlers von Bismarck. Geffken hatte besagte Kriegstagebücher 1873 vom Kronprinzen zum Lesen erhalten und ohne dessen Wissen eine Kopie davon angefertigt. Daraus hatte er nun eine Auswahl zusammengestellt, die Bismarck als einen gegen ihn gerichteten Schlag empfand, „auf Initiative unter Beihilfe fortschrittlicher Parteigänger“. In besagten Auszügen ging es nicht nur über den Kriegsverlauf damals gegen Frankreich, sondern um tiefe Einblicke in diese Zeit der Reichsgründung, und einem offenbar heftigen Streit zwischen dem Kronprinzen, der den Freisinnigen näher stand, und dem eher autokratisch eingestellten Reichskanzler. Bismarck empfand sich bekanntlich als Architekt dieses Kaiserreichs und nahm besagten Artikel zum Anlass, der verhassten Freisinnigen-Bewegung einen empfindlichen Schlag zu versetzen. Er veranlasste staatsanwaltliche Ermittlungen sowie ein Verbot gegen die Deutsche Rundschau. Und er sorgte für Haftbefehle gegen Rodenberg und Geffcken wegen Landesverrats. Der Prozess endete im Januar 1889 allerdings mit einem Freispruch – für Bismarck wurde diese Affäre zum Beginn seines Abstiegs.

Als Verleger war Rodenberg ein Menschenfänger, der es immer wieder verstand, führende Köpfe der damaligen Zeit zu gewinnen und an sich zu binden. Etwa die Historiker Theodor Mommsen, Johann Gustav Droysen oder Heinrich v. Sybel, Naturwissenschaftler wie Hermann Helmholtz und Literaten wie Theodor Fontane, Gottfried Keller oder Conrad Ferdinand Meyer. Geschätzt war er als Publizist und als Verfasser feuilletonistischer Reise- und Wanderskizzen, als Flaneur in Berlin mit seinen wunderschönen „Bildern aus dem Berliner Leben“, in denen er vor allem die ganz normalen Berliner porträtierte. Damit wurde er deutlich erfolgreicher und populärer als mit seinen Gedichten und Romanen.

Darüber hinaus engagierte er sich für das Goethe-Nationalmuseum in Weimar und für die Deutsche Schiller-Stiftung.

Julius Rodenberg starb 1914 im Alter von 83 Jahren in Berlin. Damals schrieb die Vossische Zeitung in einem Nachruf: „Vielleicht gerade, weil er kein Berliner war, ist er auf Straßen und Plätzen der Stadt mit der gleichen andächtigen Aufmerksamkeit herumspaziert, die er als fahrender Journalist den fremden Weltstädten entgegenbrachte.“

In seinem Heimatort Rodenberg gibt es eine Dauerausstellung über ihn und sein Werk.

(hhb)

 

Quellen:

Julius Rodenberg – Deutsche Biographie

Die Geschichte Berlins – Rodenberg, Julius

Die Rundschau Affäre – ►Rudolfs Blog

 

Bücher:

Pechel, Rudolf (Hg.): Deutsche Rundschau - acht Jahrzehnte deutschen Geisteslebens, Hamburg 1961.

Haacke, Wilmont: Julius Rodenberg und die Deutsche Rundschau - Eine Studie zur Publizistik des deutschen Liberalismus 1870 –1918, Heidelberg 1950