Im Bergischen Land war Edmund Schiefeling ein Vorkämpfer für Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit. Als Journalist und Verleger gab er die Bergische Wacht heraus und setzte sich mit dem Blatt frühzeitig und kritisch mit der aufkommenden Nazi-Bewegung auseinander.
Edmund Schiefeling wurde am 19. Januar 1882 als eines von fünf Kindern eines Steindruckers in Engelskirchen geboren. Dort wuchs er in einfachen Verhältnissen auf, absolvierte nach der Volksschule eine kaufmännische Lehre und arbeitete anschließend bei der Engelskirchner Kleinbahn.
Nachdem sich sein Vater 1890 mit einer Druckerei selbständig gemacht hatte und 1907 mit Unterstützung der Katholischen Kirche noch eine Zeitung gründete, begann er damals im väterlichen Betrieb zu arbeiten, zunächst in der Setzerei und als Buchhalter. Die Bergische Wacht, die der Zentrums-Partei nahestand, erschien zunächst dreimal in der Woche, doch bald schon an sechs Wochentagen.
Ab 1912 entwickelte sich Edmund Schiefeling zu einem engagierten und bald anerkannten Journalisten und Analytiker, der die gesellschaftlichen Umbrüche in jenen Jahren während des und nach dem Ersten Weltkrieg analysierte und sich mit ihnen kritisch auseinandersetzte. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1917 den Schiefeling-Verlag sowie die Overather Druckerei und gab fortan auch das Overather Volksblatt heraus.
Copyright: Autor/-in unbekannt; Bearbeitung: TeKaBe - Fotoalbum der Enkelin, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=92498206
Als Chefredakteur und Herausgeber beider Blätter beschrieb er das Leben in seiner Heimat-Region und berichtete über das Geschehen in der Welt. Frühzeitig und engagiert warnte er seine Leser mit klaren Worten und Argumenten vor den Bestrebungen der Nationalsozialisten, die speziell nach der Weltwirtschaftskrise im Oberbergischen starken Zulauf hatten. In ihrem Kampfblatt Oberbergischer Bote verbreiteten sie Hass, Verleumdungen, Drohungen und Lügen.
So versuchte er als Mitglied der Zentrums-Partei eine Wahlveranstaltung des prominenten Nazis Robert Ley in Engelskirchen zu behindern, was dann in einer brutalen ► Saalschlacht endete.
Am 19. September 1929 prangerte er dies Geschehen in seiner Bergischen Wacht als „Der Zirkus des Dr. Ley“ an.
In der Jubiläumsausgabe zum 25jährigen Bestehen seines Blattes platzierte er 1932 seinen Bericht „Vom Kampf des Drachen mit der Zensur“ – ein Kampf, den er schon zu Zeiten der Weimarer Republik immer wieder hatte führen müssen. So kritisierte er im September 1932 das Verbot, über die Lebensmittelknappheit in Deutschland zu berichten, und darüber, dass man ihn gleichzeitig zwingen wollte, einen vorgefertigten Artikel „Über Hungersnot in England“ zu drucken.
Nach der NS-Machtergreifung wurde er als Schriftleiter seiner Zeitung abgesetzt und durch einen Nazi ersetzt. Als die Bedrohung gegen ihn 1933 weiter zunahm, floh er in die Niederlande. Kehrte aber bald zurück, um sein Erbe nicht widerstandslos aufzugeben. Er wurde wiederholt inhaftiert, kam ins Kölner Gefängnis und schließlich ins Konzentrationslager Kemna bei Wuppertal.
Auch Engelskirchen wurde bombardiert, was Schiefeling trotz Verbots heimlich fotografisch dokumentiert hat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Schiefeling, seine Zeitung wieder herauszugeben. Doch die britische Besatzungsmacht ließ anfangs nur eine Zeitung pro Landkreis zu.
Edmund Schiefeling wurde 1946 zum ersten Nachkriegsbürgermeister in Engelskirchen gewählt und machte sich sofort an die Arbeit, das Nachkriegs-Chaos dort zu beseitigen. Anfang März 1947 brach er in einer Gemeinderatssitzung zusammen und starb wenige Tage später am 14. März 1947 im Alter von 65 Jahren.
In Erinnerung an Edmund Schiefeling wurde ein zentraler Platz in Engelskirchen nach ihm benannt, wo im Jahr 2024 zusätzlich ein multimediales Info-System installiert wurde, das über sein Leben und Wirken informiert.
(hhb)
Quellen
Edmund Schiefeling erzählt seine Geschichte / Schiefeling-Scrolly-Story
Harald Meißner: Edmund Schiefeling – ein Vorkämpfer für Freiheit und Demokratie / Bergischer Geschichtsverein Oberbergische Abteilung e.V.
Vor 90 Jahren eskalierte ein Auftritt des NS-Funktionärs Robert Ley / Kölnische Rundschau 11.5.2021 – Archiv Ruland
Demokrat und Visionär – Projekt zu Edmund Schiefeling / Gemeinde Engelskirchen
Lutz Blumberg: So setzt Engelskirchen dem Nazi-Gegner ein digitales Denkmal / Kölnische Rundschau am 7.11.2023