Arno Scholz

Arno Scholz gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den bedeutendsten Verlegern in der „Vier-Sektoren-Stadt“ Berlin. Die Briten hatten ihm Anfang März 1946 die Lizenz für den Telegraf erteilt. Darin kämpfte man engagiert gegen die von den Sowjets betriebene Zwangsvereinigung von SPD und KPD und gegen die zunehmenden Versuche der Sowjets, ihren Einfluss auf Gesamt-Berlin auszuweiten.

Arno Scholz wurde am 22. Februar 1904 als Sohn des sozialdemokratischen Bezirksbürgermeisters von Neukölln im damaligen Rixdorf geboren. Er besuchte die Volks- und Mittelschule in Berlin und absolvierte anschließend eine Ausbildung im Druckerei- und Verlagswesen. Schon 1922 trat er in die SPD ein.

Nach seiner Ausbildung volontierte er beim Vorwärts und wurde danach als Redakteur festangestellt. 1930 wechsele er zur Redaktion des Volkswille in Hannover. Nach der NS-Machtergreifung wurde er politisch verfolgt und bekam Berufsverbot. Er hielt sich in den folgenden Jahren als Werbeberater und Geschäftsführer einer Klischee-Anstalt über Wasser.

Nach Kriegsende setzte ihn die britische Militärverwaltung zunächst als Geschäftsführer für ihre Militärzeitung Der Berliner ein. Im Jahr darauf erhielt er zusammen mit dem früheren Reichstagspräsidenten Paul Löbe und mit der Witwe des von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers Julius Leber die Lizenz für den Telegraf. Scholz positionierte es als volkstümliches Blatt mit sozialistischer Grundhaltung zwischen dem bürgerlichen Tagesspiegel und dem im französischen Sektor erscheinenden Kurier.

 

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Fernsehinterview vor dem Brandenburger Tor mit Arno Scholz, Herausgeber "Telegraf", 1959

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Der Telegraf begann sofort, sich engagiert für eine unabhängige SPD auch in der Sowjetzone einzusetzen – was die dortigen Machthaber übelnahmen, weil SPD und KPD auf Befehl aus Moskau zur SED fusioniert werden sollten. Der Telegraf unterstützte in Berlin mit Erfolg eine Urabstimmung gegen dieses Vorhaben – in Berlin West wurde die Zwangsvereinigung am 31. März 1946 mit 82,3 Prozent der dortigen SPD-Stimmen abgelehnt. In Ost-Berlin wurde eine Urabstimmung von den Sowjets verhindert.

An der Seite von Kurt Schumacher und Ernst Reuter kämpfte Arno Scholz als Chefredakteur und Herausgeber des Telegraf weiter gegen die heraufziehende Diktatur der Kommunisten und baute eine Verlagsgesellschaft auf. Neben dem Telegraf, der in den 50er und 60er Jahren zu den wichtigsten Zeitungen in West-Berlin gehörte, hatte Scholz nach Ende des Lizenz-Zwanges ein weiteres publizistisches Schwergewicht gestartet, die Boulevardzeitung nacht-depesche, die ab Oktober 1950 erschien. Bis zum Mauerbau 1961 konnten beide Blätter auch im Sowjet-Sektor vertrieben werden und dort unzensiert informieren – auch mit Fakten über die wirkliche Lage in der Ostzone, dank eines hervorragenden Quellen-Netzes. Ihre Informanten aber lebten bald zunehmend gefährlicher und Telegraf-Journalisten wurden sogar aus dem Westsektor entführt. Dann nach dem Mauerbau im Jahr 1961 verlor der Telegraf auf Anhieb seine Ostberliner Abonnenten.

Der Telegraf hatte mehrere Beilagen, wie den Frauen-Telegraf, den Jugend-Telegraf oder die Satire-Beilage Puck. Zeitweilig wurden die auch separat vertrieben. Der Versuch einer Berliner Illustrieren - Illustrierter Telegraf, später Illus – war allerdings nur von kurzer Dauer – er erschien von 1948 bis 1951.

Als engagiertes Mitglied im „Kuratorium Deutsche Einheit“ unterstützte Arno Scholz die neue Ostpolitik von Teilen der SPD, die ab Ende der 1960er Jahre unter Willy Brandt Fahrt aufnahm: „Wandel durch Annäherung“. Was viele Westberliner und Bundesbürger irritierte und seinen Blättern darum leider auch Auflageneinbrüche bescherte.

Als der Telegraf 1971 sein 25jähriges Jubiläum feierte war Arno Scholz schon ein kranker Mann. Er starb am 30. Juli 1971 im Alter von 67 Jahren.

Nach seinem Tod übernahm die SPD die Mehrheit der Verlagsanteile, musste den Telegraf aber Ende Juni 1972 wegen inzwischen hoher Defizite einstellen.

(hhb)

 

Quellen

Boulevard-Presse – Die Pfütze / SPIEGEL vom 1.12.1953

Arno Scholz zum 65. Geburtstag / Sozialdemokratischer Pressedenst am 20.2.69

Klaus Körner: Berlin bleibt frei – Arno Scholz und der Telegraf / Berlin-Geschichte 1997

Thomas Horsmann: Wie die Berliner SPD sich der Zwangsvereinigung widersetzte / Vorwärts am 3.3.2016

Ignatz Nemtsov: Arno Scholz und seine nacht-depesche / nacht-depesche 19.1.2025

Peter de Mendelssohn: Zeitungsstadt Berlin / Ullstein Verlag, 1959

Walther G. Oschilewski: Zeitungen in Berlin im Spiegel der Jahrhunderte / Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung Berlin, 1975

Günter Bentele + Otfried Jarren: Medienstadt Berlin / Vistas Verlag Berlin, 1988

 

Bücher + Schriften

Arno Scholz: Berlin ist eine freie Stadt – Beiträge zum politischen Geschehen der Gegenwart / arani Verlags GmbH 1962

Arno Scholz, Walther Georg Oschilewski: Marginalien zur Berliner Zeitungsgeschichte / arani Verlags GmbH 1963