Heinrich Simon

Der Journalist Heinrich Viktor Simon war Verleger und Herausgeber der Frankfurter Zeitung, die sein Großvater ► Leopold Sonnemann gegründet hatte. Heinrich Simon baute die Buchverlage in der Societäts-Druckerei auf und bestimmte in den zwanziger und dreißiger Jahren maßgeblich das inhaltliche Erscheinungsbild der FZ, bis er 1934 nach der Machtübernahme durch die Nazis als getaufter Jude zwangsweise aus der Redaktion ausscheiden musste.

Heinrich Simon wurde am 31. Juli 1880 als dritter Sohn des Bankiers Felix Simon und von dessen Frau Therese in Berlin geboren. Therese Simon war das einzige Kind von Leopold Sonnemann, dem Gründer der Frankfurter Zeitung. Felix Simon war auch Eigner der Königsberger Allgemeinen.

Sohn Heinrich besuchte in Gotha das Gymnasium Ernestinum und studierte nach seinem Abitur in Berlin, Freiburg und Erlangen Philosophie, Ökonomie sowie Kunst- und Literaturgeschichte. 1905 wurde er mit seiner Arbeit über Novalis in Freiburg zum Dr. phil. promoviert.

Im Jahr darauf trat er in die Geschäftsführung der Societäts-Druckerei ein, die ihm und seinem Bruder Kurt vom Großvater Sonnemann als Eigentümer übergeben worden war. Kurt Simon kümmerte sich um die kaufmännische Seite, Heinrich begann im Feuilleton der Frankfurter Zeitung zu arbeiten. Ab 1914 leitete er im Rahmen ihres Familienbesitzes Societäts-Druckerei zwanzig Jahre lang die Redaktionskonferenz der Frankfurter Zeitung als deren Vorsitzender und bestimmte damit ganz wesentlich ihr liberal-konservatives inhaltliches Erscheinungsbild, auch mit zahlreichen eigenen Glossen und Essays. Innerhalb der Societäts-Druckerei baute er zudem mehrere Buchverlage auf, um die er sich engagiert kümmerte.

 

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Copyright: Von Jacob Hilsdorf - Nicola Perscheid, Theodor und Jacob Hilsdorf, August Sander. Der rheinland-pfälzische Beitrag zur Geschichte der Photographie. Katalog Landesmuseum Mainz 1989, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6103907

Ab 1927 schrieb die Druckerei infolge der Weltwirtschaftskrise wie auch andere Verlagshäuser rote Zahlen und musste durch Hilfe des IG-Farben-Vorsitzenden Carl Bosch wirtschaftlich saniert werden. Bosch erwarb 1929 von der Familie Simon 49 Prozent der Anteile an der Societäts-Druckerei mit Mitteln seines IG-Kulturfonds. Darum trat Heinrich Simon als Geschäftsführer der Societäts-Druckerei zurück und konzentrierte sich von nun an auf seine Tätigkeit als Vorsitzender der FZ-Redaktionskonferenz.

Sein persönliches Netzwerk bestand aus vielen Intellektuellen und Künstlern der Zeit, darunter Theodor Adorno, Max Beckmann oder Otto Erich Hartleben. Von Beckmann besaß er mehrere Werke und schrieb mehrfach über ihn. Heinrich Simon erwarb sich zudem große Verdienste um das Kulturleben in Frankfurt am Main, um ihr Musikleben wie um die Akademie der Wissenschaften. Sein Engagement für den Zionismus aber wurde von der aufkommenden politischen Rechten und auch verlagsintern kritisiert.

1931 verfasste er eine Biographie über die Jugendjahre seines Großvater Leopold Sonnemann.

Als getaufter Jude musste er im Mai 1934 zwangsweise aus der FZ-Redaktion ausscheiden. Die FZ widmete ihm einen verschlüsselten Dankesartikel unter dem Titel „Abschied“. Kurz vor diesem Abschied hatte er noch ► Dolf Sternberger für das Kulturressort eingestellt.

Ende 1934 verließ Simon Deutschland und zog via Paris nach Tel Aviv. Dort wurde er Mitgründer des Palestine Philharmonic Orchestra und ab 1936 dessen Geschäftsführer.

1939 emigrierte er schließlich über London nach Washington D.C. und gab dort Musikunterricht. Am 6. Mai 1941 wurde er unter bis heute ungeklärten Umständen ermordet.

(hhb)

 

Quellen

Reinhard Frost: Simon, Heinrich / Frankfurter Personenlexikon

Simon, Heinrich Viktor / Hessische Biographie

Heinrich Viktor Simon / künste-im-exil.de

Frank Schirrmacher: Dies wählerische Verhältnis / FAZ.NET-Spezial vom 28.7.2007

Günther Gillessen: Auf verlorenem Posten – Die Frankfurter Zeitung im Dritten Reich Siedler Verlag

 

Bücher + Schriften

Heinrich Simon: Max Beckmann / Junge Kunst Band 56 Klinkhardt & Biermann 1930

Heinrich Simon: Leopold Sonnemann – Seine Jugendgeschichte bis zur Entstehung der Frankfurter Zeitung / Societäts-Druckerei 1931

Heinrich Simon: Der magische Idealismus – Studien zur Philosophie des Novalis