Leopold Ullstein wurde am 6. September 1826 als Sohn des Papiergroßhändlers Hayum Hirsch Ullstein in Fürth geboren. Die Familie Ullstein hatte es in Franken zu Besitz und Ansehen gebracht; so bezog etwa die Vossische Zeitung in Berlin ihr Papier von H. H. Ullstein aus Fürth.
Nach der Schulzeit wurde Leopold, genau wie seine beiden Brüder, im väterlichen Betrieb ausgebildet. 1847 übernahmen die drei gemeinsam die Großhandlung und verlegten den Sitz nach Leipzig, das schon immer Zentrum des Verlagsbuchhandels war und sich nun aufgemacht hatte, Zentrum des gesamten Verlagsgewerbes zu werden. Als es später zu Streitigkeiten kam, zog sich Leopold, der jüngste der drei Ullstein-Brüder, aus der Firma zurück und gründete 1855 eine eigene Papiergroßhandlung in Berlin.
Copyright: Oscar Begas - Eigenes WerkFirst upload on German wikipedia by de:Benutzer:Goldi64, 11:58, 27. Mär. 2008Original file name: de:Bild:Begas Oscar Leopold Ullstein 1882.JPG, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3782452
Dort engagierte er sich zwischen 1871 und 1877 mit den fortschrittlichen Liberalen in der Stadtverordnetenversammlung und wurde ab 1871 auch Mitglied des jüdischen Hilfsvereins „Gesellschaft der Freunde“. Die Mitglieder dieser Vereinigung unterstützten sich gegenseitig; später wurde der Verein zu einem informellen Zentrum für Berliner Führungskräfte aus Banken, Verlagen und großen Unternehmen. Angesichts des damals aufkommenden Antisemitismus musste Leopold Ullstein 1877 seine politische Tätigkeit beenden.
Nach seinem Ausscheiden aus der Politik kaufte Leopold Ullstein 1877 das Neue Berliner Tagblatt mit der dazu gehörenden Druckerei Stahl & Aßmann. Aus dem morgens erscheinenden Neuen Berliner Tagblatt machte er das Abendblatt Deutsche Union. Da diese Zeitung aber nicht sonderlich florierte, verschmolz er sie mit der Berliner Zeitung, die er im Jahr darauf, 1878, von seinem Freund und Publizisten Dr. Peter Langmann gekauft hatte.
Die Berliner Zeitung bezog gegen die ultra-konservative Politik Bismarcks klar Stellung und wurde darum in jenen Jahren immer mal wieder konfisziert. Auch weil sie sich tendenziell auf die Seite der Arbeiterschaft stellte, die seit den Sozialistengesetzen keine eigenen Druckschriften mehr verbreiten durfte. Schon am 29. September 1878 konnte man diese Erklärung in Ullsteins Blatt lesen: „Die ‚Berliner Zeitung' will eine konstitutionelle Regierung, keinen Kanzler-Absolutismus. Sie verlangt, daß das deutsche Volk frei sei und nicht wie eine besiegte Nation behandelt wird."
Ab den 1880er Jahren kam es in Berlin zu einem langwierigen Pressekrieg zwischen den Verlagshäusern Ullstein, Mosse und Scherl. Sie alle versuchten, für sich in Berlin ein Zeitungs- und Annoncen-Monopol aufzubauen, zumindest aber erfolgreichstes Verlagshaus zu werden. Leopold Ullstein hatte da bereits die Berliner Abendpost ins Rennen geschickt. Außerdem startete er am 20. September 1898 die Berliner Morgenpost – als billiges Massenblatt für 10 Pfennige pro Woche frei Haus. Binnen Jahresfrist hatte die Morgenpost 160.000 Abonnenten und war am Berliner Lokal-Anzeiger von August Scherl vorbeigezogen. Was allerdings nicht kostendeckend war und den Verlag Unsummen kostete, zumal dieser Pressekrieg zwischen Ullstein und Scherl auch mit teuren Plakat-Aktionen an den Litfaßsäulen ausgefochten wurde.
1894 hatte der Ullstein-Verlag die zwei Jahre zuvor gegründete Berliner Illustrirte Zeitung übernommen und aus ihr in den Folgejahren Deutschlands bedeutendste bebilderte Wochenzeitschrift gemacht, die große Gewinne einbrachte. Sie erschien wöchentlich, kostete 10 Pfennig und konnte nicht abonniert werden, sondern verkaufte sich Heft für Heft über ihre Aufmachung mit kunstvollen Zeichnungen und einem journalistischen Angebot aus Politik und Prominentenklatsch, aus Kultur und Heimatgeschichten.
Den Ausgang des Pressekrieges erlebte Leopold Ullstein nicht mehr - er starb am 4. Dezember 1899. Der Verlag wurde von da an von seinen fünf Söhnen Hans, Louis, Franz, Rudolf und Hermann fortgeführt. Von den 5 U, wie sie damals genannt wurden.
(hhb)
Bücher
Peter de Mendelssohn: Zeitungsstadt Berlin, Verlag Ullstein 1959
Walter Kiaulehn: Berlin. Schicksal einer Weltstadt, Biederstein München/Berlin, 1958 und 1969