Ein klassisches Eigentor – Erdogan-Protest gegen NDR-Satire

Zum ersten Mal hat sich der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in seinem rüden Kampf gegen Kritiker weltweit lächerlich gemacht. Er spielte den Satire-Song „Erdowie, Erdowo, Erdowahn“ des NDR-Magazin „Extra 3“ zur Staatsaffäre hoch und ließ den deutschen Botschafter Martin Erdmann ins Außenministerium einbestellen. Der Diplomat wies die Forderung der türkischen Regierung zurück, den Satire-Beitrag zu stoppen, in Deutschland herrsche Pressefreiheit. Der politische Wirbel um den Satire-Song hat für Erdogan eine peinliche Folge, inzwischen ist das Lied bei Youtube millionenfach aufgerufen worden.

Erdogan lässt Kritiker in der Türkei mit aller Härte verfolgen. So stehen zur Zeit Can Dündar, Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhyriyet“, und Erdim Gül, Leiter des Hauptstadtbüros, vor Gericht. Verhandelt wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Den beiden Journalisten wird Spionage und Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen. Ihnen droht lebenslange Haft. „Cumhyriyet“ hatte über türkische Waffenlieferungen an Extremisten in Syrien berichtet. Darauf hatte Erdogan persönlich gegen Dündar und Gül Strafanzeige gestellt. (ms)

Extra-3-Satire: Erdogan poltert, Berlin schweigt

tagesschau.de‎

Türkei zitiert deutschen Botschafter wegen Satire ins Außenministerium

SPIEGEL ONLINE‎

Song: Erdowie, Erdowo, Erdogan | extra 3 | NDR - YouTube