Druck auf Österreichs Medien

Helmut Brandstätter, 55, einer der renommiertesten Journalisten Österreichs, hat ein Buch geschrieben ("Kurz & Kickl - Im Spiel mit Macht und Angst“, Verlag K&S), in dem er mit der Medienpolitik seines Landes unter dem ehemaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz und dem entlassenen Innenminister Herbert Kickl abrechnet. Er schildert, wie auf Journalisten Druck ausgeübt wurde. Die Süddeutsche Zeitung fragte ihn, was sich in Österreich unter der letzten Regierung verändert habe, denn es sei ja auch vorher bereits vorgekommen, dass Journalisten, Zeitungen und Sender von Politikern und deren Mitarbeitern unter Druck gesetzt wurden. Brandstätter: „Es stimmt, schon früher hat die Politik-Seite versucht, Einfluss auf Medien zu nehmen. Doch jetzt wird noch früher angesetzt. Die Methode Kurz lautet: Wir machen die Schlagzeilen selbst. Sein Team hält eigenständigen Journalismus eher für überflüssig. Stattdessen erzeugen Kurz' Presseleute Geschichten und Fotos, damit die Botschaften so dargestellt werden, dass es der Volkspartei nützt. Er ruft auch höchstpersönlich in Redaktionen an. In einem Fall hat Kurz bei einer Nachrichtenagentur angerufen und wollte, dass der Redakteur den Zwischentitel seines Textes ändert … Wer die Demokratie zerstören will, muss ihre Institutionen zerstören. Das hat schon unter … Jörg Haider begonnen. Der hat als FPÖ-Chef massive Angriffe gegen den Verfassungsgerichtshof unternommen. Punkt zwei sind die Polizeibehörden, die genauso auf Linie gebracht werden wie, Punkt drei, die Medien.“ (hk)

 

Der Standard: Helmut Brandstätter beendet Vertrag als "Kurier"-Herausgeber einvernehmlich

Süddeutsche.de: "Die Methode Kurz lautet: Wir machen die Schlagzeilen selbst"