Hubert Renfro Knickerbocker

Der amerikanische Journalist H. R. Knickerbocker schrieb als Deutschlandkorrespondent für amerikanische Zeitungen und für den INS International News Service. Seine Artikel wurden auch von verschiedenen deutschen Blättern gedruckt – denn stets gut informiert berichtete er über die aktuellen Entwicklungen in der Weimarer Republik und kritisch über den Aufstieg der Nationalsozialisten. Nach der NS-Machtergreifung informierte er über die zunehmend faschistische Entwicklung in Europa.

Hubert Renfro Knickerbocker wurde am 31. Januar 1898 in Yoakum/Texas geboren. Nach seiner Graduierung an der South Western University im Jahr 1917 diente er kurz als Soldat an der mexikanischen Grenze, bis er dann 1919 an die Columbia University ging, um dort Psychologie zu studieren. Parallel dazu begann er ab 1920 bereits journalistisch zu arbeiten, als Reporter für den Morning Ledger sowie für die New York Evening Post und die New York Sun. 1923 reiste er nach München, um an der Ludwig-Maximilians-Universität sein Psychologie-Studium fortzusetzen.

Doch die Ereignisse ließen ihn schnell wieder zum Reporter werden. So berichtete er über den Hitlerputsch am Abend des 8. Novembers 1923 im Bürgerbräukeller und tags darauf war er Augenzeuge beim Marsch von Hitler und Ludendorff zur Münchner Feldherrenhalle. Dieser Umsturzversuch scheiterte zwar, weckte aber in den USA Interesse – Knickerbockers Berichte darüber wurden vom Ledger und der Evening Post publiziert. Kurz darauf wurde er für beide Blätter Korrespondent und ab 1928 dann Chefkorrespondent in Berlin. Zuvor hatte ihn bereits der INS International News Service als Berichterstatter für Europa engagiert.

Für den INS berichtete er auch aus Moskau, wo er ► Paul Scheffer kennenlernte, den Russlandkorrespondenten und späteren Chefredakteur des Berliner Tageblatts. Beide wurden enge Freunde. Knickerbocker erhielt 1931 für seine 24-teilige Artikel-Serie im Philadelphia Public Ledger den „Pulitzer-Preis für Correspondence“ – für seine detaillierte Beschreibung all der Folgen, die durch den sowjetischen Fünfjahresplan entstanden waren, mit dem Stalin das riesige und rückständige Agrarland im Hauruck-Verfahren industrialisieren wollte: Hungersnöte und Mangel an nahezu allen Gütern. Damals erschien auch sein Buch „Der rote Handel droht“, worin er sich kritisch über die Entwicklungen in der Sowjetunion und den beginnenden Personenkult um Stalin äußerte. Seine Kolumnen wurden auch vom Berliner Tageblatt und von der Vossischen Zeitung gedruckt.

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Hubert Renfro Knickerbocker, der Berliner Vertreter der New York Evening-Post erhielt den Wurlitzer Preis als bester amerikanischer Korrespondent, Mai 1931

Copyright: Bundesarchiv Bild 102-11663

Bis 1933 hielt er sich vor allem in Berlin auf, beobachtete die Entwicklungen in der Weimarer Republik und schilderte die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise. Nach Hitlers Machtergreifung verließ er Deutschland, schon weil er als NS-Kritiker bekannt und Repressionen ausgesetzt war. Nun reiste er durch Europa und berichtete von 1935 bis 1936 über den italienischen Krieg gegen das Kaiserreich Abessinien, danach über den Bürgerkrieg in Spanien und aus Fernost auch über den zweiten japanisch-Chinesischen Krieg. 1938 lieferte er für die Chicago Daily News Exklusivberichte über die von Präsident Roosevelt initiierte Konferenz in Evian, wo über die Hilfe für und die Aufnahme von jüdischen Flüchtlingen aus NS-Deutschland beraten wurde. Leider ohne allzu großen Erfolg, weil dort Staaten aus Osteuropa plötzlich auch ihre angeblichen ‚“Judenprobleme“ lösen wollten, die Aufnahmeländer aber nicht bereit waren, die beschlossenen Aufnahmequoten zu erhöhen.

Weitere Scoops von „Knick“, wie ihn seine Kollegen nannten, waren seine Berichte über den Anschluss Österreichs, über die Münchner Konferenz oder über die Besetzung des Sudetenlands, was er zusammen mit seiner Kollegin ► Virginia Cowles live in Prag und in Karlsbad erlebte. 1940 war er Zeuge der Wehrmachtsinvasion in Frankreich und in London dann bei den Bombardierungen durch die Deutschen, die als „Blitz“ bezeichnet wurden. Dann kehrte er in die USA zurück und wandte sich energisch gegen die Isolation der Vereinigten Staaten: „We should go into war today“, so lautete seine Aufforderung bei persönlichen Auftritten etwa in Universitäten. Seine Sicht der Dinge fasste er 1941 in dem Buch „Is Tomorrow Hitlers?“ zusammen.

1941 wurde er dann der Chef-Auslandskorrespondent der Chicago Sun für den Fernen Osten und den Süd-Pazifik. 1942 war er bei den alliierten Truppen in Nordafrika und berichtete gegen Kriegsende wieder aus Europa.

Nach 1945 arbeitete er für den Radiosender WOR in Newark/New Jersey und berichtete aus Südost-Asien. Dort kam er bei einem Flugzeugabsturz einer Maschine der KLM am 12. Juli 1949 in der Nähe von Bombay ums Leben. Begraben wurde er auf dem Sewri Christian Cemetry in Bombay.

 

(hhb)

 

Quellen

Edgar P. Sneed: Knickerbocker, Hubert Renfro

Virginia Cowles: Looking for Trouble / 1941 Deutsche Ausgabe beim Dumont-Buchverlag 2023

 

Bücher + Schriften

H. R. Knickerbocker: Der rote Handel droht! / Verlag Ernst Rowohlt Berlin 1931

H. R. Knickerbocker: German Crisis / 1932

H. R. Knickerbocker: The Truth about Hitlerism / 1933

H. R. Knickerbocker: Kommt Krieg in Europa? / Rowohlt Berlin 1934

H. R. Knickerbocker: Rote Wirtschaft und weißer Wohlstand / Rowohlt Berlin 1935

H. R. Knickerbocker: Is Tomorrow Hitler’s? / Penguin Books 1942