Der amerikanische Journalist Edgar Mowrer berichtete als Auslandskorrespondent über die Ereignisse des Ersten Weltkriegs für die Chicago Daily News. Auch danach blieb er in Europa und schilderte die dortigen Entwicklungen. Für seinen Bericht über den Aufstieg von Adolf Hitler und die Gefahr, die von ihm drohte, wurde er 1933 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Im September 1933 musste Mowrer daraufhin Deutschland verlassen.
Edgar Ansel Mowrer wurde am 8. März 1892 in Bloomington/Illinois geboren. Er studierte in Chicago und Michigan, wo er 1913 von der University of Michigan graduiert wurde. Im Jahr darauf wurde er von seinem älteren Bruder Paul Scott Mowrer, dem Herausgeber der Chicago Daily News, als Auslandskorrespondent nach Frankreich geschickt. Von dort berichtete er über den Kriegsverlauf an der flandrischen Front in Belgien und aus Frankreich. Ab 1915 war er dann auch als Korrespondent in Rom akkreditiert. Dort interviewte er Mussolini, damals noch Chefredakteur von Il Popolo d’Italia, der für ein Zusammengehen Italiens mit der Triple Entente aus Frankreich, Großbritannien und Russland plädierte. Auch aus Italien berichtete Mowrer über den Verlauf des Ersten Weltkriegs, unter anderem über Italiens Niederlage gegen die Mittelmächte in der Schlacht von Caporetto.
Ab 1923 arbeitete er von Berlin aus, um so der mittlerweile in Italien eingeführten faschistischen Zensur zu entgehen. Jetzt schilderte er zum Beispiel den kontinuierlichen Aufstieg von Adolf Hitler und die beginnenden Drangsalierungen der jüdischen Bevölkerung. Für seinen ► Artikel vom 30. Juli 1932 in den Chicago Daily News erhielt er 1933 den Pulitzer-Preis.
Copyright: By Photographer not identified - 1948 Michiganensian (University of Michigan yearbook), Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25952420
Auf der Basis seiner Artikel, Essays und Recherchen erschien dann 1933 nach Hitlers Machtübernahme sein Buch „Germany Puts The Clock Back“ – gleichzeitig auch im Transmare Verlag die deutsche Übersetzung – was die Nazis extrem verärgerte. Das Buch wurde sofort verboten und Mowrer selbst handfest bedroht. Nun waren er und ► Norman Ebbutt ab 1933 allerdings zu Präsidenten des Berliner Auslandspresseverbands gewählt worden; darum setzte Mowrer seine Berichterstattung über die alles andere als demokratische Transformation Deutschlands wie gewohnt und unbeirrt fort. Die deutsche Regierung erhöhte daraufhin den Druck auf ihn so sehr, dass seine Kollegen und Freunde gar eine tödliche Gefahr für ihn befürchteten.
Im September 1933 musste er schließlich Deutschland verlassen. Als er im Außenministerium nach dem Grund dafür fragte, sagte der dortige Beamte: „Dem Führer gefällt Ihr Buch nicht.“ Worauf Mowrer ihm geantwortet haben soll: „Oh, das macht nichts. Sagen Sie ihm, mir gefällt seins auch nicht.“
Noch am 7. September 1933 war in der Des Moines Tribune sein ► Bericht über „Germany Tortures Nazi Foes in Concentration Camps“ erschienen – gespickt mit vielen Fakten. Die Chicago Daily News boten ihm nun das Redaktionsbüro in Tokio an, er aber entschied sich für die Leitung des Pariser Büros und berichtete von dort weiter über europäische Vorgänge und Angelegenheiten, bis zum Einmarsch der Wehrmacht im Jahr 1940. 1936 hatte er zuvor noch die Sowjetunion besucht und 1938 war er für einige Monate in China.
Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten wurde er stellvertretender Direktor des Amtes für Kriegsinformationen und setzte sich sofort für die Unterstützung Großbritanniens ein und für eine Beendigung der amerikanischen Isolation: „Germany wants to rule with a gangster mentality and establish nothing less than a ‚United Slaves of Europe‘,“ so seine unmissverständliche Einschätzung.
Und er begann regelmäßig seine Kolumne „Edgar Mowrer on World Affairs - Edgar Mowrer über Weltangelegenheiten“ zu schreiben.
Nach dem Krieg verfasste er weitere Bücher und setzte sich im Rahmen der „ADA Americans for Democratic Action“ für eine progressive Politik ein, auch als Unterstützung für die Democratic Party.
1956 wurde er für vier Jahre Chefredakteur des Western World Magazins und arbeitete außerdem als Kolumnist bis 1976 für The Union Leader.
1969 war Edgar Mowrer nach Wonalancet in New Hampshire gezogen, wo er am 2. März 1977 kurz vor seinem 85. Geburtstag starb.
(hhb)
Quellen
Edgar Ansel Mowrer / The Atlantic 1.12.1953
Jennie Rothenberg Gritz: Early Warnings – How American Journalists Reported the Rise of Hitler / The Atlantic 13.3.2012
Bill Kemp: Campaign to aid Britain comes to Bloomington / Museum of History 19.2.2017
Carl Flick-Steger: The Adlon Bar Gang
Andrew Nagorski: Hitlerland - American Eyewitnesses to the Nazi Rise to Power / Simon & Schuster
Bücher + Schriften
Edgar Ansel Mowrer: Immortal Italy / 1922
Edgar Ansel Mowrer: Amerika – Vorbild und Warnung / Ernst Rowohlt 1928
Edgar Ansel Mowrer: Germany Puts The Clock Back / Lane London 1933
Edgar Ansel Mowrer: Deutschland stellt die Uhr zurück / Transmare Verlag 1933
Edgar Ansel Mowrer: Mowrer in China / Pinguin Special 1938
Edgar Ansel Mowrer: Nazi Justice / Published by Polish Labor Group 1944
Edgar Ansel Mowrer: The Nightmare of American Foreign Policy / 1948