Der Austro-Amerikaner Ernst Haas zählt zu den Pionieren der Farbfotografie. Ein erster Meilenstein der medialen Farbfotografie war sein 24seitiger Fotoessay über New York: „Images of a Magic City“. LIFE druckte ihn 1951 in zwei Folgen. Haas war Mitglied der Magnum Fotoagentur und fotografierte für Look, Vogue oder Holiday, aus Kostengründen zunächst vor allem Titelseiten. Bereits 1962 zeigte dann das New Yorker Museum of Modern Art seine inzwischen von vielen Medien gedruckten Farbfotos in der Ausstellung „Ernst Haas: Color Photography“.
Ernst Haas wurde am 2. März 1921 in Wien geboren und hatte schon als Kind großes Interesse an der Fotografie. Er träumte davon, Maler oder Forscher zu werden. Nach der Schulzeit wurde er zur Luftwaffe der Wehrmacht eingezogen. Nach Kriegsende begann er Medizin zu studieren. Das Studium brach er aber vorzeitig ab und wechselte an die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, wo in vier sich ergänzenden Fachrichtungen der visuellen Kommunikation unterrichtet wurde. Dort besuchte er die Abteilung Fotografie. 1946 erwarb er seine erste Kamera auf dem Schwarzmarkt, eine Rolleiflex, im Tausch gegen Margarine. Und begann als freier Fotojournalist zu arbeiten. Er fotografierte die zerbombte Ringstraße, machte Aufnahmen vom Schwarzmarkt und von Kriegsheimkehrern und Kriegsopfern, Fotos, die zunächst in Zeitschriften wie Der Film oder Heute erschienen. 1947 verwendete das Rote Kreuz eine seiner Fotoreportagen zur Identifizierung und der Zusammenführung solcher Kriegsopfer – dieses Foto-Feature wurde anschließend von LIFE übernommen.
Freddy Langer urteilte später darüber in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Augenblicklich katapultierte die Bildserie der Kriegsheimkehrer Ernst Haas in die erste Riege der Fotoreporter. Das Magazin ‚Life‘ in Amerika übernahm sie und bot dem noch nicht einmal 30 Jahre alten Fotografen eine feste Stellung an. Er lehnte ab. Fast mit gleicher Post machte ihm die von ► Capa und ► Cartier-Bresson gegründete Fotoagentur Magnum das Angebot beizutreten. Dies nahm er an und wurde eines ihrer berühmtesten Mitglieder.“
1951 war Haas nach New York gezogen und begann von da an fast nur noch mit Farbfilmen zu experimentieren. Eine Fotoserie über seine neue Heimatstadt New York – „Images of a Magic City“ – wurde mit Kodachrome-Positivfilmen aufgenommen und bescherte den Lesern von LIFE bis dato noch nie gesehene Impressionen aus der Weltmetropole: Tag- und Nachtaufnahmen, Straßenszenen, Lichtreklamen, Händler.
Doch Farbfotos wurden damals angesichts der horrend hohen Druckkosten fast nur für Titelseiten und vor allem von Modemagazinen verwendet. Was sich nun langsam änderte. Mit seiner Sportreportage „The Magic of Colours in Motion“ demonstrierte Haas, wie sogar Bewegungsunschärfen zu beeindruckenden Bildern werden können.
Auch als Werbefotograf war er tätig und fotografierte zum Beispiel für Philipp Morris den Marlboro-Mann. Noch jahrelang schoss er für diese Firma beeindruckende Bilder im Wilden Westen, an Lagerfeuern, von Mustang-Jagden oder wilden Ritten über die Prärie.
1962 wurden seine Fotografien vom Museum of Modern Art in einer Einzelausstellung als Retrospektive über seine Arbeit gezeigt. Und ab 1966 wurde er Teilhaber bei Magnum. In den 70er Jahren realisierte er mehrere Buchprojekte wie „Creation“ oder „Die Schöpfung“. Nie wollte er Sensationsfotos machen, sondern lieber Foto-Kunst. Er produzierte auch Bildstrecken – Standfotos für Film-Klassiker wie Hustons „The Bible“ – und experimentierte zudem mit audiovisuellen Techniken.
Schon 1951 bekam Haas eine Goldmedaille des Art Directors‘ Club in New York. Weitere folgten 1960 und 1961. 1954 erhielt er den Leavitt Award der American Society of Magazine Photographers. 1972 dann den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie und 1986 den International Award in Photography der Hasselblad Foundation sowie die Leica-Medaille.
Am 12. September 1986 starb Ernst Haas an den Folgen eines Schlaganfalls in New York.
(hhb)
Quellen
Ernst Haas / Deutsche Börse Photography Foundation
Ernst Haas / International Center of Photography
Ernst Haas – eine Hommage / Spitzenlicht.de
Carmela Thiele: Die Kunst der Pressefotografie – 100. Geburtstag von Ernst Haas / Deutschlandfunk 2.3.2021
Isabel O’Toole: Ernst Haas: Meister der Fotografie / IP The Independent Photographer 9.12.2022
Awards für Ernst Haas
https://ernst-haas.com/awards/
https://prezi.com/ah6aepai1btd/ernst-haas/
Bücher
Ernst Haas: Creation – Die Schöpfung / 1971
Ernst Haas: The American West / Prestel Verlag München 2022