Eugen Heilig

Eugen Heilig gehörte zu den Pionieren der Arbeiterfotografie. Seine Laufbahn als Fotoreporter begann mit einer Fotoserie über seine Wanderschaft nach Italien. Seine Fotos eines Streiks in Mailand erschienen zuerst in Avanti!, dem Parteiorgan der PSI Sozialistische Partei Italiens. Später lichtete er die Begeisterung der Deutschen während der Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg ab – wenig später auch die Kriegsopfer an der Westfront. In den 20er Jahren fotografierte er für die Arbeiter-Illustrierte-Zeitung (AIZ) und arbeitete dort eng mit John Heartfield zusammen, für dessen Fotocollagen auf den AIZ-Titelseiten.

Eugen Heilig wurde 1892 als Sohn eines Bierbrauers in Neckargröningen geboren. Sein Vater war Sozialdemokrat und Gewerkschafter. Eugen erlernte zunächst den Beruf eines Galvanoplastikers und begann ab 1911 zu fotografieren.

Auf seiner Walz im Jahr 1912 durch Österreich und die Schweiz bis nach Italien kam er mit den lokalen Arbeiterbewegungen in Kontakt. In Mailand machte er 1913 Aufnahmen von einem Generalstreik. Das war der Auftakt zu seiner Karriere als Pressefotograf. In den Jahren danach dokumentierte er mit seinen Fotoreportagen die Situation von Arbeitern, Landarbeitern und Obdachlosen. Hielt aber auch die Begeisterung der fröhlich in den Ersten Weltkrieg marschierenden jungen Männer in seinen Bildern fest, genau wie dann die schnelle Rückkehr der Gefallenen im Sarg. Auch er musste als Soldat im Ersten Weltkrieg dienen, bis er verwundet nach Stuttgart zurückkam.

 

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"Die Kamera sei Waffe im Klassenkampf" war das Motto der "Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands." Ihre Arbeit wurde in einer Ausstellung im Museum für Deutsche Geschichte gewürdigt, die am 20.4.1966 eröffnet wurde. Im Bild der Pionier der Arbeiterfotografie Eugen Heilig (rechts) mit Alfred Schlegel bei einem Rundgang durch die Ausstellung.

Copyright: Klaus Franke, Bundesarchiv Bild 183-E0420-0023-001

1922 trat er in die KPD ein und produzierte für seinen späteren Mentor ► Willi Münzenberg und dessen Arbeiter-Illustrierte-Zeitung mehrere Fotoreportagen. 1926 wurde die deutsche Arbeiterfotografenbewegung auf Initiative der AIZ gegründet und Eugen Heilig mit der Bildung einer Ortsgruppe in Stuttgart betraut.

1929 trat Heilig in die Berliner Redaktion der AIZ ein und arbeitete dort als Fotograf und Berichterstatter. Kritisch bildete er die realen Arbeits- und Lebenswelten ab, in denen schlecht bezahlte Arbeiter und Arbeiterinnen ihr Dasein fristen mussten. In Fotoreportagen wie „Das Gesicht dem Dorfe zu“ (1925), „Das Kino kommt aufs Dorf“ (1927), „Hunger im Frankenwald“ (1930) oder „Akkord im Dreck“ (1930).

Zudem war Heilig verantwortlicher Redakteur der Vereinszeitschrift Der Arbeiter-Fotograf, in welcher den Kollegen Hinweise auf neue Techniken und Gestaltungsmöglichkeiten gegeben wurden. Ziel der Arbeiterfotografen war es dann gegen Ende der Weimarer Republik, die Fotografie auch als Waffe im immer härter werdenden Klassenkampf einzusetzen.

In diesen Jahren wurde Eugen Heilig zu einem engen Mitarbeiter von ► John Heartfield und lieferte ihm Fotovorlagen für seine bissigen Fotomontagen und Satiren – die oft die Titelseiten der AIZ zierten.

Nach der Machtübernahme durch die NSDAP gehörte auch Heilig zu den Verfolgten. Zunächst hatte er sich nach Süddeutschland abgesetzt, zog von Dorf zu Dorf und fotografierte dort Familien. So konnte er einige Zeit im Verborgenen bleiben. Zurück in Berlin erhielt er sofort Veröffentlichungsverbot und konnte nur noch für private Zwecke fotografieren. Darum arbeitete er wieder in seinem Lehrberuf als Galvanoplastiker, wurde dennoch immer wieder von der Gestapo in die Prinz-Albrecht-Straße einbestellt. Seine alten Glasnegative hatte er in Zinkbehältern im Garten verbuddelt und konnte sie so retten. Den Widerstand unterstützte er, indem er Flugblätter reproduzierte und sie als unentwickelte Negative weitergab.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zunächst Pressereferent in der Provinzialverwaltung Potsdam, verantwortlich für Presse und Rundfunk. Hatte da aber auch schon wieder angefangen zu fotografieren, obwohl das in der Sowjetzone und später in der DDR nicht sonderlich geschätzt wurde, angeblich aus Angst vor Betriebsspionage. Darum gab es zwar Arbeiterkorrespondenten, aber keine neue Arbeiterfotografen-Bewegung.

Eugen Heilig schrieb einige Bücher, um Jugendliche fürs Fotografieren zu begeistern.

Er starb im Jahr 1975 in Ost-Berlin.

(hhb)

 

Quellen:

Arbeiterfotografie: Interview über Eugen Heilig

Bundesarchiv: Fotografien von Eugen Heilig

Nicole Aleksandra Stolz: Arbeiterfotografie - Klassenkampf in Bildern

 

Bücher:

Walter Heilig: Eugen Heilig – Arbeiterfotograf 1911 – 1936 / Edition Hentrich Berlin 1996