John Heartfield - eigentlich Helmut Herzfeld

Helmut Herzfeld wurde am 19. Juni 1891 in Schmargendorf bei Berlin geboren, als ältestes von vier Kindern des Schriftstellers Franz Herzfeld, der unter dem Pseudonym Franz Held publizierte. Als Franz Held in Abwesenheit wegen Gotteslästerung zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, setzte sich die Familie zunächst in die Schweiz nach Weggis ab und ließ sich nach ihrer Ausweisung aus der Schweiz in einer Almhütte auf dem Gaisberg bei Aigen im Salzburger Land nieder. 1899 ließen die Eltern ihre Kinder aus ungeklärten Gründen allein in der Almhütte zurück und verschwanden. Nach vier Tagen wurden die Geschwister vom Aigener Bürgermeister Ignaz Varschein aufgefunden und vorerst in seiner Familie aufgenommen.

1905 begann Helmut Herzfeld eine Buchhändlerlehre in Wiesbaden und studierte danach von 1908 bis 1911 an der ‚Kunstgewerbeschule‘ in München. Dort arbeitete er kurze Zeit als Werbegrafiker, zog aber schon 1912 nach Berlin und setzte seine Ausbildung an der ‚Kunst- und Handwerkerschule‘ in Charlottenburg fort.

Zu Beginn des ‚Ersten Weltkriegs‘ wurde er zum Militär eingezogen, wo er George Grosz – damals noch Georg Groß – kennenlernte. Beide waren entschiedene Kriegsgegner. Helmut Herzfeld entzog sich dem verabscheuten Militärdienst, indem er mit Erfolg eine Nervenkrankheit simulierte. 1915 wurde er aus der Armee entlassen.

 

article picture

Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-08404-0002, Fotograf Neumann, 1950

 

Im Jahr darauf kam es zu dem Namenswechsel: aus Protest gegen den englandfeindlichen Nationalismus nannte er sich fortan John Heartfield, gründete zusammen mit seinem jüngeren Bruder Wieland den Malik-Verlag und schloss sich der Dada-Bewegung in Berlin an. Heartfield schuf ab 1917 für die bei Malik erscheinende pazifistische Zeitschrift ‚Die Neue Jugend‘ das Layout und die Typographie und wurde so zu einem der ersten Artdirektoren für Zeitschriftengestaltung.

Seine Innovationen waren Fotomontagen und Collagen aus Fotografien und Zeichnungen, wie etwa Mitte Februar 1919 nach dem Spartakusaufstand ein Fächer mit den Köpfen von Politikern auf der Titelseite der von Malik herausgegebenen Satireschrift ‚Jedermann sein eigner Fussball‘. Der Titel sagte, ganz im Stil des Dadaismus, „dass man sich nicht treten lassen, sondern selber handeln solle“. Die Zeitschrift erschien allerdings nur dies einzige Mal. Besagter Fächer zeigte unter der Titelzeile „Wer ist der Schönste?“ die Porträts von Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann. Zu dem satirisch gemeinten Schönheitswettbewerb gehörten noch vier weitere Regierungsmitglieder und auf dem Fächergriff Erich Ludendorff, der katholische Abgeordnete Matthias Erzberger und Gustav Noske, der den Aufstand im Januar 1919 hatte blutig niederschlagen lassen. In dem Satire-Magazin gab es noch Zeichnungen von George Grosz und Textbeiträge von Mitgliedern der Berliner Dada-Sektion, wie Erwin Piscator oder Walter Mehring. Von Mehring stammte das Gedicht „Der Coitus im Dreimäderlhaus“, die er als ‚neue Nationalhymne‘ präsentierte. Was das Fass damals zum Überlaufen brachte: das Dada-Gedicht war voller Anspielungen auf Kaiserreich und Krieg und wurde als obszön beurteilt. Das Magazin ‚Jedermann sein eigener Fussball‘ wurde beschlagnahmt und erschien nie wieder, obwohl das Verfahren gegen Mehring später mit Freispruch endete.

Seit dem 31. Dezember 1918, ihrem Gründungstag, war Heartfield Mitglied der KPD. Seine bissigen Collagen setzte er vornehmlich als Kritik am politischen System ein, in der ‚AIZ Arbeiter Illustrierte‘ von Willi Münzenberg, in ‚Die Rote Fahne‘, im ‚Blutiger Ernst‘,Die Pleite‘, ‚Der Knüppel‘, ‚Eulenspiegel‘ oder ‚Volks-Echo‘. Besonders kämpferisch engagierte er sich gegen den aufkommenden Nationalsozialismus.

 

Reichspräsidentenwahl, Wahlplakat Thälmann

article picture

Quelle: Bundesarchiv, Plak 002-016-079 von John Heartfield

1933 stürmte die SA seine Wohnung, worauf er nach Prag floh. Heartfield gehörte zu den ersten von den Nazis ausgebürgerten Deutschen. Nach der Besetzung des Sudetenlands im Jahr 1938 konnte er mit Hilfe englischer Freunde auf dem Luftweg nach London fliehen, wo er allerdings bei Kriegsbeginn als feindlicher Ausländer vorübergehend interniert wurde.

Ende August 1950 kehrte Heartfield via Prag nach Deutschland zurück, nach Leipzig in die DDR. Dort arbeitete er zusammen mit seinem Bruder Wieland für verschiedene Theater und Verlage. Sein Aufnahmegesuch in die SED wurde aus Sicherheitsgründen abgelehnt, wegen seines Exils in Großbritannien. Auch eine Ausstellung seiner Werke wurde verhindert, weil der ungarische Philosoph und Marxist Georg Lukács seinen Fotomontagen Formalismus vorwarf.

Nach einem Herzinfarkt im Jahr 1951 stellte ihm Bertolt Brecht sein Sommerhaus in Buckow zur Verfügung, in der Märkischen Schweiz. Und Stefan Heym sorgte dafür, dass John Heartfield 1956 in der ‚Akademie der Künste der DDR‘ als Mitglied aufgenommen wurde. Aber zeitlebens blieb man in der DDR ihm und seinen graphischen Arbeiten gegenüber reserviert, gleichwohl erhielt er 1957 den Nationalpreis für Literatur, 1960 wurde ihm der Professorentitel verliehen, und 1965 wurde er mit dem vaterländischen Verdienstorden in Gold geehrt.

John Heartfield starb am 26. April 1968 in Ost-Berlin und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt.

(hhb)

 

Freundeskreis John Heartfield – Waldsieversdorf e. V.

Kosmos Heartfield

Goethe Institut: Der deutsche Urgrossvater von Photoshop (und politischer Memes)