Robert Lembke

Robert Lembke arbeitete als Journalist und Manager für alle Mediengattungen: für Printmedien, den Hörfunk und das Fernsehen. Als charmant-ironischer Quizmaster wurde er zu einer Fernseh-Ikone in der Nachkriegsunterhaltung. Er war der beliebteste Rateonkel für gleich drei Nationen: Deutschland, Österreich und die Schweiz. Zudem wurde er als ARD-Sportkoordinator mit der Organisation der weltweiten Übertragungen betraut: 1972 von den Olympischen Spielen in München und 1974 von der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland.

Robert Lembke wurde am 17. September 1913 als Robert Emil Weichselbaum in München geboren. Die Eltern hatten sich 1918 scheiden lassen. So wuchs Robert bei seiner Mutter auf, die ein Wäschegeschäft betrieb und nahm später ihren Geburtsnamen an. Sein Vater, der Jude Isaak Weichselbaum, emigrierte 1936 nach Großbritannien.

Nach dem Schulabschluss auf einem Realgymnasium begann er 1931 Jura zu studieren, brach das Studium aber bereits nach gut einem Semester ab. Denn er wollte lieber Journalist werden und startete sofort als freier Mitarbeiter für das Berliner Tageblatt und den Simplicissimus. 1935 war damit Schluss, weil Lembke sich weigerte, eine damals geforderte Loyalitätserklärung zu unterzeichnen. So wechselte er lieber in die Industrie und arbeitete von nun an als Sachbearbeiter im Auslandsverkauf bei IG Farben. Seine Begründung später: „Bevor ich meine Seele verkaufe und das Gegenteil von dem schreibe, was ich bisher geschrieben hatte, bin ich zur Industrie gegangen".

1937 heiratete er Mathilde Berthold, die ihn ab September 1944 bei einem Onkel auf dessen Bauernhof in Fürholzen versteckte, als er als „Halbjude“ von den Nazis doch noch bedroht wurde.

article picture

Robert Lembke als Aufsichtsratsmitglied des Deutschen Olympiazentrums Radio Television auf der Kieler Woche, Juni 1969

Copyright: Von Magnussen, Friedrich (1914-1987) - Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69386187

Nach Kriegsende begann er wieder als Journalist – zusammen mit Hans Habe, ► Erich Kästner und Stefan Heym in der Redaktion der Neuen Zeitung, die von der amerikanischen Militärregierung herausgegeben wurde. Dort war er Ressortchef für Innenpolitik. 1949 ging Robert Lembke dann zum Bayerischen Rundfunk, als Reporter im Sportbereich. Beim Endspiel im Berner Wankdorf Stadion war er Assistent des legendären Sportmoderators ► Herbert Zimmermann, als Deutschland 1954 erstmals Fußballweltmeister wurde.

Im Bayerischen Rundfunk wurde er Hörfunk-Chef, bis er dann 1956 endgültig als Chefredakteur und stellvertretender Direktor in den Fernsehbereich wechselte. Und dort 34 Jahre lang bis 1989 sein heiteres Berufe-Raten „Was bin ich?“ moderierte – ein Dauerbrenner mit hohen Einschaltquoten: anfangs bis zu 75 Prozent und in den 80er Jahren immer noch bis zu 40 Prozent.

Dem Sport blieb er während dieser Zeit als Quizmaster und Fernseh-Direktor weiter verbunden. 1969 übernahm er die Geschäftsführung des im Mai 1968 von ARD und ZDF gegründeten Deutschen Olympia-Zentrums DOZ. Von dort organisierte und verantwortete Lembke auch in seiner Eigenschaft als Sportkoordinator der ARD die weltweiten Funk- und Fernsehübertragungen von den Olympischen Spielen 1972 in München – mit einem Stab von 1.500 Technikern und einem Etat von 125 Millionen D-Mark.

Angesichts des großen Erfolges der Olympia-Sendungen wurde Lembke dann zwei Jahre darauf auch die Sende-Regie für die Deutschland stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft übertragen. Außerdem übernahm er mehrere Aufgaben für die Eurovision. Nach Auflösung des DOZ im Jahr 1975 ging Robert Lembke im Jahr darauf in den vorzeitigen Ruhestand, setzte aber seine Moderation bei „Was bin ich?“ fort. Die Sendung lief von 1955 bis 1958 und dann nach kurzer Unterbrechung in Neuauflage wieder von 1961 bis 1989 – insgesamt 337mal. 1967 gehörte sie zu den ersten Sendungen, die beim Start des Farbfernsehens in Farbe ausgestrahlt wurden. Zu seinem Rate-Team gehörten ab 1961 der Unterhaltungschef des Schweizer Fernsehens Guido Baumann, der Staatsanwalt Hans Sachs, die Schauspielerin Marianne Koch und die TV-Ansagerin Annette von Aretin.

Die Urform von „Was bin ich?“ hatte Lembke in den USA kennengelernt, wo sie unter „What’s my Line?“ lief.

Robert Lembke erhielt für seine Rate-Sendung den Bambi und zweimal die Goldene Kamera, 1967 und 1982. Außerdem wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse und dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Robert Lembke starb am 14. Januar 1989 im Alter von 75 Jahren nach einer Herzoperation und wurde auf dem Westfriedhof in München beigesetzt.

(hhb)

 

Quellen

Elisabeth Kraus: Robert Lembke – deutscher Journalist und Fernseh-Moderator / nsdoku.lexikon München

Vor 95 Jahren: Quizmaster Robert Lembke wird geboren / WDR 17.9.2008

Todestag Robert Lembke – Der Schweinepriester / SPIEGEL Geschichte 14.1.2009

Alexandra Vettori: Moderator Robert Lembke: Versteckt in Fürholzen / SZ 17.4.2019

Dirk Walter: Als Robert Lembke untertauchte / OVB Heimatzeitungen 20.4.2019

Linda Benedikt: Eine herzzersplitternde Traurigkeit / ZEITonline 13.8.2019

Der berühmte Münchner TV-Moderator, der eigentlich Weichselbaum hieß / Jüdische Rundschau vom 9.9.2021

Sabine Rittner: Robert Lembke – Welches Schweinderl hätten’s denn gern / BR 5.1.2024

 

Bücher

Robert Lembke: Zynisches Wörterbuch / 1970

Robert Lembke: Lachen Sie mit / 1981

Robert Lembke: Heiteres aus dem Papierkorb der Weltpresse / 1983

Robert Lembke: Das Beste aus meinem Glashaus – Humoristisches und Satirisches Fischer Verlag 2017

Robert Lembke: Das große Haus- und Familienbuch der Spiele / Fischer Verlag 2017