Klaus Bölling

Der Journalist und Publizist Klaus Bölling war von 1974 bis 1982 Regierungssprecher während der drei sozialliberalen Koalitionen von Helmut Schmidt. Nach einer kurzen Unterbrechung von Februar 1981 bis Mai 1982, als er als Nachfolger von Günter Gaus als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in der DDR fungierte, kehrte er als Regierungssprecher bis zum Ende der sozialliberalen Koalition zurück.

Klaus Bölling wurde am 29. August 1928 als Sohn eines preußischen Beamten und einer Mutter mit jüdischen Wurzeln in Potsdam geboren. In Berlin-Zehlendorf besuchte er das Gymnasium und wurde 1944 als Flakhelfer eingezogen. In dieser Zeit wurde sein Vater immer wieder von der Gestapo verhört. Seine Mutter war bereits nach Auschwitz deportiert, überlebte das KZ aber schwer krank. Diese Familiensituation führte dazu, dass er als „Halbjude“ für „wehrunwürdig“ erklärt und entlassen wurde.

Nach dem Krieg studierte er an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin Geschichte und Germanistik, allerdings ohne Abschluss. Als 17-Jähriger trat er 1945 in die KPD ein, weil er glaubte, „die Kommunisten würden am entschiedensten etwas gegen den Faschismus tun.“ Er wollte seit jeher Journalist werden und begann daher als Redakteur für eine FDJ-Zeitung. Bölling schrieb aber auch für Die Neue Zeit, das Zentral-Organ der Nachkriegs-CDU sowie für die Deutsche Volkszeitung, einem Organ der KPD und auch einige Beiträge für das Neue Deutschland. Schon 1947 verließ er die SED wieder wegen Wahlmanipulationen der Kommunisten und verfasste darüber den Meinungsartikel „Einsicht in die Notwendigkeit“ für den West-Berliner Tagesspiegel. Darin setzte er sich kritisch mit dem Sozialismus Moskauer Prägung auseinander.

 

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Staatssekretär Klaus Bölling, Sprecher der Bundesregierung und Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung (1974-1980, April bis Oktober 1982).

Copyright: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung / Ulrich Wienke

Daraufhin bot ihm der Tagesspiegel ein Volontariat an. Anschließend wurde er von 1953 bis 1954 politischer Redakteur und Kommentator beim RIAS, bis er dann 1954 zum SFB Sender Freies Berlin wechselte, als außenpolitischer Redakteur und zeitweiliger kommissarischer Chefredakteur. Von 1956 bis 1958 war er ARD-Korrespondent für Südosteuropa in Belgrad und arbeitete von dort auch für die Süddeutsche Zeitung.

Von 1959 bis 1961 war Bölling für den WDR tätig und von 1962 bis 1969 als stellvertretender Hauptabteilungsleiter Politik für den NDR. Dort entwickelte er 1963 zusammen mit ► Gerd Ruge die ARD-Sendung „Weltspiegel“ und moderierte sie auch zeitweise. Von 1969 bis 1973, in der Zeit des Vietnam-Krieges, leitete er das ARD-Studio in Washington D.C. und wurde dann von 1973 bis 1974 als Intendant zu Radio Bremen berufen.

1974 engagierte ihn Bundeskanzler Helmut Schmidt als Regierungssprecher und Leiter des Bundespresseamtes, im Status eines beamteten Staatssekretärs. Bölling war bereits 1958 in die SPD eingetreten – mit Helmut Schmidt verband ihn seither ein freundschaftliches Verhältnis. Aber es war die Zeit des RAF-Terrors – so hielt Bölling im „Deutschen Herbst“ 1977 bei der Entführung einer Lufthansa-Maschine nach Mogadischu Kontakt zu den Flugzeugentführern und half als Vermittler dabei, die Geiseln unversehrt zu befreien.

Besagter Deutscher Herbst hinterließ damals im kollektiven Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland tiefe Spuren. Böllings Rolle bei der Geiselbefreiung lobte nicht nur der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier: „Auch in diesen wirklich schwersten Momenten und unter allergrößtem Druck hat Klaus Bölling mit seiner ruhigen Art und großen Glaubwürdigkeit Vertrauen geschaffen."

Bölling beschrieb seine Aufgabe als Regierungssprecher später in einem Interview mit dem „alpha“-Bildungskanal des BR Bayerischen Fernsehens: „Ich habe damals einen kleinen Beitrag dazu leisten können, zwar nicht die Politik von Helmut Schmidt primär umsetzen zu können – denn das war die Sache des Parlaments und seiner Minister – sie dafür aber begreiflich zu machen. Denn viele Irritationen, viele Frustrationen der Wähler rühren ja daher, dass die Probleme so ungemein kompliziert sind, mit denen wir es heute zu tun haben. Und natürlich muss man hier sofort wieder das Thema der Globalisierung einflechten: Dass wir heute viele Probleme mit nationalen Regierungen gar nicht mehr lösen können, dass wir angewiesen sind auf die Hilfe, die Unterstützung, die Solidarität der anderen. Es kommt also darauf an, Politik durchsichtig zu machen: Die Modephrase hierzu lautet ‚Transparenz‘. Das war meine Aufgabe.“ An dieser Aufgabe für Regierungssprecher hat sich bis heute sicherlich nichts geändert!

Von Februar 1981 an hat Bölling ein gutes Jahr lang als Nachfolger von ► Günter Gaus die Leitung der Ständigen Vertretung in der DDR übernommen. Nach 15 Monaten kehrte er ins Bundespresseamt zurück und blieb Regierungssprecher bis zum Ende der von Schmidt geführten Regierung. Über diese Endphase verfasste er das Tagebuch „Die letzten 30 Tage des Kanzlers Helmut Schmidt“, veröffentlichte es beim SPIEGEL und löste damit einigen Wirbel aus. Darin beschrieb er den Streit über die Wirtschafts- und Sozialpolitik zwischen den beiden Koalitionären SPD und FDP, aber auch die innerpolitischen Auseinandersetzungen in der SPD über den Nato-Doppelbeschluss. Bölling bezeichnete Helmut Schmidt als „einen General, dem ein wichtiger Teil der Truppen von der Fahne gegangen war“.

Nach seiner Tätigkeit für die Bundesregierung war Bölling wieder als Journalist und Publizist tätig und nahm Stellung zu aktuellen politischen Themen. Er hielt Vorträge, schrieb Essays und Kolumnen etwa für den SPIEGEL, den STERN oder DIE ZEIT und gab Interviews, dem NDR und anderen Sendern.

Klaus Bölling starb am 1. November 2014 im Alter von 86 Jahren in Berlin. Er wurde auf dem Waldfriedhof in Dahlem beigesetzt.

 

(hhb)

 

Quellen

Klaus Bölling: Honecker ist kein Träumer / SPIEGEL 14/1984 vom 1.4.1984

Interview mit Klaus Bölling / NDR

Yvonne Holl: Im Rausch der freien Meinung / Vorwärts Nr. 15/2008 Zeitblende

Lars Haferkamp: Bester Regierungssprecher aller Zeiten – Klaus Bölling wird 85 / Vorwärts 29.8.2013

Staatssekretär a.D.: Klaus Bölling / BR Bayerisches Fernsehen alpha-Forum 16.8.2013

Ex-Regierungssprecher Klaus Bölling ist tot / SPIEGELPolitik 2.11.2014

Klaus Bölling ist tot / SZ Süddeutsche Zeitung 2. November 2014

Martin Mair: Ehemaliger Regierungssprecher Klaus Bölling gestorben / Deutschlandfunk 2.11.2014

Renate Faerber-Husemann: Zum Tod von Klaus Bölling / Vorwärts 3.11.2014

Tatjana Kerschbaumer: Regierungssprecher unter Helmut Schmidt – Klaus Bölling im Alter von 86 Jahren gestorben / Tagesspiegel 3.11.2014

Trauer um Klaus Bölling / DW 3.11.2014

 

Bücher

Klaus Bölling: Die zweite Republik – 15 Jahre Politik in Deutschland / Kiepenheuer & Witsch 1963

Klaus Bölling: Die letzten 30 Tage des Kanzlers Helmut Schmidt / SPIEGEL Buch 1982

Klaus Bölling: Die fernen Nachbarn – Erfahrungen in der DDR / Gruner + Jahr 1983

Klaus Bölling: Bonn von außen betrachtet / DVA 1986