Karl Bölsche

Der Journalist, Zeitungsredakteur und Lyriker Karl Bölsche gehörte in der Zeit um 1848 zu den engagierten Vertretern der Demokratie. Er arbeitete damals in führender Position bei zwei wichtigen Sprachrohren einer radikalen Demokratie: bei der Mainzer Zeitung und bei der Kölnischen Zeitung. Sein gelegentlich genutztes Pseudonym lautete „Sinning“, was so viel wie sündigen bedeutet.

Johann Christian Daniel Karl Bölsche wurde am 16. März 1813 in Fallersleben als Sohn eines Landwirts geboren. Gegen den Willen seiner Eltern besuchte er ein Gymnasium in Braunschweig und studierte anschließend evangelische Theologie in Leipzig und Göttingen.

In Braunschweig war er Mitglied im Kunst- und Lessingverein und schrieb dort zum Gedenken an Gotthold Ephraim Lessings Todestag ein Gedicht – Lessing war am 15. Februar 1781 in Braunschweig gestorben. Das Gedicht „Lessings Todtenfeier“ wurde am 15. Februar 1838 in der Aegidienkirche zu Braunschweig verlesen.

In seine Göttinger Studentenzeit fiel 1837 die Entlassung der sieben Göttinger Professoren – darunter die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm – weil sie gegen die Aufhebung der relativ liberalen Verfassung des Königreichs Hannover aus dem Jahr 1833 protestiert hatten. Ihr Protestbrief fand im gesamten Deutschen Bund viel Zustimmung und förderte den Liberalismus, der dann bis 1848 zu einer Massenbewegung wurde.

Diese Göttinger Affäre dürfte auch den Freidenker Karl Bölsche bewegt haben: Als sein Freund Karl Andree 1838, also im Jahr darauf, die Leitung der liberalen Mainzer Zeitung übernahm, schloss sich Bölsche ihm an und wurde zum wichtigsten Mitarbeiter des Blattes. Außerdem übernahm er die Chefredaktion der Mainzer Unterhaltungsblätter.

Als Andree 1843 zur Kölnischen Zeitung wechselte, machte ihn der Verleger in Mainz zum Chefredakteur. Im Revolutionsjahr 1848 trat die Mainzer Zeitung engagiert für eine radikale Demokratie ein, was im August des Jahres darauf, also zu Beginn der Restauration dazu führte, dass Bölsche auf Betreiben Österreichs aus Mainz und dem Großherzogtum Hessen ausgewiesen wurde.

1851 arbeitete Karl Bölsche angeblich als Gehilfe in der Wiesbadener Buchhandlung Ritter – tatsächlich aber war er der von Karl Ritter eingesetzte Chefredakteur für seine Mittelrheinische Zeitung. Denn nach Verkündung der Pressefreiheit in Hessen-Nassau waren dort binnen weniger Wochen 13 politische Zeitungen erschienen, in Wiesbaden allein fünf.

Im Jahr darauf wurde er von der Kölnischen Zeitung als Redakteur angeheuert. Deren Feuilleton leitete er vierzig Jahre lang, schrieb Theaterberichte sowie Rezensionen und veröffentlichte Gedichte von ihm selbst und auch von anderen. Karl Bölsche pflegte intensive Verbindungen zu Ferdinand Freiligrath, Alexander von Humboldt, zur Familie Varnhagen, zu Gustav Freytag, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben oder ► Theodor Fontane.

Bölsche war zudem einer der Mitbegründer des Zoologischen Gartens in Köln und betrieb als Hobby Kartographie. Auch damit fand er große Anerkennung: Eine von der Ersten Deutschen Polar-Expedition bei Spitzbergen entdeckte Insel erhielt vom daran beteiligten Geographen August Petermann 1868 den Namen Bölsche-Insel – zu seinen Ehren.

Karl Bölsche war mit der Tochter eines Mainzer Buchändlers verheiratet. Beide hatten mehrere Kinder, darunter der 1861 geborene Schriftsteller Wilhelm Karl Eduard Bölsche, der zu einer Zentralfigur im Friedrichshagener Dichterkreis wurde.

Nach dem Tod seiner Frau lebte Karl Bölsche noch einige Jahre in seinem Geburtsort Fallersleben, wo er am 14. April 1891 starb. Sein Sarg wurde nach Köln überführt und dort am 20. April 1891 auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt.

 

(hhb)

 

Quellen

Bölsche, Karl / Deutsches Literatur Archiv Marbach

Das Bölsche Lexikon / http://www.niederelbe.de/boelsche/lexikon.htm

 

Bücher + Schriften

Karl Bölsche: Karl I. und die englische Revolution / 1845