Immanuel Birnbaum

Der deutsche Journalist Immanuel Birnbaum arbeitet in Warschau als Korrespondent für Zeitungen wie die Vossische oder die Frankfurter. Im Zweiten Weltkrieg emigrierte er nach Skandinavien, wo er den Widerstand gegen Nazi-Deutschland unterstützte. Nach Kriegsende kehrte er nach Warschau zurück und wurde dort Presseattaché der österreichischen Gesandtschaft. Ab 1949 arbeitete er in Wien als Korrespondent, auch für die Süddeutsche Zeitung. Deren Ressort Außenpolitik leitete er dann von 1953 bis 1972 und war zudem von 1960 bis 1976 ihr stellvertretender Chefredakteur.

Birnbaum wurde am 12. August 1894 in Königsberg geboren, als Sohn einer jüdischen Familie mit österreichischer Staatsbürgerschaft. Er war ein Abkömmling der dort lebenden Mischgesellschaft aus Deutschen, Kaschuben und Polen, mit viel Verständnis untereinander. Nach der Schulzeit studierte er in Freiburg, Königsberg und München Rechtswissenschaften und Philosophie, zeitweise durch Kriegsdienst in einem bayerischen Infanterieregiment unterbrochen. 1917 wurde er SPD-Mitglied und 1918 als Sprecher nichtkorporierter Studenten in München Mitgründer des dortigen Allgemeinen Studentenbundes AStA.

Seine journalistische Karriere begann er 1916 als Hilfsredakteur bei der Europäischen Staats- und Wirtschaftszeitung. Ein Jahr später arbeitete er für die Münchener Post und die Frankfurter Zeitung und wurde 1919 leitender Redakteur beim Bremer Volksblatt. Ab 1920 war er Mitglied im Verein Arbeiterpresse und im Schlesischen Journalistenverband. Bis 1927 leitete er als Chefredakteur das Volksblatt in Breslau und verfasste nebenher Beiträge für den Vorwärts und Die Gesellschaft

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Copyright: Institut für Zeitungsforschung Dortmund

Ab 1927 ging er wegen seiner guten Sprachkenntnisse nach Warschau, als Auslandskorrespondent für die Vossische Zeitung, die Volkswacht Breslau und die Frankfurter Zeitung. 1933, nach der NS-Machtübernahme, unterhielt er dort Kontakte zur Exil-SPD Sopade sowie zu Widerstandskreisen in Polen und arbeitete bis 1939 als Leitartikler des von ihm in Polen mitgegründeten Blatts Der Deutsche. Auch als Korrespondent schrieb er weiterhin, nun unter dem Pseudonym Ferdinand Roth, für verschiedene deutsche (Frankfurter Zeitung), österreichische, schweizerische und finnische Medien (Suomi).

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen flüchtete er via Lettland zunächst nach Helsinki und dann weiter nach Stockholm. Auch von dort leistete er Widerstand gegen Nazi-Deutschland und wurde deswegen von 1940 bis 1943 im Lager Smedsbo interniert, wegen seiner Unterstützung eines Anschlags auf schwedische Erztransporte nach Deutschland. Sein Bruder wurde als Mitglied des polnischen Widerstands 1942 von den Deutschen erschossen.

Ab 1943 wurde er Mitglied des Freien Deutschen Kulturbundes und arbeitete am Außenpolitischen Institut in Stockholm sowie für Svenska Tidskrift. 1946 kehrte er nach Warschau zurück, als Presseattaché der Österreichischen Gesandtschaft, für die er schon zwischen 1935 und 1938 tätig gewesen war. Wieder zurück in Wien begann er dort ab 1949 als Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung, für Svenska Dagbladet, die Nationalzeitung in Basel sowie für Die Presse in Wien zu arbeiten.

1953 bot ihm ► Werner Friedmann an, als Leiter das außenpolitische Ressort der SZ zu übernehmen. Dort unterstützte er Brandts Ostpolitik der Versöhnung und die West-Ost-Entspannung. Das Auslandsressort leitete er bis 1972 und wurde zudem von 1960 bis 1976 stellvertretender Chefredakteur der Süddeutschen.

Der Kommunikationswissenschaftler Peter Glotz bezeichnete Birnbaum als einen frühen Netzwerker, der Persönlichkeiten wie Paul Löbe, Max Weber, Bruno Kreisky, Willy Brandt oder Tito gut kannte. Als Fazit seiner Erfahrungen in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und dann in der Bundesrepublik setzte er sich für eine „Allianz der Völker“ ein.

Bereits in den Jahren von 1955 bis 1966 war er immer wieder Gastdozent für Pressegeschichte an der Universität München. Ausgezeichnet wurde er 1960 mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. 1970 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis. 1971 den Bayerischen Verdienstorden, 1972 aus Schweden den Königlichen Wasa-Orden und 1973 den Orden des Finnischen Löwen.

Immanuel Birnbaum starb am 22. März 1982 in München.

(hhb)

 

Quellen

Bundesarchiv / Biographie von Immanuel Birnbaum

Peter Glotz: Der weiße Elefant / Südd. Zeitung vom 17.5.2010

nina.az: Immanuel Birnbaum

 

Bücher

Immanuel Birnbaum: Achtzig Jahre dabei gewesen – Erinnerungen eines Journalisten / Süddeutscher Verlag

Immanuel Birnbaum: Entzweite Nachbarn. Deutsche Politik in Osteuropa / Scheffler Verlag 1968