Wolfgang Bretholz

Wolfgang Henry Bretholz war ein Schweizer Journalist, der für verschiedene deutsche Tageszeitungen geschrieben hat und als Ressortleiter Innenpolitik beim Berliner Tageblatt mehrere Berichte gegen den aufkommenden Nationalsozialismus verfasste. Sein „März-Artikel“ im Tageblatt löste ein mehrtägiges Verbot der Zeitung aus und veranlasste auch ihn, Nazi-Deutschland umgehend zu verlassen.

Bretholz wurde am 28. August 1904 im zu Österreich gehörenden Mähren geboren und wuchs in Brünn auf. Dort besuchte er Volksschule und Gymnasium und studierte anschließend Rechtswissenschaften in Berlin und Leipzig. In Leipzig promovierte er 1925 mit einer Arbeit über Presserecht zum Dr. jur.

Von 1925 bis 1927 war Bretholz Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten und anschließend von 1927 bis 1929 bei den Braunschweiger Neuesten Nachrichten. 1929 zog er nach Berlin, um dort für das Wochenblatt Das Tagebuch zu arbeiten. 1931 wurde er von ► Theodor Wolff als Ressortchef Innenpolitik zum Berliner Tageblatt geholt und prangerte dort mutig den um sich greifenden NS-Faschismus an.

 

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Noch in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933, als der Reichstag brannte, veranlasste er Theodor Wolff Berlin zu verlassen, nachdem er dessen Namen auf einer Verhaftungsliste der Nazis entdeckt hatte. Wolff setzte sich nach München ab – weil beide damals noch auf ein baldiges Ende dieses Nazi-Spuks in Berlin hofften.

Am 10. März 1933 machte das Tageblatt mit einem Artikel von Bretholz auf. Die Titelzeile lautete: „März 1933: Die Untaten der alten – die Versprechen der neuen Regierung!“ Und wegen der zu knappen Spaltenbreite darunter deutlich kleiner: „in Mandschukuo“ – das war ein von Japan etablierter Marionetten-Staat in der Mandschurei. Der Artikel beschrieb die jüngsten Vorfälle dort. Die Zensurbehörde aber hielt das ganze für eine Provokation und verhängte ein dreitägiges Erscheinungsverbot gegen das Tageblatt, begründet mit der von Reichspräsident Hindenburg im Februar erlassenen „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“. Goebbels erkannte tags darauf die Idiotie dieser Maßnahme und hob das Verbot wieder auf. Besagter Artikel konnte so am 12.3. unverändert erscheinen.

Da hatte auch Bretholz erkannt, dass es für ihn wohl besser sei, Deutschland zu verlassen. Er ging nach Prag und gründete dort zusammen mit dem Kunsthändler und Verleger Paul Cassirer die Zeitung Prager Mittag. 1934 war er in der zweiten deutschen Ausbürgerungsliste zu finden, zusammen mit Johannes R. Becher, Albert Einstein oder Oskar Maria Graf. Ab 1935 arbeitete er als Redakteur für die Prager Presse und wurde ab 1937 Korrespondent für die in Basel erscheinende NZ National-Zeitung. Die war bei den Nazis besonders verhasst, weil sie unter anderem unverblümt über den Röhm-Putsch berichtete.

Kurz vor der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren setzte sich Bretholz im März 1939 nach Polen ab und berichtete von dort für schwedische und schweizerische Zeitungen. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zog er sich zunächst in den Osten Polens zurück, wo er kurzzeitig interniert wurde. Er konnte von dort aber den Beginn der sowjetischen Verwaltung östlich der Curzon-Linie schildern. Von Polen reiste Bretholz später über Rumänien in die Türkei. Ab 1944 berichtete er aus Bulgarien über den Untergang der demokratischen Parteien in Polen und Tschechien und über ihre verzweifelten Versuche, nach dem Ende des Weltkriegs die sowjetische Vorherrschaft abzuschütteln.

Ab 1948 lebte er in der Schweiz, die ihm bereits in den 30er Jahren ihre Staatsbürgerschaft verliehen hatte. Nach dem Krieg schrieb er als diplomatischer Korrespondent für die Welt am Sonntag und gehörte zu den Lieblingsjournalisten von Konrad Adenauer, der seine Auslandsberichterstattung spannender als Krimis fand. Und der Schweizer Historiker und Politiker Walther Hofer schätzte Bretholz „als einen glänzenden Journalisten, überzeugten Demokraten und unbeugsamen Gegner der Nationalsozialisten.“

Wolfgang Bretholz starb am 31. August 1969 nach langer Krankheit im Kantonsspital von Lausanne.

(hhb)