Der kreative politische Rundfunk- und Fernsehjournalist Claus Hinrich Casdorff kreierte für den WDR zahlreiche Sendungen – die bekannteste davon war das Polit-Magazin „Monitor“, das er jahrelang als Moderator prägte.
1945 kehrte er schwer verwundet aus russischer Gefangenschaft nach Hamburg zurück, schloss 1946 die Schule ab und begann als Volontär bei Radio Hamburg., dem Sender der britischen Militärregierung. 1947 wurde Casdorff dann vom NWDR Nordwestdeutschen Rundfunk übernommen und zum politischen Redakteur ausgebildet. Eigentlich hielt er vom Journalismus anfangs wenig und verglich die Macher dort eher mit Zirkuskünstlern und ähnlichen leichtfertigen Gesellen, wie er später einmal schmunzelnd einräumte. Neun Jahre blieb Casdorff beim NWDR.
Bei der Teilung des NWDR in NDR und WDR entschied er sich 1956 für den Westdeutschen Rundfunk und ging nach Köln – als Chef vom Dienst der Hörfunk-Nachrichtenabteilung. Ab 1961 begann er für das Fernsehen zu arbeiten, zunächst als Moderator in der von Werner Höfer erfundenen Nachrichtensendung „Hier und Heute“. Höfer konnte sich Casdorff nicht als Sprecher vorstellen, schon weil der nuschele. Und: „Der Casdorff geht nicht, weil er einen Langschädel hat, der Fernsehapparat hat aber ein Breitformat und da passt das nicht rein“, so Höfers Urteil.
Doch bald darauf kommen für den Langschädel noch weitere TV-Auftritte problemlos hinzu: ab 1963 im zeitkritischen Magazin „Report“, danach die WDR-Ausgaben vom „Weltspiegel“ und „Gegenrede“, „Schlag auf Schlag“ oder „Ich stelle mich“.
WDR Fernsehsendung "Ich stelle mich" vom 18.04.1988
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Dann startete er beim WDR ein neuartiges ARD-Politmagazin: „Monitor“. Bis 1965 baute er das Redaktionsteam dafür auf und erdachte ein etwas anderes Konzept. Man wollte nicht nur über Politik berichten, es sollten auch Politiker zu Wort kommen. Gemeinsam mit seinem Partner Rudolf Rohlinger nahm er die live ins Kreuzverhör: Helmut Schmidt oder Kurt Georg Kiesinger und Franz Josef Strauß. Für die Politstars eine völlig neue Herausforderung mit geradezu überfallartigen Fragen, damals ganz neu und anders als heute in den oft langweiligen Talkrunden. Besonders konservative Politiker fanden die meist bohrenden Kreuzfeuer-Interview-Fragen als unfair – Strauß soll die Sendung 1972 nach dem Interview wutschnaubend verlassen haben. Casdorff, selbstbewusst und immer perfekt vorbereitet, aber brachte mit seinen geschliffenen Fragen weiterhin so manchen Interviewpartner ins Schwitzen. Er leitete „Monitor“ mit einer kurzen Unterbrechung bis 1981.
Als Chefredakteur der Landesprogramme intensivierte er zu Anfang der 1980er Jahre die Regionalprogramme und erfand beispielsweise die Informationssendung „Aktuelle Stunde“.
Bis zu seiner Pensionierung im Herbst 1990 blieb „Hinni“, wie Casdorff von Freunden und Kollegen genannt wurde, auf dem Bildschirm präsent und zeigte dem TV-Nachwuchs in Seminaren, wie man dort eine gute Figur macht. Außerdem arbeitete Casdorff als Unternehmensberater oder als Kolumnist für verschiedene Zeitungen, darunter das Gratisblatt 20 Minuten Köln. 1992 wurde er Präsident des Presseclubs Köln.
Für seine Verdienste als Journalist wurde er 1979 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.1990 erhielt er die Theodor-Heuss-Medaille in Gold und 1991 den Verdienstorden des Landes NRW.
Claus Hinrich Casdorff starb am 6. Februar 2004 im Alter von 78 Jahren in Köln. Dort wurde er auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt.
WDR-Intendant ► Fritz Pleitgen sagte über ihn: „Claus Hinrich Casdorff verkörperte in angelsächsisch-lakonischer Manier den Typ des unabhängigen Journalisten. Er kannte wahrlich keine Furcht vor Fürstenthronen. Seine Kreuzfeuer-Interviews zusammen mit ► Rudolf Rohlinger waren legendär. Claus Hinrich Casdorff ließ sich nie mit Ausflüchten abspeisen oder gar von den Größen unseres Staates einschüchtern.“
(hhb)
Quellen
6. August 2010 – vor 85 Jahren: Journalist Claus Hinrich Casdorff wird geboren / WDR 6.8.2010
Casdorff, Claus Hinrich / Fernsehmuseum Hamburg
Monitor-Gründer Claus Hinrich Casdorff gestorben / WDR Presseportal 6.2.2004
Zum Tod des Journalisten Claus Hinrich Casdorff: kritisch, selbstbewusst, schlagfertig / Berliner Zeitung am 9.2.2004
Pascal Beucker: Nachruf – Kritischer Geist mit Nuschelstimme / taz
Bücher
Claus Hinrich Casdorff: Weihnachten 1945 / dtv 2020